Studie: Neues über das "Zappelphilipp-Syndrom"

Das Zappelphilipp-Syndrom ist als Kinderkrankheit bekannt - doch leiden neuen Studien zufolge viele Menschen erst im jungen Erwachsenenalter an der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Die nun im Journal of the American Medical Association (Jama) veröffentlichten Erhebungen aus Großbritannien und Brasilien halten einige Überraschungen bereit.

"Unsere Forschung erhellt die Entwicklung und den Beginn von ADHS, aber sie wirft auch neue Fragen zu der Krankheit bei Erwachsenen auf", sagte Mitautorin Louise Arseneault vom Londoner King's College. Für ihre Studie wurden 2000 Zwillinge beobachtet. 166 von ihnen hatten als Erwachsene ADHS. Und 68 Prozent von diesen zeigten in der Kindheit keine Symptome.    

Die Analyse der Zwillinge ergab, dass Männer und Frauen gleichermaßen anfällig für Erwachsenen-ADHS sind - Kinder-ADHS betrifft fast nur Jungen - und dass die Krankheit seltener in der Familie weitergegeben wird als Kinder-ADHS. Bei den 18- bis 19-Jährigen mit ADHS-Syptomen gab es überdies erhöhte Raten von Angstgefühlen, Depressionen, Marihuana- und Alkoholproblemen.    

Für die Studie in Brasilien wurden 5000 Menschen einbezogen. Dabei zeigte sich, dass nur zwölf Prozent mit Erwachsenen-ADHS schon in der Kindheit am Zappelphilipp-Syndrom litten.    
Dies lege nahe, "dass es zwei verschiedene Krankheiten mit verschiedenen Entwicklungen gibt", resümieren die Autoren. Auch nach diesen Ergebnissen waren die Ausprägungen bei Erwachsenen stärker als bei Kindern.    

Experten beurteilten die Befunde der Forscher als "herausfordernd" und zugleich "unreif". Einerseits seien die Daten nicht sehr verlässlich, weil sie etwa auf Selbstauskünften der Betroffenen beruhten. Außerdem wurden nur junge Erwachsene im Alter von 18 und 19 Jahren ins Visier genommen - ein zu enger Altersausschnitt für allgemeingültige Ergebnisse.    

Die Studien sollten aber Ansporn sein, Erwachsenen-ADHS genauer zu erforschen, schrieben die Wissenschaftler Stephen Faraone aus New York und Joseph Biederman aus Boston. Überdies müsse überprüft werden, ob es korrekt sei, ADHS nur bei Kindern bis zum Alter von zwölf Jahren zu diagnostizieren.

  • Datum 19.05.2016
  • Autor APAMED vom 19.05.2016 Rubrik: Forschung

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