Adipositas: Erhöhtes Sterberisiko?

Schlechte Nachrichten für weltweit 1,3 Milliarden Menschen mit Übergewicht und weitere 600 Millionen Personen mit Adipositas: Laut einer Analyse der Daten von 3,9 Millionen Menschen ist Adipositas der zweitgrößte Risikofaktor für einen vorzeitigen Tod nach dem Rauchen. Das geht aus einer riesigen Meta-Studie hervor, die jetzt im "Lancet" veröffentlicht worden ist.

Die Wissenschafter unter Emanuele Di Angelantonio (Universität Cambridge) und Richard Peto (Universität Oxford) haben den Einfluss des Körpergewichts auf das Sterberisiko anhand der Daten von 3,9 Millionen Menschen aus 189 bereits vorhandenen wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema gemeinsam analysiert. In Europa leiden 20 Prozent der Erwachsenen an Adipositas (BMI größer 30), in Nordamerika sind es gar schon 30 Prozent. Ein BMI zwischen 18,5 und 25 ist normal, 25 bis 30 bedeuten Übergewicht und ein Wert über 30 Fettsucht.

Die Ergebnisse der Studie sprechen ganz einfach für das Abnehmen der Betroffenen. "Im Durchschnitt verlieren Übergewichtige ein Jahr ihrer Lebenserwartung, moderat Fettsüchtige hingegen drei Jahre", sagte Di Angelantonio.

Darüber hinaus steigt bei Männern mit Adipositas das Mortalitätsrisiko stärker an als bei Frauen. Das dürfte darauf zurückzuführen, dass sie mit Übergewicht und Adipositas leichter in die Insulinresistenz kommen und eher Diabetes entwickeln. Bei Adipositas war der Effekt dramatisch: Männer mit Normalgewicht haben ein Sterberisiko im Alter unter 70 Jahren von 19 Prozent, Frauen eines von elf Prozent. Bei moderater Fettsucht steigt es bei Männern bereits auf 29,5 und bei Frauen auf 14,6 Prozent.
Insgesamt zeigte die Kurve eine gemäß steigendem Übergewicht gleichmäßig ansteigende Übersterblichkeit ohne eine sprunghafte Entwicklung.

Das untersuchte Kollektiv von 3,9 Millionen Menschen im Alter zwischen 20 und 90 Jahren bestand zu 69 Prozent aus Frauen. Es wurden 386.000 Todesfälle registriert. Die Wissenschafter gehen davon aus, dass Normalgewicht in Europa einen von sieben und in Nordamerika einen von fünf Todesfällen verhindern würde.
 

  • Autor APAMED vom 14.07.2016 Rubrik: Forschung

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