Mehr alkoholbedingte Todesfälle bei den Ärmeren in Europa

In Gruppen mit niedrigem sozialem Status sterben mehr Menschen an Alkohol als in besser gebildeten Gruppen. Diesen Zusammenhang fanden Wissenschafter in allen der 17 untersuchten europäischen Länder.

Alkoholkonsum ist ein Risikofaktor für viele chronische und tödlichen Erkrankungen. Er kann unter anderem Leberschäden, Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs verursachen, zu akuten Vergiftungen führen oder tödliche Unfälle mitverursachen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO ist Alkohol jährlich für 3,3 Millionen Todesfälle weltweit verantwortlich - ein Anteil von 5,9 Prozent an allen Todesfällen.

Alkohol wird in allen sozialen Schichten getrunken - aber nicht in allen gleich. In vielen Ländern trinken sozial bessergestellte Menschen häufiger - und manchmal auch mehr - als Menschen mit geringerem Bildungsgrad, schreiben die Forscher aus Rotterdam (Niederlande). In unteren sozialen Gruppen sei problematisches Trinkverhalten - etwa das Komasaufen - allerdings verbreiteter, infolgedessen seien alkoholbedingte Gesundheits- und soziale Probleme häufiger.


In Ungarn starben im Ländervergleich am meisten Männer und Frauen an Alkohol. In allen Ländern waren alkoholbedingte Todesfälle in den unteren sozialen Gruppen häufiger. Die stärksten Unterschiede zwischen den sozialen Gruppen fanden die Forscher in den Ländern Osteuropas sowie in Finnland und Dänemark. In Spanien, Frankreich, Italien und der Schweiz waren die Unterschiede hingegen weniger stark ausgeprägt, ebenso in Österreich. Die meisten Österreicher - Männer wie Frauen - starben laut Auswertung aufgrund von Alkoholmissbrauch und Abhängigkeit, gefolgt von einer alkoholbedingten Leberzirrhose. Im Gegensatz zu Litauen, Polen oder Finnland starben in Österreich kaum Menschen an einer Alkoholvergiftung.

Laxere Gesetze, ein leichterer Zugang zu Alkohol oder steigende Einkommen seien mögliche Erklärungen für den beobachteten Anstieg und für die Unterschiede zwischen einzelnen Ländern. Genauere Untersuchungen dazu, warum die Zahl der Alkoholtoten in den unteren sozialen Schichten einiger Ländern nicht zugenommen habe, könnten dazu beitragen, Bekämpfungsstrategien für die anderen Länder zu entwickeln, schreiben die Forscher.

  • Datum 02.12.2015
  • Autor APAmed

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