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Wenn die Pollen fliegen

Des einen Freud`, des anderen Leid... während sich viele über die milden Temperaturen und den nahenden Frühling freuen, leiden nicht wenige unter dem heuer verfrühten Start der Pollensaison. Durch die milden Temperaturen in den Wintermonaten beginnt die Pollensaison im Durchschnitt 3 Wochen früher als gewöhnlich.

Vor allem Kinder reihen sich immer häufiger in die Zahl der Betroffenen ein; Grund genug sich rechtzeitig mit Allergievorsorge zu beschäftigen, um beim Auftreten von Beschwerden Bescheid zu wissen, welche Maßnahmen helfen, besser durch die Allergiesaison zu kommen.

Von Anfang an

Allergieprävention beginnt bereits vor der Schwangerschaft und sollte nicht nur dann überdacht werden, wenn es bereits Allergiker in der nahen Verwandtschaft gibt. Aktives und passives Rauchen sowie Haustiere vor allem in Schlafräumen sollten in dieser Zeit generell vermieden, hingegen besonders auf eine  abwechslungsreiche, vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung und viel Bewegung an der frischen Luft geachtet werden. Gönnen Sie auch Ihren Wohnräumen regelmäßiges Lüften und achten Sie beim Einkauf von Kleidung, Schlafsäcken und Kuscheltieren auf gut verträgliche Materialien und auf deren Waschbarkeit (60°).


Ist der kleine Erdenbürger gelandet, so gilt ausschließliches Stillen bis Ende 4. Monat – dann beginnt die „Breichenzeit“ – neben zahlreichen anderen positiven Aspekten nach wie vor als bester Allergieschutz – muss jedoch schon früher zugefüttert oder ganz auf Milchnahrung umgestellt werden, so stehen spezielle H.A.-Nahrungen zur Verfügung. Ansonsten Hände weg von übertriebener hygienischer Fürsorge im Kleinkindalter! Der „gesunde Dreck“ stärkt das Immunsystem, ebenso früher Kontakt mit anderen Kindern, was naturgemäß auch Kontakt mit Keimen jeglicher Art bedeutet.
Dadurch wird das kindliche Immunsystem trainiert und gestärkt – neben den Impfungen gegen die wichtigsten Kinderkrankheiten der beste Schutz für unsere Kleinsten.


Frühzeitige Diagnose


Allergien werden meist zu spät diagnostiziert. Das liegt daran, dass erste Symptome wie brennende Augen oder eine rinnende Nase oft unterschätzt und nicht beachtet werden. Allergien sind jedoch ernstzunehmende Erkrankungen. Eine rechtzeitige Behandlung kann sie zwar nicht heilen, beugt jedoch
einer Verschlechterung der Symptome sowie einer Chronifizierung vor. Der so genannte „Etagenwechsel“ ist keine Seltenheit: Aus einem scheinbar harmlosen und lästigen Heuschnupfen wird plötzlich allergisches Asthma, welches unter Umständen lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann! Einfache Hauttests und eine Blutuntersuchung spüren das Vorliegen einer Allergie rasch auf und im ausführlichen Gespräch legt der Arzt die beste Therapie fest.


Regelmäßige Therapie


Die so genannte spezifische Immuntherapie oder Hyposensibilisierung ist die einzige  Behandlungsmethode, die Aussicht auf Heilung versprechen kann. Dabei verabreicht der Arzt dem Patienten in regelmäßigen Abständen die allergieauslösenden Stoffe in Form von Injektionen unter die Haut, um dem Immunsystem diese Überreaktionen abzugewöhnen. Durch die allmähliche Steigerung der Dosis lernt unsere Immunabwehr, mit dem Allergen umzugehen und wird mit der Zeit unempfindlich dagegen. Gute Nachricht für alle, die Nadeln scheuen: Mittlerweile gibt es diese Therapieform auch als Tropfen und Tabletten, wodurch der Patient nach einer Einführung durch den Arzt die Therapie selbständig durchführen kann. Eine weitere Erleichterung stellt die „saisonale 5-Gräsertablette“
dar, welche das in Österreich vorhandene Pollenspektrum gut abdeckt und nur mehr 3 Jahre lang 4 Monate vor dem Pollenflug und die ganze Saison hindurch eingenommen werden muss.
Eine erfolgreiche und dauerhafte Hyposensibilisierung muss über einen Zeitraum von 3 bis 5 Jahren durchgeführt werden. Dennoch werden Allergien werden häufig untertherapiert, das bedeutet viele Allergiker lehnen eine Hyposensibilisierung ab und greifen zu so genannten Antihistaminika. Diese
Tabletten gegen Allergien entschärfen zwar das Histamin, den wichtigsten Allergieauslöser und helfen gut bei leichten bis mittelschweren Allergieformen, bekämpfen jedoch nicht die Ursache.
Darüber hinaus greifen viele auch nur dann zum Medikament, wenn die Symptome besonders belastend sind.  Jedoch zeigt sich, das gerade bei der häufigsten Allergieform, der Pollenallergie,
eine kontinuierliche Einnahme bzw. Anwendung von bestimmten Medikamenten während der gesamten
belastenden Saison die Symptome wesentlich geringer erscheinen lässt und somit die Allergie weniger belastend zum Tragen kommt. Dies gilt vor allem für Medikamente, welche die Freisetzung des allergieauslösenden Histamins verhindern sollen.
Derartige vorbeugend wirkende Augentropfen oder Nasensprays mit Cromoglicinsäure oder Nedocromil werden mehrmals am Tag angewendet und brauchen auch einige Tage Vorlaufzeit, um optimal wirken zu können. Also Geduld und rechtzeitig beginnen!
Pflanzliche Präparate wie z.B. aus der Astragaluspflanze oder der chinesischen Tragantwurzel stärken das Immunsystem. Eine andere natürliche Behandlungsmöglichkeit
von allergischen Erkrankungen stellen natürliche so genannte OPC-Stoffe dar, die aus Pinienrinden und Traubenkernen gewonnen werden. Diese Therapieoption ist für alle Altersgruppen geeignet auch für Kinder und Schwangere. Sie wirken am besten, wenn sie bereits vorbereitend einige Wochen vor dem
Ausbrechen der Allergie eingenommen werden. Auch homöopathische Globuli oder Tropfen beweisen Jahr für Jahr ihre Wirksamkeit. Entgegen der landläufigen Meinung zeigen sie gerade bei akuten
Beschwerden eine beeindruckend schnelle Wirkung bzw. lindern Allergiesymptome auch über einen längeren Zeitraum hindurch. Alle genannten Präparate können sowohl zur spezifischen Immuntherapie
als auch zu ärztlich verordneten Antihistamika problemlos kombiniert werden, sind gut verträglich, haben
keine schädlichen Nebenwirkungen und machen auch nicht zusätzlich müde.


Ein gesunder Darm bringt`s


Die Beschaffenheit unserer Darmbakterien ist ausschlaggebend für unser Immunsystem, nicht nur im Hinblick auf Infektionskrankheiten, sondern auch auf Allergien. Die vorbeugende Einnahme spezieller Darmbakterienpräparate bereits in der Schwangerschaft kann helfen, das Auftreten von kindlichen
Allergieformen zu reduzieren. Für Neugeborene stehen Probiotika zur Verfügung, welche innerhalb des 1. Lebensjahres verabreicht werden können. Doch auch wer bereits unter einer Allergie leidet, sollte sich regelmäßig eine mehrwöchige Darmsanierung gönnen. In den Apotheken steht eine
große Auswahl geprüfter und wirksamer Präparate zur Auswahl.


Pollen nicht mitnehmen


Schutzgitter vor dem Schlafzimmerfenster, regelmäßiges Saugen und Wischen, spezielle Filter für Staubsauger und Auto, die der Allergiker tunlichst nicht selbst wechseln sollte – Betroffene wissen meist über derartige Maßnahmen gut Bescheid. Aber auch einfache Verhaltensmaßnahmen wie die Kleidung
nicht im Schlafzimmer zu wechseln oder abends regelmäßig zu duschen und Haare zu waschen entfernt eine Großteil der Pollen und sperrt sie so aus dem Wohnbereich aus. Nach dem Duschen nicht auf das Eincremen vergessen: Pollenallergene reizen nicht nur Augen und Atemwege, sondern können auch über die Haut besonders an den Haarfollikeln unser Immunsystem belasten. Spezielle Hautpflegeprodukte für Allergiker stärken durch ihre Inhaltsstoffe die natürliche Barrierefunktion der Haut und reduzieren so das Eindringen von Allergenen auf ein Minimum.
Auch die Nasenschleimhäute sind über Reinigungsmaßnahmen dankbar, da die so genannte „Nasenblockade“ ihre wichtige Filterfunktion lahmlegt: Dazu verwendet man am besten so genannte Nasenduschen. Diese werden mit lauwarmen Salzlösungen befüllt. Fertige Salzmischungen aus der Apotheke haben den Vorteil einer isotonen Zusammensetzung, das bedeutet, dass diese Lösung dem menschlichen Blut sehr ähnlich, dadurch angenehm in der Anwendung ist und nicht in der Nase brennt. Bei der Anwendung ist der Mund weit zu öffnen, dabei läuft das Wasser bei einem Nasenloch hinein
und beim anderen hinaus, ohne in den Rachen zu laufen. Wer regelmäßig 1-bis 2mal täglich (besonders abends) Nasenspülungen durchführt, hilft den Schleimhäuten bei der Reinigung und
Regeneration und bekämpft so wirksam das wohl unangenehmste Symptom der Allergie: die verstopfte Nase.

 

  • Datum 23.06.2014
  • Autor Mag.pharm. Irina Schwabegger-Wager

Mag. pharm. Irina Schwabegger-Wager

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