Alzheimer - Positive Auswirkung von Bewegung

Alle zwölf Sekunden erkrankt in Europa ein Mensch an Demenz, weltweit sogar alle drei Sekunden. Alzheimer-Demenz ist nicht heilbar, klinische Symptome lassen sich aber verzögern und erstes Auftreten von Vergesslichkeit positiv beeinflussen.

Für die finnisch-schwedische Studie wurden 1.260 Personen zwischen 60 und 77 Jahren, die bereits vergesslich waren, in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe von 631 Personen erhielt über 24 Monate ein alltagsangepasstes regelmäßiges körperliches Training mit Spaziergängen und gleichzeitigem Dialog, ein Balance- und Gedächtnistraining am Computer, sozialen Aktivitäten, einer gesunden Diät sowie Überwachung des Herz-Kreislauf-Status.

"Das Ergebnis war eine signifikante Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten in den Bereichen Verarbeitungsgeschwindigkeit und Exekutivfunktionen in der aktiven Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe", betonte Peter Dal-Bianco, Alzheimer-Experte der MedUni Wien. Bewegungsträge Menschen haben ein um 80 Prozent erhöhtes Alzheimer-Risiko im Vergleich mit körperlich aktiven Menschen, hatten bereits frühere Forschungen an der MedUni gezeigt. Weitere Faktoren für ein Auftreten von Demenz sind Übergewicht, Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Rauchen.

"Die neurodegenerativen Gewebsveränderungen im Gehirn entwickeln sich langsam und beginnen bereits etwa 30 Jahre vor den ersten klinischen Demenzsymptomen", erläuterte Dal-Bianco. "Wenn wir also in einem frühen Stadium die richtigen Maßnahmen ergreifen und wissenschaftlich nachweisen können, dass sie auch wirken, könnten vielen Menschen den klinischen Ausbruch der Erkrankung so lange hinauszögern, dass sie diesen vor ihrem altersbedingten Tod nicht erleben müssen."

An der Universitätsklinik für Neurologie wird in einer Studie zur Behandlung von Alzheimer-Demenz im frühen Stadium eine Hirnstimulation mit Ultraschallwellen eingesetzt. Damit soll die Neubildung von Strukturen im Nervensystem gefördert werden. Eine weitere Studie läuft gemeinsam mit der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie. Dabei wird die Aktivität der Nervenzellen der Netzhaut im Auge durch Lichtstimulation gesteigert. Sind diese Nervenzellen nicht mehr in der Lage ausreichend Signale zur nötigen Nährstoff- und Blutversorgung auszusenden, kann dies ein Indiz für die weitere Entwicklung zur Alzheimer-Demenz sein. Die Forscher erhoffen sich so eine weitere Möglichkeit der Alzheimer-Früherkennung.

Schlecht informiert

Fast zwei Drittel der Österreicher fühlen sich über das Thema Demenz nicht ausreichend aufgeklärt. 63 Prozent gaben bei einer SORA-Umfrage für die Volkshilfe an, eher nicht genug Informationen über die Krankheit zu haben. 84 Prozent der Befragten sprachen sich für mehr Beratungsangebote für Angehörige und Betroffene aus.

  • Autor APAMED vom 19.09.2016 Rubrik: Medical Week

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Gewürze aus der Apotheke

Schon vor Jahrhunderten waren mühe- und gefahrenvolle Handelswege erkundet worden, um aus dem Morgenland Gewürze jeglicher Art zu holen. Diese »Aromen« waren so heiß begehrt, dass Europas Seefahrernationen im Fernen Osten untereinander Kriege austrugen, um damit die Herrschaft über den Gewürzanbau vor Ort und den Gewürzhandel zu erringen.

hier weiterlesen


Hohes Risiko im Winter für Verbrennungsunfälle bei Kindern

Die kalten Wintermonate sind die Hochrisikozeit für Verbrennungs- und Verbrühungsunfälle von Kindern. Allein im Jänner müssen in Österreich pro Tag rund zehn Kleinkinder unter vier Jahren wegen derartiger Verletzungen ins Krankenhaus.

hier weiterlesen


Lungenkrebs: Vermeidbare Tragödie

"Der Lungenkrebs ist der wichtigste Krebs weltweit. Er ist eine vermeidbare Tragödie", sagt Robert Pirker, Wiener Lungenkarzinomspezialist. "Global erkranken pro Jahr rund 1,8 Millionen Menschen an einem Lungenkarzinom.."

hier weiterlesen


Influenza: Gefahr für Mutter und Kind
Impfung

Influenza: Gefahr für Mutter und Kind

In der Schwangerschaft an einer „echten“ Grippe zu erkranken kann das Leben von Mutter und Kind gefährden. Aber auch bei Klein- und Schulkindern ist mit einer Influenza-Infektion nicht zu spaßen.

hier weiterlesen


Mit Arzneipflanzen Erkältungssymptome lindern

Insbesondere in der kalten Jahreszeit steigt die Häufigkeit von – zumeist viral bedingten – Erkältungskrankheiten. Nach wie vor werden oft Antibiotika verordnet, obwohl pflanzliche Arzneimittel eine wirksame und sichere Alternative wären .

hier weiterlesen


Ungewissheit, die krank macht

Wer seinen Arbeitsplatz als unsicher empfindet oder von unfreiwilliger Umgestaltung bedroht sieht, kann darunter leiden wie unter einer körperlichen Krankheit. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie hin.

hier weiterlesen