Das metabolische Syndrom ganzheitlich betrachtet – Psychosomatik, Energiestoffwechsel, Prävention & Therapie

Das metabolische Syndrom ist eine der häufigsten und gefährlichsten Zivilisationskrankheiten unserer Zeit. In Europa ist bereits jeder dritte Mensch betroffen, Tendenz steigend. Es bezeichnet die Kombination aus erhöhten Blutzucker- und Cholesterinwerten, Bluthochdruck und bauchbetontem Übergewicht, die wegen ihrer fatalen Folgen – von Diabetes mellitus Typ 2 über Niereninsuffizienz bis zu koronaren Herzkrankheiten – auch „tödliches Quartett“ genannt wird. Allerdings beschränkt sich das metabolische Syndrom nicht auf körperliche Beschwerden, sondern ist häufig auch mit psychischen Beeinträchtigungen von Abgeschlagenheit bis zu Depression verbunden.

Risikofaktor Lebensstil

Als Hauptursachen des metabolischen Syndroms stehen Bewegungsmangel, unausgewogene – d.h. kalorienreiche, aber nährstoffarme – Ernährung, Stress und chronische Überlastung im Vordergrund. „Bei Menschen, die sich vorwiegend von Fastfood ernähren, wenig Ballaststoffe, Obst und Gemüse essen und sich kaum bewegen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie ein metabolisches Syndrom entwickeln“, berichtete Dr. Gerhard Hubmann, Ganzheitsmediziner, Berater für Komplementärmedizin der WGKK. Betroffen sind nicht nur Erwachsene. So ist ein starkes Ansteigen von übergewichtigen Kindern mit Insulinresistenz, teilweise erhöhten Cholesterinwerten und sogar bereits Bluthochdruck zu beobachten.

Teufelskreislauf zwischen Körper und Psyche

Das metabolische Syndrom stellt eine Psychosomatose dar, ist also eine Erkrankung, die neben dem Körper auch die Psyche betrifft. „Im Vordergrund steht hier das sogenannte Fatigue-Syndrom, das mit Energiemangel, Abgeschlagenheit und Stimmungsbeeinträchtigungen assoziiert ist und die Entwicklung diverser psychischer Folgeerscheinungen begünstigt, v.a. Depression“, erklärte Univ.-Prof. Dr. Peter Hofmann, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, stellvertretender Klinikvorstand der Grazer Univ.-Klinik für Psychiatrie.

Aus dem Zusammenwirken körperlicher und psychischer Beeinträchtigungen entsteht vielfach ein negativer Rückkoppelungsprozess: Patienten mit metabolischem Syndrom fehlt der Schwung für notwendige Lebensstiländerungen, selbst wenn ihnen bewusst ist, dass Handlungsbedarf besteht. Dieser Energiemangel stellt für sie eine zusätzliche Belastung dar und kann eine Vorstufe zu jener Antriebslosigkeit sein, wie wir sie in der Depression kennen.

„Mittlerweile ist aus psychiatrischer Perspektive medizinisch-wissenschaftlich eindeutig und mit hoher Signifikanz gesichert, dass es einen Wechselwirkungsprozess in beide Richtungen gibt – Depression führt zu metabolischem Syndrom und umgekehrt“, so Hofmann. Statistische Daten belegen klar, dass Patienten mit metabolischem Syndrom ein verdoppeltes Risiko für die Entwicklung einer Depression aufweisen und dass bei Depression das Risiko für die Entstehung eines metabolischen Syndroms ebenfalls nahezu zweimal so hoch ist.

Therapeutische Ansätze

Die beste Vorbeugung, aber auch die beste Therapie ist eine Umstellung des Lebensstils mit gesunder Ernährung und regelmäßiger Bewegung. In der konventionellen Medizin wird meist jeder der vier körperlichen Faktoren des metabolischen Syndroms separat behandelt. „Aus ganzheitsmedizinischer Sicht ist es notwendig, ein physiologisches Säure-Basen-Gleichgewicht herzustellen, den Darm zu sanieren, und die Resorptionsbarriere zu verbessern, damit die Nahrung wieder besser verstoffwechselt werden kann“, betonte Hubmann. „Dadurch steigt die Energie des Organismus, v.a. das intrazelluläre Adenosintriphosphat, das quasi der Treibstoff für die Mitochondrien, die Kraftwerke unseres Körpers, darstellt.“ Gemeinsames Ziel verschiedenster ganzheitsmedizinischer Ansätze von Traditioneller Medizin über orthomolekulare bis zu sogenannter mitochondrialer Medizin ist es, dem Organismus Unterstützung in der Selbstregulation zu bieten, indem die Energie auf mitochondrialer bzw. Zell-, aber auch Organebene erhöht wird. Dadurch soll erreicht werden, dass Krankheiten erst gar nicht entstehen bzw. bereits vorliegende Erkrankungen nicht weiter fortschreiten oder sogar geheilt werden.

Wichtig ist eine ganzheitsmedizinische Begleittherapie insbesondere für Patienten mit metabolischem Syndrom, die bereits schulmedizinisch behandelt werden. Beispielsweise ist bei Einnahme von Statinen die begleitende Gabe von Antioxidantien erforderlich, um die Nebenwirkungen zu reduzieren. Immer mehr Betroffenen ist es darüber hinaus ein Anliegen, zusätzlich zu den verordneten Medikamenten Unterstützung zu bekommen, u.a. um diese Arzneimittel nicht auf Dauer einnehmen zu müssen. „Viele Patienten mit metabolischem Syndrom äußern aktives Interesse an Unterstützung aus der Komplementärmedizin mit ihrem vielfältigen Angebot an äußerst effizienten Ansätzen“, bestätigte Hofmann. „Wir Schulmediziner sollten uns über diese zusätzlichen Möglichkeiten freuen und sie positiv nützen, nicht zuletzt, um die Motivation der Betroffenen zu stärken, damit sie ausreichend Schwung für eine Lebensstilumstellung bekommen.“