Patient braucht Arzt und Apotheker

Die Versorgung mit Gesundheitsdienstleistungen am Land ist eine der wesentlichen Zukunftsherausforderungen. Viele Akademiker können sich nicht vorstellen, auf die Annehmlichkeiten einer Großstadt zu verzichten, dies betrifft Ärzte und Apotheker. Eine Analyse von Mag. pharm. Max Wellan, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer.

 Es braucht also Lösungen, wie wir gemeinsam – Arzt und Apotheker – die Arbeitssituation am Land verbessern können. Wir denken bereits über Kooperationsmodelle nach. Denn nur die Hausapotheken oder die Dispensierfreiheit in den Raum zu stellen greift viel zu kurz und löst das Problem von seiner strukturellen Seite nicht. Im Gegenteil, ich bin zutiefst davon überzeugt, dass beide Gesundheitsberufe die Versorgung der Bevölkerung gemeinsam wahrnehmen sollen. 

 

 

Im Laufe meiner Karriere habe ich in mehr als 20 Apotheken – davon in einigen Landapotheken - Vertretungen gemacht. Dabei habe ich selbst erlebt, wie gut die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker funktioniert. Die enge Kooperation vor Ort zwischen den Gesundheitsberufen - nahe an den realen Lebenswelten der Patienten - ist die Stärke des niedergelassenen Bereichs. 

 

Für eine saubere Trennung von Diagnose/Therapie auf der einen Seite und Arzneimittelabgabe/ –beratung auf der anderen Seite sprechen bei genauerer Betrachtung eine Vielzahl von Argumenten. 

 

Sieben wichtige Gründe, warum ein Patient für eine optimale Versorgung Arzt und Apotheker braucht und jeder seine vielfältigen Aufgaben auch sorgfältig und nachhaltig erfüllen können muss:

 

1. Qualität durch Expertise

Der Patient hat ein Recht darauf, Arzneimittel in jener Qualität und Menge zu erhalten, die für ihn optimal sind. Der Apotheker stellt durch seine ständige Beschäftigung mit allen Aspekten der Arzneimittelversorgung eine professionelle Herangehensweise sicher. Die Apotheker sind die routinierten Experten für Arzneimittel, genauso wie die Ärzte die routinierten Experten für Diagnose und Therapie sind.

 

2. Qualität durch Adherence/Betreuung

Eine menschliche Tatsache: Einmal gehörte Inhalte werden innerhalb von 24 Stunden zu 90 Prozent vergessen. Erst was mehrmals gehört wird, im besten Falle sogar wiederholt, wird behalten. Der Kunde muss seine Therapie verstehen. Durch die mehrmalige Wiederholung – beim Arzt und beim Apotheker – steigt auch die Akzeptanz für die richtige Einnahme der Medikamente. Wichtig sind die gemeinsame Sprache und die gemeinsamen Botschaften.

 

3. Qualität durch Überblick

Heutzutage gibt es 12.000 registrierte Arzneispezialitäten. Außerdem steigt die Flut an Informationen – auch zu Gesundheitsthemen. Um sich gut mit seiner eigenen Gesundheit zurechtzufinden, braucht es Arzt und Apotheker. Wir haben in der Apotheke den Überblick über das gesamte Arzneispektrum, wir bieten alle Leistungen rund um die diversen Medikamente und Gesundheitsprodukte an. Ohne der Leistung der Apothekerschaft ist die Versorgung der Bevölkerung gar nicht möglich. Selbst hausapothekenführende Ärzte wissen erfahrungsgemäß die Kompetenz der Apotheken zu schätzen, schicken sie doch ihre Patienten in die Apotheke, wenn es um „schwierige Fälle“ wie Insulin, magistrale Rezepturen, starke Schmerzmittel/Suchtmittel geht.

 

4. Qualität durch das 4-Augen Prinzip

Jeder Patient profitiert von den Leistungen beider Gesundheitsberufe. Wer seinen Arzt konsultieren und zusätzlich den Apotheker fragen kann, hat zwei wertvolle Dienstleistungen erhalten. Eine alte, banale aber treffende Weisheit: 4 Augen sehen mehr als zwei – ein wertvoller Sicherheitsaspekt.

 

5. Qualität durch bestmögliche Auswahl

Jede Apotheke hat im Schnitt 16.000 Packungen auf Lager. Der Arzt soll das beste Medikament verschreiben, das am Markt ist, und die Apotheke stellt es für den Kunden bereit. Die administrativen und logistischen Aufwendungen sind enorm (Lieferschwierigkeiten, Auslandsbestellungen, Außer-Verkehrziehungen etc) und daher nur in einem apothekerlichen Vollbetrieb zu bewerkstelligen.

 

6. Qualität durch Unangreifbarbeit

Böswilligerweise könnte Ärzten, die Arzneimittel verkaufen, unterstellt werden, gelegentlich jene Präparate zu verordnen, die sie auf Lager hätten, obwohl ein Alternativpräparat unter Umständen sinnvoller wäre. Ärzte, die erst gar nicht in den Dunstkreis der Arzneimittelabgabe gelangen, sind über jeden Verdacht erhaben. Dies ist auch der Grund, warum als Qualitätssicherungsmaßnahme vor mehr als 750 Jahren die beiden Berufe getrennt wurden.

 

7. Qualität durch Bürokratieabbau

Bei der Pressekonferenz „Landmedizin“ wurde beklagt, wieviel bürokratischer Aufwand mit der Arzneimittelabgabe verbunden ist. Alleine die vorgeschriebenen Qualitätskontrollen verursachen zusätzliche Arbeitsstunden für den Arzt. Insofern ist es von vornherein besser, wenn ein derartiger bürokratischer Zusatzaufwand, den Arzneimittel mit sich bringen, in einer Ordination erst gar nicht anfällt.

  • Datum 17.03.2014
  • Autor Österreichische Apothekerkammer