Ungewissheit, die krank macht

Wer seinen Arbeitsplatz als unsicher empfindet oder von unfreiwilliger Umgestaltung bedroht sieht, kann darunter leiden wie unter einer körperlichen Krankheit. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie hin.

Auslöser für arbeitsbedingten Stress haben in den letzten Jahrzehnten zugenommen: Befristete Arbeitsverhältnisse, Entlassungswellen in Unternehmen oder Kurzarbeit lassen den eigenen Arbeitsplatz als permanent bedroht erscheinen. Aber auch unfreiwillige Änderungen bei Arbeitsbedingungen und -inhalten, wie etwa die Versetzung in ein neues Team oder einen neuen Arbeitsbereich, können zu Arbeitsunsicherheit führen.

Im Rahmen der MONICA/KORA-Studie wurden 1 800 Arbeitnehmerbefragt. Zum Zeitpunkt der Erstbefragung waren alle Teilnehmer noch berufstätig; fast 40 Prozent von ihnen gaben jedoch an, sich oft oder manchmal Sorgen zu machen, die derzeitige Arbeitsstelle behalten zu können. Die Gruppe derjenigen, die zuvor über Arbeitsunsicherheit geklagt hatte, wies nun ein deutlich vermindertes Wohlbefinden, gemessen anhand der WHO-5 Skala, auf. Vermindertes Wohlbefinden wiederum gilt als Risikofaktor für die seelische und körperliche Gesundheit.

„Das Risiko für ein vermindertes Wohlbefinden war in dieser Gruppe um 43 Prozent erhöht", erläutert Amira Barrech, Expertin für Arbeit und Gesundheit. Dieser Zusammenhang blieb auch dann bestehen, wenn eine Reihe möglicher Störfaktoren wie etwa die Art der Arbeit sowie das Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten berücksichtigt wurden.
Die Verbindung zwischen Arbeitsunsicherheit und langfristig vermindertem Wohlbefinden sehen die Wissenschaftler im Stress, der durch die unsichere Arbeitssituation ausgelöst wird. Vor allem länger andauernde Unsicherheitsmomente führen demnach zu einer Ansammlung kurzfristiger Stressreaktionen wie etwa Bluthochdruck oder körperlicher und psychischer Anspannung. Daraus können sich auch länger anhaltende gesundheitliche Probleme ergeben, die wiederum das Wohlbefinden beeinträchtigen.

 „Umfassende und zeitnahe Kommunikation ist ein essentieller Baustein zur Vermeidung von Arbeitsunsicherheit", sagt Barrech. Auch der betroffene Arbeitnehmer könne aktiv werden: Alternative Beschäftigungsmöglichkeiten zu suchen oder Zusatzqualifikationen zu erwerben, stärke das eigene Kontrollerleben und verringere die wahrgenommene Abhängigkeit von der aktuellen Arbeitsstelle; Meditation oder Sport könnten zur Stressreduktion beitragen.
 

  • Datum 16.11.2016
  • Autor Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie

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