Neue Erkenntnisse zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Arterienverkalkung (Atherosklerose) ist eine der häufigsten Ursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Neue Erkenntnisse zur Entstehung, Diagnose und Behandlung sollen zur besseren Prävention beitragen. Der europaweit größte Kongress auf diesem Gebiet findet kommende Woche in Innsbruck statt.

Herzinfarkte und Schlaganfälle zählen in der westlichen Welt zu den häufigsten Todesursachen. Die Verhinderung von Herz-Kreislauferkrankungen ist eines der Hauptthemen des 84. Kongresses der Europäischen Atherosklerose-Gesellschaft (EAS) in Innsbruck. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Senkung des LDL-Cholesterinspiegels. Dafür stehen seit 2015 neue Medikamente, sogenannte PCSK9-Inhibitoren, zur Cholesterinsenkung in besonders ausgeprägten Fällen zur Verfügung. Diese innovativen Lipidsenker können zusätzlich zu den bisher verwendeten Statinen das gefährliche LDL-Cholesterin optimal senken. Zudem werden neue Behandlungs-Richtlinien am 1. Juni 2016 präsentiert.

Unentdecktes Risiko: Familiäre Hypercholesterinämie

Rund 30.000 Österreicherinnen und Österreicher haben einen erhöhten Cholesterin-Spiegel auf Grund einer genetisch bedingten familiären Hypercholesterinämie (FH). Allerdings wissen rund 80 Prozent der Betroffenen nichts von ihren erhöhten LDL-Werten. „Eine genetisch bedingte Störung des Cholesterinstoffwechsels wird häufig erst diagnostiziert, wenn es schon zu einem Herzinfarkt gekommen ist“, erklärt Kongresspräsident Hans Dieplinger.

Neue Studie mit 300.000 ProbandInnen zur Messung der Blutfette

Die Blutfettwerte können im Rahmen einer einfachen Blutuntersuchung gemessen werden. Zukünftig könnte diese noch leichter durchgeführt werden. „Wie eine aktuelle Studie mit 300.000 ProbandInnen aus Dänemark, Kanada und den USA zeigt, müssen PatientInnen zur Überprüfung der Blutfettwerte wie Cholesterin nicht nüchtern zur Blutprobe erscheinen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Florian Kronenberg, Co-Kongresspräsident und Direktor der Sektion für Genetische Epidemiologie der Medizin Uni Innsbruck. Die Auswertung habe gezeigt, dass sich selten klinische Konsequenzen daraus ergeben, ob die PatientInnen vor der Blutabnahme etwas gegessen haben oder nicht. „Für Berufstätige, Kinder, DiabetikerInnen und ältere Menschen erleichtert diese Erkenntnis die Vorsorgeuntersuchung“, sagt Kronenberg.

Neues Target in der Medikamentenforschung: Lipoprotein(a)

Rund 20 Prozent der Bevölkerung haben eine erhöhte Konzentration des Blutfetts Lp(a). Zahlreiche Forschungsarbeiten zeigen, dass neben erhöhten LDL-Cholesterinkonzentrationen ein erhöhter Lp(a)-Wert ebenfalls das Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle vergrößert. Dadurch wird eine gezieltere Risikoeinschätzung, auch bei jüngeren Menschen, möglich. Durch eine medikamentöse Beeinflussung des Lp(a)-Spiegels erhoffen sich ForscherInnen eine anwendbare Therapie zur Prävention entwickelt zu haben. Derzeit wird die Anwendung im Rahmen einer frühen klinischen Studie getestet.

  • Datum 25.05.2016
  • Autor Medizinische Universität Innsbruck | Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit | Dr.in Barbara Hoffmann-Ammann

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