Arzneimittel im Alter

Im Alter nimmt die Häufigkeit von Erkrankungen zu und viele ältere Menschen leiden außerdem gleichzeitig an mehreren Erkrankungen und müssen daher auch mehrere Medikamente einnehmen. Dabei kann es zu einer gegenseitigen Beeinflussung der verschiedenen Arzneistoffe kommen, der Fachmann nennt das Arzneimittel-Interaktionen.

Im Alter wirken aber auch viele Medikamente anders, einige Gründe dafür sind:
 

Unterschiedliche Pharmakokinetik

Mit diesem Begriff wird die Dauer der Aufnahme, die Verteilung und Wirkung im Körper und der Abbau eines Wirkstoffes beschrieben. Im Allgemeinen werden die pharmakokinetischen Studien beim jungen Erwachsenen gemacht. Es kann erhebliche Unterschiede zur Patientengruppe der Senioren geben.
 

Resorption

Die Resorption der Arzneistoffe kann durch verschiedene Änderungen des Gastrointestinaltraktes im Alter beeinflusst werden.

 

Verteilung

Die Verteilung wird durch das im Alter veränderte Verhältnis zwischen Fettgewebe und Muskelgewebe beeinflusst. So können Medikamente im Alter sowohl schwächer, als auch stärker wirksam sein. Das hängt davon ab, ob sie fettlöslich oder wasserlöslich sind.
 

Anwendungsprobleme

Letztlich sind es aber auch oft Anwendungsprobleme. Komplizierte Einnahmeschemata, Sehstörungen und Vergesslichkeit können zu Einnahmefehlern führen. Darüber hinaus leiden viele ältere Patienten an Schluckbeschwerden. Wenn diese Patienten nicht wirklich ausreichend viel Flüssigkeit nachtrinken, können die Tabletten oder Kapseln in der Speiseröhre hängen zu bleiben. Das kann auch vorkommen, wenn man das Arzneimittel mit nicht aufrechter Körperhaltung einnimmt. Es versteht sich von selbst, dass „hängengebliebene“ Medikamente nicht wirken.


Wichtig Tipps vom Apotheker

Generell gilt, dass feste Arzneiformen nicht im Liegen einzunehmen sind.

  • Jede feste Arzneiform sollte möglichst im Stehen, auf alle Fälle jedoch mit erhobenem Oberkörper zusammen mit reichlich Wasser (mindestens 100 ml) geschluckt werden.
  • In Problemfällen (bettlägerige Patienten, Patienten mit Schluckstörungen) sollte man auf flüssige Darreichungsformen oder im Mund zerfallende, schnell lösliche Arzneiformen ausweichen.
  • Wenn solche Alternativen nicht vorhanden sind, sollte man den Apotheker fragen, ob sich die Arzneiformen nicht zerkleinern (Tabletten) oder öffnen lassen (Kapseln), ohne dass dadurch ein Formulierungsprinzip beeinträchtigt oder gar zerstört wird. Besonders kritisch sind solche Maßnahmen jedoch bei retardierten und magensaftresistenten Formen
     

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  • Datum 10.05.2016
  • Autor Österreichische Apothekerkammer

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