Arzneimittel-Versandhandel: Bisher nur wenige Apotheken tätig

Der seit 25. Juni vergangenen Jahres auch in Österreich - allerdings unter strengen Auflagen - mögliche Versandhandel mit rezeptfreien Arzneimitteln durch öffentliche Apotheken ist ein "Randgeschäft". "Es ist genau das eingetreten, was wir erwartet haben", sagte der Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, Max Wellan, gegenüber der APA.

Wellan zog Bilanz nach etwa einem halben Jahr an Erfahrungen mit dem zusätzlichen Vertriebsweg. Die Umsätze, die mit dem sogenannten "Fernabsatz" von OTC-Präparaten gemacht werden, seien insgesamt gering, meinte der Standesvertreter. "Von den Kunden her ist es eher zu einer Verschiebung von ausländischen zu inländischen Apotheken (im Versandgeschäft; Anm.) gekommen."

In Österreich gelten für den OTC-Arzneimittelversandhandel strikte Regelungen. Apotheken, die auch diesen Fernabsatz betreiben, müssen real existierende öffentliche Apotheken in Österreich sein. Im Rahmen ihrer Geschäftsstätigkeit müssen sie sich beim Bundesamt für die Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) registrieren. Sie führen dann ein "Sicherheitslogo" auf ihrer Homepage und werden in die Liste der Versandapotheken des BASG aufgenommen. Es muss eine Aufsicht durch den jeweiligen Apothekenleiter, ein Apotheker, gegeben sein. Es muss eine Qualitätssicherung und ein Qualitätsmanagement geben.

Dazu kommt, dass eine Apotheke jeweils nur in einer "dem üblichen persönlichen Bedarf entsprechenden Menge" und ohne Mindestbestellmengen versenden darf. Der Kunde wiederum muss sich vor der ersten Bestellung mit persönlichen Daten wie dem Geburtsdatum und der Telefonnummer bei der jeweiligen Apotheke registrieren. Der Versand muss in Paketen, welche den Arzneimittel-Inhalt nicht erkenntlich machen, mit arrivierten Logistikunternehmen an die direkt vom Besteller angeführte Person erfolgen und vom angetroffenen Empfänger auch gegengezeichnet werden. Intensiv ist weiters die Verpflichtung zur Beratung. Kommt dem abwickelnden Apotheker etwas "spanisch" vor, muss er vor dem Versand eines Arzneimittels den potenziellen Kunden kontaktieren. Entsprechende Informationen über die Produkte müssen auf der Homepage vorhanden sein. Alle Abläufe sind von der Apotheke zu dokumentieren, ebenso der Status der Lieferung.

Wellan sagte dazu: "In Österreich haben sich bisher nur 24 öffentliche Apotheken für den Versandhandel registrieren lassen." Das ist wenig bei rund 1.400 öffentlichen Apotheken in Österreich. "Aber nicht alle, die sich registrieren haben lassen, sind auf diesem Gebiet wirklich tätig." Jene, die sich da engagierten, sähen den neuen Vertriebsweg eher als Erweiterung der Möglichkeiten, den Kunden Service zusätzlich zu Vorbestellungen, Zustellung etc. anbieten zu können. Eine anderes "Anwendungsgebiet": Es gibt öffentliche Apotheken, die eigene Produkte herstellen und diese auch österreichweit verkaufen bzw. versenden wollen.
"Das große Geschäft ist es nicht", stellte der Kammerpräsident insgesamt fest. Jene österreichischen Apotheken, die sich im Versandhandel betätigten, würden jedenfalls alle Bestimmungen und Voraussetzungen erfüllen und auf hohem Niveau arbeiten. Nicht erfüllt hätte sich die Hoffnung, dass man dadurch den oft grauen bis schwarzen internationalen Versandhandelmarkt mit Medikamenten und/oder Fälschungen etc. austrocknen könne. Die Kunden würden auch oft nicht genau erkennen, ob es sich im Internet um seriöse Anbieter handle.

Und schließlich müsse man auch den Marketing-Aktivitäten ausländischer Versandhandels-Apotheken kritisch gegenüberstehen. Der Grund dafür, so Wellan: Die Kunden würden oft mit simplen Preis-Lockangeboten gleich zum Kauf ganzer Produktpaletten - vom "Baby-Paket" bis zum "Erkältungs-Paket" - veranlasst. "Das ist eine Marktausweitung bei Arzneimitteln, die wir eigentlich nicht wollen."
 

  • Datum 10.02.2016
  • Autor APA Arzneimittel/Pharma/Österreich vom 10.02.2016

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Antibiotika: „Kahlschlag“ im Darm

Winterzeit ist Antibiotika-Zeit. So wirksam diese Medikamente sind, bringen sie auch häufig Nebenwirkungen mit sich: Bis zu 49% der Patienten leiden nach der Antibiotika-Einnahme an Durchfall.

hier weiterlesen


Hoher Fleischkonsum senkt Lebenserwartung

Eine neue Studie aus Schweden weist nach, dass hoher Fleischkonsum die Lebenserwartung deutlich senkt – unabhängig davon, wie viel an gesundheitsfördernden Lebensmitteln wie Obst und Gemüse sonst noch gegessen wird.

hier weiterlesen


Stress im Kindesalter verkürzt Lebenszeit

Wenn Kinder vernachlässigt werden, Misshandlungen erleiden oder andere belastende Erfahrungen machen müssen, leiden sie darunter nicht nur akut. Auch im Erwachsenenalter leiden viele Menschen noch unter den Folgen negativer Erfahrungen in der Kindheit.

hier weiterlesen


Influenza-Impfen auch jetzt noch sinnvoll

Die Grippesaison hat heuer so früh begonnen wie seit Jahren nicht. Der Höhepunkt dürfte aber noch nicht erreicht sein. Experten raten auch jetzt noch zur Impfung. Der aktuell zirkulierende Stamm ist im diesjährigen Impfstoff enthalten, die Impfung wirkt.

hier weiterlesen


Apotheker beraten: Gemeinsam rauchfrei 2017

Zum Jahreswechsel fassen viele Menschen gute Vorsätze für das neue Jahr – besonders wenn es um die Gesundheit geht. „Mit dem Rauchen aufhören“ zählt auch 2017 zu den meistgenannten Zielen. Mit der professionellen Unterstützung der Apothekerinnen und Apotheker kann das Vorhaben, sich das Rauchen abzugewöhnen, besser und leichter gelingen.

hier weiterlesen


"Konsument": Bei Versandapotheken Informationsmängel

Seit Juni 2015 dürfen heimische Apotheken rezeptfreie Medikamente online verkaufen. Verbraucherschützer orten bei manchen Versandapotheken Defizite. Bei Apodirekt gehen Sie auf Nummer sicher.

hier weiterlesen