Damit aus Allergie nicht Asthma wird

Asthma ist eine der häufigsten chronischen Atemwegserkrankungen in der westlichen Welt und betrifft derzeit ca. 300 Millionen Menschen weltweit. In Österreich sind etwa 5-7% der Bevölkerung betroffen. Bei Kindern und Jugendlichen ist Asthma besonders weit verbreitet.

Asthma ist eine entzündliche Erkrankung der Atemwege; die typischen Beschwerden sind Husten, pfeifende Atmung, Engegefühl in der Brust, Kurzatmigkeit und Luftnot. Man unterscheidet allergisches und nicht-allergisches Asthma. Allergisches Asthma kann von verschiedenen Allergenen ausgelöst werden kann: Dazu zählen unter anderem harmlose Substanzen wie Tierhaare, Baum- und Gräser-Pollen, Schimmelpilzsporen oder Hausstaubmilben. Nicht-allergisches Asthma wird durch Virus- und bakterielle Infekte verursacht, kann aber auch durch Kälte, psychische Belastung und körperliche Anstrengung ausgelöst werden.

 

Keine Verzögerung der Beikost für Babys!

Prim. Priv.-Doz. Dr. Fritz Horak: „Insgesamt geht man bei der Prävention immer mehr weg von einer Allergen-Vermeidungs-Strategie hin zu einer Stärkung der protektiven, also schützenden Faktoren. Während früher das gezielte Vermeiden von potenziell allergenen Nahrungsmitteln gefördert wurde, hat sich in den aktuellsten Studien gezeigt, dass eine Verzögerung der Einführung der Beikost beim Säugling eher ein Allergierisiko darstellt. Daher wird jetzt empfohlen, wenn möglich bis zum vierten Lebensmonat ausschließlich zu stillen und danach zügig die Beikost einzuführen.“

Restriktive Diäten in der Schwangerschaft oder die Einnahme von Probiotika haben keinen Vorteil gezeigt, es gibt aber Anzeichen dafür, dass das Essen von Fisch bzw. die Aufnahme von Fischöl in der Schwangerschaft einen günstigen Einfluss auf die Sensibilisierung haben kann. Horak: „Stillen wird also weiterhin als wichtigste Ernährungsform in den ersten vier Lebensmonaten angesehen, der wirklich präventive Effekt auf die Allergieentstehung dürfte aber wenn, dann eher schwach sein. Übertrieben langes Stillen könnte sogar den gegenteiligen Effekt haben und Allergien fördern.“
Ist Stillen allerdings in den ersten vier Lebensmonaten nicht möglich, soll auf eine hypoallergene Formula-Nahrung umgestellt werden. Die Evidenz der Daten zur Allergieprävention ist auch hier allerdings eher mäßig.

Zuviel Hygiene – gut oder schlecht?

Die Hygienetheorie hat schon vor vielen Jahren den Zusammenhang zwischen früher bakterieller Exposition und dem Auftreten von Allergien untersucht. Die „Bauernhofstudien“, die zeigen, dass Kinder, die am Bauernhof aufwachsen ein deutlich geringeres Allergierisiko aufweisen, haben diese Hypothese unterstützt. Horak: „Neuere Daten zeigen jetzt, dass v.a. die Diversität, also die Verschiedenheit von Bakterien, mit denen wir in einem sehr frühen Lebensalter in Kontakt kommen, für diesen protektiven Effekt verantwortlich sein dürfte.“
 

Risikofaktor Haustier?

Die Einschätzung Haustiere betreffend ist derzeit, dass es eher weder einen klaren schützenden noch schädlichen Effekt gibt, wenn ein Tier (Katze oder Hund) bereits in der Familie vorhanden ist. Horak: „Daher soll ein bereits vorhandenes Haustier nicht aus Allergie-Präventions-Überlegungen weggegeben werden, wenn ein Baby erwartet wird. Manche Studien zeigen sogar einen vorübergehenden positiven Effekt bei Hundehaltung, während andere Studien bei Neuanschaffung einer Katze teilweise auch negative Effekte auf die Entstehung eines atopischen Ekzems, bei entsprechender genetischer Prädisposition, zeigen. Daher wird von einer Neuanschaffung einer Katze in eine Familie mit Allergierisiko eher abgeraten.“

Von Hausstaubmilben bis zu Tabakrauch

Hausstaubmilben gibt es in jedem Haushalt, der in einer Höhe bis zu 1.500 m über dem Meeresspiegel liegt. Und Hausstaubmilben, um genau zu sein, die Ausscheidungsprodukte von Hausstaubmilben, gelten als hoch allergen: Mit den winzigen, eiweißhaltigen Kotbällchen der kleinen Spinnentiere, die überall im Hausstaub zu finden sind, kommen wir über die Schleimhäute der Atemwege, der Augen und die Haut in Kontakt. Der bevorzugte Aufenthaltsort der Milben: Bettmatratzen. Denn dort finden sie ihre Lieblingsbedingung vor: Temperatur von 25 – 30 Grad Celsius, hohe Luftfeuchtigkeit und ausreichend Nahrung in Form von Haut- und Haarschuppen des Menschen.
Horak: „Während man bei einer bestehenden Milbenallergie durch die Anwendung von Maßnahmen, die zu einer Reduktion von Hausstaubmilbenallergen im Haus führen, oft eine Symptomenreduktion erreichen kann, konnte bisher kein Effekt bei der primären Prävention gezeigt werden.
Klar und durch eine große Anzahl von Studien belegt, ist der negative Effekt von Tabakrauch v.a. vor der Geburt – aber auch danach – auf die Entstehung allergischer Erkrankungen und v.a. von Atemwegserkrankungen wie Asthma. Hier ist ein wichtiger präventiver Ansatz in der Beratung von Schwangeren und Eltern zu sehen und auch ein Umdenken in der Bevölkerung nötig, damit Kinder vor Tabakrauch im privaten und öffentlichen Raum geschützt werden.


Sekundäre Asthma-Prävention – „Allergie-Impfung“ gegen „Heuschnupfen“

Als sekundäre Prävention bezeichnet man die Gesamtheit aller Maßnahmen, die der Früherkennung und damit der Möglichkeit einer rechtzeitigen Behandlung von Erkrankungen dienen.
 „Nach heutigem Wissenstand ist eine sekundäre Prävention von Asthma in Folge einer Nahrungsmittelallergie bis dato nicht möglich. Auch schützt die prophylaktische Gabe von inhalativen Steroiden oder Antihistaminika nicht vor Asthma.
Die (allergen-)spezifische Immuntherapie (kurz: SIT), auch Hypo- oder Desensibilisierung oder „Allergieimpfung“ genannt, reduziert wissenschaftlichen Studien zufolge das Risiko einer Verschlechterung der Asthma-Entwicklung oder -Symptomatik eindeutig.

 


 

  • Datum 24.10.2016
  • Autor Urban & Schenk medical media consulting

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