Die Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer

Die Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer - ein wahres Juwel historischer Schätze

Die Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer

 Das Apotheker-Haus in Wien birgt einen sehr beachtenswerten Schatz, die älteste und eine der bedeutendsten pharmazeutischen Fachbibliotheken des deutschen Sprachraumes. Gegründet wurde diese Sammelstätte pharmazeutischen Schrifttums 1802 von Josef Moser, dem Sohn eines Wiener Apothekers. Zunächst war es allerdings nur ein Verein, der sich "Pharmazeutisch-chemische Lesegesellschaft" nannte.

 
Blick in den mit einer Galerie versehenen Bibliotheksraum. (Foto: ORF)
 
Diese Lesegesellschaft wollte in erster Linie ihren aus dem Kreise der angestellten Apotheker stammenden Mitgliedern das Studium der neuesten wissenschaftlichen Bücher und Journale ermöglichen. Insbesondere wollte man Werke, Abhandlungen und Zeitschriften, die die neue antiphlogistische Chemie behandeln, anschaffen, denn die Chemie begann um 1800 für die Pharmazie immer wichtiger zu werden. Da Chemiebücher und wissenschaftliche Zeitschriften für Apothekergehilfen, für junge Studenten der Pharmazie fast unerschwinglich waren, wollte man durch einen gemeinsamen Bezug in Form einer Lesegesellschaft an den Grundlagen und neuen Erkenntnissen der Chemie teilnehmen. Selbstverständlich wurden aber auch die anderen pharmazeutischen Wissenschaften, insbesondere die Botanik, nicht vernachlässigt.
1814 wurde anlässlich der Auflösung dieser Lesegesellschaft der damals noch recht bescheidene Bestand an Büchern und Zeitschriften dem Wiener Apotheker-Hauptgremium übergeben. Diese sich ständig vermehrende Sammlung von Druckwerken führte den Namen "Gremial-Bibliothek". Einen eigenen Bibliotheksraum gab es allerdings noch nicht, sondern die Bücher und Zeitschriften befanden sich bis 1867 in einigen Kästen, die in der Wohnung des jeweiligen Gremialvorstandes aufgestellt wurden.
 
 

Sehen Sie dazu einen ORF Beitrag

Gut gehütete Schätze historischen Wissens

 Nach einem 1823 angelegten Katalog bestand damals die Bibliothek aus 263 Büchern und Zeitschriftenbänden. Ein Katalog aus dem Jahre 1857 verzeichnete bereits 723 Bände Zeitschriften, 109 Pharmakopöen, 21 Arzneitaxen und 563 wissenschaftliche Werke, 50 Jahre später waren es bereits über 4000 verschiedene Bücher und Zeitschriften. Die Bibliothek wurde allmählich für die Aufstellung in einer privaten Wohnung zu umfangreich. Als das Wiener Gremium 1867 das Haus kaufte, das sich an der Stelle des gegenwärtigen Apotheker-Hauses in der Spitalgasse befand, bekam die Bibliothek endlich einen eigenen Raum. Seit dem 25. November 1908 ist die Gremialbibliothek, jetzt Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer, in dem großen Bibliothekssaal im 2. Stock des Apotheker­Hauses untergebracht.

 
Eine einfache weiße Tür mit einer kleinen Tafel "Bibliothek" lässt nicht ahnen, was für Kostbarkeiten sich hinter diesem schlichten Eingang verbergen. Man öffnet die Türe und ist sogleich in dem etwa 15 Meter langen und mit einer Galerie versehenen Bibliotheksraum. Der Typus der Saalbibliothek mit Wandregalen und Galerie, der um 1900 fast allgemein üblich war, wurde auch hier angewendet. Der Bibliothekssaal im Apotheker-Haus besticht durch eine gewisse Eleganz und durch eine, vielen älteren Bibliotheken eigene Atmosphäre. Ein Bibliothekssaal ist ja mehr als eine bloße Ansammlung von Büchern, die katalogisiert, geordnet und inventarisiert sind, ist mehr als ein bloßer Aufbewahrungsort von Zeitschriften, Dokumenten und Handschriften, ein Bibliothekssaal ist vor allem der Ausdruck und ein Museum des menschlichen Geistes, der Gedanken und Erkenntnisse, aber auch mancher Irrtümer und Fehler. So ist auch dieser Bibliothekssaal mit seinen Druckwerken, die vielfach überholtes Wissen bergen, in denen aber auch immer gültige Naturgesetze festgehalten sind und in denen manche Arbeiten in die Zukunft weisen, ein imaginäres Museum der pharmazeutischen Wissenschaften und des Apothekenwesens. Diese Schätze können zwar nicht mit dem Auge bewundert werden - denn sie sind ja in den Büchern und Zeitschriften verborgen-, nur durch Arbeit, nur durch Lesen und stilles Studium offenbaren sich diese Fundgruben dem Besucher der Bibliothek. Wenn auch Wissenschaft, Geist, Kultur, soziales Gefüge unseres Berufsstandes in den vielen Zeitschriften und Büchern zunächst tief verborgen scheinen, so werden sie doch in ihrer Vielfalt und Einheit dem interessierten Benützer der Bibliotheca pharmaceutica Vindobonensis zu einer fassbaren Realität. Die Erfahrung, der Anblick so viel gehorteten Wissens, so vieler Erkenntnisse, zwingen aber auch dazu, über sein eigenes Wissen, über das Wissen der Gegenwart sehr bescheiden zu urteilen. Quantum est, quod nescimus!
 
 

Druckschriften

Die Druckschriften-Sammlung setzt sich aus mehreren Abteilungen zusammen. Die größte Abteilung enthält knapp über 10.000 Bände. Es sind dies Werke der verschiedensten pharmazeutischen Wissenschaften. Am stärksten vertreten sind die Botanik, die Chemie und die Pharmakognosie, doch sind selbstverständlich auch zahlreiche Werke aus den Bereichen der Pharmakologie, Pharmaziegeschichte, der Sanitätsgesetzgebung und des Apothekenwesens vorhanden.
Die Abteilung der Lexika und Handbücher umfasst ca. 1000 Bände. Die Gruppe der sogenannten Kleindruckwerke besteht aus fast 500 pharmazeutischen und medizinischen Kalendern und ebensovielen Berichten der verschiedenen pharmazeutischen Körperschaften, wie etwa der Jahresberichte der Pharmazeutischen Gehaltskasse, der einstigen pharmazeutischen Unterrichtsanstalt oder Katalogen pharmazeutischer Ausstellungen. Diese historisch sehr interessante, aber nur wenig beachtete Gruppe der Kleindruckwerke konnte bisher nur teilweise katalogisiert werden, ebenso auch die über 5000 Nummern umfassende Sammlung von Firmenkatalogen und alten Preislisten. Gerade an diesen Katalogen, die oftmals reich bebildert sind, könnte man die Entwicklung der Apothekeneinrichtung, der Laboratorien, des Verpackungsmaterials, aber auch des Spezialitätenwesens, der Verbandstoffe usw. während der letzten 100 Jahre gut studieren.
Der wertvollste und historisch interessanteste Teil der Druckschriftensammlung ist die Sammlung alter Bücher. Unter diesen vor 1800 gedruckten bibliophilen Kostbarkeiten findet man neben alchemistischen Traktaten, Kräuterbüchern und alten pharmazeutischen Werken medizinische Abhandlungen, zoologische Schriften und Schriften über Mineralwässer. Besonders zu erwähnen sind A. Brasavolus "Examen omnium simplicium medicamentorum" (Lugduni 1537), L. Fuchs "Historia botanica" (Basiliae 1549), G. Ryff "Confect Buch und Haus­ Apoteck" (Frankfurt 1562), H. Brunschwieg "Hauss Apoteck" (Frankfurt 1564), H. Bock "Kräuterbuch" (Straßburg 1595), J. Sehröder "Pharmacopoeia Medico Chymica" (Ulm 1649). Die kostbarsten und schönsten Bücher sind aber die meist großformatigen, mit handkolorierten Kupferstichen versehenen, botanischen Werke wie etwa das "Herbarium selectum" (Nürnberg 1757) der E. Blackwell oder die 18 Foliobände umfassenden und mit über 3000 prachtvollen kolorierten Kupferstichen ausgestatteten "lcones Plantarum sponte nascentium in Regnis Daniae et Norwegiae" (1764) des G. C. Oeder. Diese 18 Bände sind das kostbarste botanische Werk, das die Bibliothek besitzt. Ebenfalls von großem Wert ist die zweibändige Ausgabe des "Hortus Eystettensis" aus dem Jahre 1713. Kostbar ist auch das von N. J. Jacquin verfaßte Werk in 2 Bänden "Selectarum stirpiumamericanarum Historia" (1763) mit wunderschönen zarten und kunstvoll kolorierten Kupferstichen und auch die "lcones plantarium rariorum" (1781-1786). Zahlreiche andere botanische Werke mit guten Illustrationen und von berühmten Autoren verfasst - es sollen nur Lonicerus, Tabernaemontanus, Linne, Reichenbach, Bauhin, Scopoli, Sternberg, Host, Linke erwähnt werden - ermöglichen die ganze Entwicklung der botanischen Buchillustration vom einfachen Holzschnitt bis zu den großartigen Tafelwerken des 18. Jahrhunderts und weiter über die Naturselbstdrucke und Lithographien des vergangenen Jahrhunderts bis zu den mit herrlichen Farbaufnahmen gezierten Blumenbüchern der Gegenwart zu überblicken.
 

Zeitschriften

 
Schon seit der Gründung der Bibliothek bildeten die Zeitschriften einen sehr wichtigen Teil der Sammlung, sind doch in diesen Zeitschriften die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse veröffentlicht und besprochen, aber auch die Sorgen unseres Berufsstandes, die Zukunftspläne für das Apothekenwesen oder auch behördliche Anordnungen sind in ihnen zu finden. Natürlich sind die in Österreich erschienenen „pharmazeutischen Journale" vollständig vorhanden, angefangen von „Das Neueste und Wissenswerthaste aus dem Umfange der Pharmazie", von M. S. Ehrmann ab 1834 herausgegeben, bis zur letzten Folge der „Österreichischen Apotheker-Zeitung". Die pharmazeutischen Fachzeitschriften Deutschlands sind fast vollzählig vorhanden, beginnend mit dem „Taschenbuch für Scheidekünstler und Apotheker", dessen erste Folge 1780 erschien, und dem „Berlinisches Jahrbuch für die Pharmazie", von 1793 bis 1848 herausgebracht.
 
Auffallend ist, dass in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Bibliothek fremdsprachige Zeitschriften nicht bestellt wurden. Im Bibliothekskatalog vom Jahre 1857 sind unter den damals 45 bezogenen Journalen nur zwei fremdsprachige (französische) angeführt. Zur Zeit bezieht die Bibliothek über 200 pharmazeutische, chemische, botanische, medizinische und wissenschaftsgeschichtliche Fachzeitschriften. Neben diesen der Wissenschaft, der praktischen Pharmazie und der Standespolitik dienenden Zeitschriften müssen noch die Kundenzeitschriften der Apotheken und die zahlreichen Zeitschriften der pharmazeutischen Industrie erwähnt werden. Die von der Industrie an Ärzte und Apotheker versendeten Zeitschriften haben teilweise ein hohes künstlerisches, kulturhistorisches oder wissenschaftliches Niveau, wie etwa „Die Waage", die „Triangel" oder die leider nicht mehr erscheinende „Ciba-Zeitschrift". Die Katalogisierung dieses interessanten Teiles der Zeitschriftensammlung konnte bisher nur teilweise durchgeführt werden.
 
Beim Durchblättern, beim Lesen alter Jahrgänge der pharmazeutischen Fachblätter wird der Benützer der Bibliothek von einer ganzen Reihe verschiedenartigster Empfindungen ergriffen: Man erfährt von den Sorgen, Zielen, Erfolgen und Misserfolgen unseres Berufes, von großartigen wissenschaftlichen Entdeckungen, vom „Eindringen des weiblichen Geschlechts in die Pharmazie", von Reformen, von Stellenangeboten, Ehrungen und Todesfällen. Hier berührt einen wohl am unmittelbarsten und am tiefsten die Vergangenheit des Apothekerstandes.
 
Da Annoncen oftmals einen überraschenden Einblick in die gerade bestehende Situation des Apothekenwesens geben können, werden diese beim Binden der Zeitschriften nicht entfernt, sondern mitgebunden. So kann man erfahren, was für ein Salär vor etwa hundert Jahren einem Apothekeradjunkten geboten wurde, oder wo man billig Blutegel beziehen konnte.
 
 

Pharmakopöen und Arzneitaxen

 
Einen wichtigen Schwerpunkt der Sammlung bildet naturgemäß die Abteilung für Arzneibücher, Dispensatorien, Kommentare zu den Arzneibüchern und Arzneitaxen. So weit in dieser umfangreichen Sammlung die alten Pharmakopöen nicht im Original vorhanden sind, wurden sie nach Möglichkeit durch Nachdrucke ersetzt. Seit etwa 1950 wird angestrebt, die amtlichen Arzneibücher der bedeutenderen Staaten wie z. B. Benelux-Staaten, BAD, DDR, England, Frankreich, Italien, Japan, Rußland, Schweiz, Spanien usw. jeweils in der neuesten Ausgabe für die Bibliothek zu erwerben, eine nicht immer leichte Aufgabe. Selbstverständlich rangieren an erster Stelle die Österreichischen Pharmakopöen. Vom Dispensatorium Pharmaceuticum Viennense aus dem Jahre 1729 bis zum gegenwärtig geltenden Arzneibuch sind alle Österreichischen Pharmakopöen vorhanden, ebenso die Militär-Arzneibücher von der „Kurzen Norma deren in den k. k. Feldapotheken befindlichen Medikamente" (1756) bis zur Pharmacopoea Austriaco-Castrensis sexta (1891). Analog zu den amtlichen Arzneibüchern werden auch die dazugehörenden Arzneitaxen gesammelt. Die älteste Österreichische Arzneitaxe der Bibliothek ist die Arzneitaxe für Wien aus dem Jahre 1688. 1744 kam eine für Wien und Österreich unter der Enns und 1776 eine für ganz Österreich geltende Arzneitaxe heraus. Auch diese Taxen kann man in der Bibliothek finden. Von den älteren ausländischen Taxen seien nur die Medicinal-Taxe von Schleswig-Holstein (1786) oder eine venezianische Taxe aus dem Jahre 1723 erwähnt.
 
Neben den Arzneitaxen sind selbstverständlich auch die verschiedenen Preislisten für Spezialitäten vorhanden, angefangen von den nur wenige Seiten umfassenden Listen des vorigen Jahrhunderts bis zu den umfangreichen Wälzern der Gegenwart. Eine etwa 500 Bände umfassende Sammlung von Nachschlagewerken über Spezialitäten wie Austria Codex, Dictionnaire Vidal, Martindale, Rote Liste u. ä. m. ergänzt diese Abteilung der Druckwerke sinnvoll.
 
 

Pharmazie und Literatur

 
Diese etwa 500 Nummern umfassende Sammlung von Büchern schöngeistigen Inhalts enthält Romane, Erzählungen und Gedichte, deren Verfasser Apotheker waren oder deren handelnde Personen unserem Berufsstande angehören. Diese Sammlung wurde erst vom damaligen Bibliothekar Dr. F. Dormann ab 1950 aufgebaut. Dr. Dormann gelang es, die umfangreiche Sammlung J. Nogglers zu erwerben und diese durch zahlreiche Neuanschaffungen wesentlich zu erweitern. Außer Österreichischen und deutschen Autoren sind auch solche aus der Schweiz, aus Frankreich, Spanien, Italien, England, Norwegen und den USA vertreten, so dass ein guter Überblick über die Widerspiegelung der Pharmazie in der Literatur gegeben ist. Entsprechend den Entwicklungstendenzen der Pharmazie im 20. Jahrhundert befinden sich unter diesen Büchern auch Romane über pharmazeutische Forschung, über das Leben in der chemischen und pharmazeutischen Industrie, über einzelne Medikamente und über Suchtgifte. Aber nicht nur berufsfremde Autoren zeigen, wie sie die Pharmazie und den Apotheker sehen und aus ihrer Sicht heraus dann in Romanen, Erzählungen, Gedichten und Theaterstücken schildern, sondern auch Kolleginnen und Kollegen berichten und schreiben von ihrem Leben in der Apotheke, von ihren Träumen, Hoffnungen und Enttäuschungen.
 
Als die wohl künstlerisch bedeutendsten unserem Berufsstande angehörenden Autoren sind Fontane und Trakl zu nennen, wenn auch in ihren Werken der Bezug auf die Pharmazie gering ist. Es sind die weniger bedeutenden Dichter, die tiefer in die Probleme, in den Alltag eines Apothekerlebens eindringen.
 
Zu dieser Sammlung gehört auch eine umfangreiche (etwa 250 Nummern umfassende) Kollektion von Biographien von für das Apothekenwesen oder für die pharmazeutischen Wissenschaften wichtigen Personen wie etwa Paracelsus, Linné oder Scheele. ln der Bibliothek befindet sich auch eine leider nur kleine Sammlung „Pharmazie und Musik". Meistens handelt es sich hier um die Texte zu Opern und Singspielen, in denen ein Apotheker eine wesentliche Rolle spielt. Es sind aber auch Kompositionen von Apothekern vorhanden.
 
 

Sammlung pharmazeutischer Münzen und Medaillen

 
Das Material, das die Numismatik zur Geschichte der Pharmazie beisteuern kann, reicht von der Antike bis in die Gegenwart. ln der der Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer angeschlossenen Sammlung "Pharmacia in nummis" befinden sich allerdings nur Exponate aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Die Sammlung befindet sich außerhalb der eigentlichen Bibliotheksräume im Vorraum zum kleinen Sitzungssaal und ist, in Vitrinen aufbewahrt, der allgemeinen Besichtigung zugänglich. Grundsätzlich sind zwei Arten von Medaillen zu unterscheiden, die Personenmedaillen, die uns sowohl Bildnisse als auch Leistungen von Apothekern und Gelehrten übermitteln, und die Sachmedaillen, die einen Blick in das Gegenständliche der Vergangenheit und der Gegenwart gewähren, indem auf ihnen Pflanzen, Laboratorien, Mörser u. ä. m. abgebildet sind. Daneben gibt es noch Münzen oder Medaillen mit Symbolen oder personifizierten Ideen, wie etwa mit der Aesculap­Schlange oder der Hygieia. Dieser Sammlung angeschlossen sind auch verschiedene in- und ausländische Dienstabzeichen. Eine genaue Katalogisierung konnte noch nicht durchgeführt werden. Der Bestand der Sammlung beträgt knapp über 100 Medaillen und Abzeichen. Als besonders interessante Stücke sollen erwähnt werden die Frank-Medaille, die Scheele-Medaille, die Lukasiewicz-Medaille und die Erinnerungsmedaillen der Kongresse in Dubrovnik, Lissabon und Venedig.
 
 

Bildarchiv

 
Mit dem Aufbau des Bildarchives wurde vor 30 Jahren begonnen. Das Bildarchiv will in erster Linie die Österreichischen Apotheken mit allen ihren Räumlichkeiten wie Offizin, Labor und Materialkammern mit ihren Geräten und Standgefäßen festhalten, ebenso wie die Fassaden der Apotheken. Da gerade in unserer Zeit die Ausgestaltung der Offizinen einem großen Wandel unterworfen ist, ist das bildmäßige Festhalten der alten Einrichtungen einer Apotheke von großer Bedeutung. Ergänzt wird diese Sammlung durch Porträts von Apothekern und für die Pharmazie interessanter Persönlichkeiten, durch Bilder von pharmazeutischen Ausstellungen, Kongressen, Feierlichkeiten, Fabriken und Drogengroßhandlungen. Von den weit über 1500 Bildern - darunter mehr als die Hälfte Porträtaufnahmen von Apothekern aus der Zeit vor 1914 - konnte allerdings erst ein kleiner Teil ordnungsgemäß katalogisiert werden. Nicht katalogisiert ist auch eine umfangreiche Sammlung von Rezeptkuverts und Etiketten.
 
 

Briefmarkensammlung

 
Mit dem Aufbau dieser Sammlung wurde 1975 durch Mag. Nowotny begonnen. Wertvolle Anregungen kamen dazu von Apotheker W. Maiwald (Hannover), der noch im Jänner 1979, wenige Wochen vor seinem Tode, der Wiener Sammlung zahlreiche Briefmarken und Ganzsachen schenkte. Vor einigen Jahren ordnete Mag. Brauner diese Sammlung nach bestimmten Motiven, und zwar
· Marken mit Arzneipflanzen;
· Marken mit Porträts berühmter Apotheker, Ärzte, Botaniker und Chemiker;
· Marken mit pharmazeutischen Arbeitsgeräten;
· Marken zur Erinnerung an für die Pharmazie interessante Ereignisse wie z. B. Kongresse, Einführung des metrischen Maßsystems; 
· Marken im Kampf gegen Drogen-, Alkohol- und Tabakmissbrauch;
· Marken im Kampf gegen Krankheiten (Malaria, Krebs, Tuberkulose).
Der Gesamtbestand dieser Sammlung dürfte etwa 1000 Briefmarken und Ganzsachen betragen. Die Aufbewahrung erfolgt in Alben.
 
 

Privilegien und Diplome

 
Diese etwa 120 Nummern umfassende Sammlung enthält prachtvolle auf Pergament geschriebene Privilegien der Wiener Apotheker mit den eigenhändigen Unterschriften von Ferdinand III., Karl VI., Maria Theresia, Josef II. Lehrbriefe, Magister­ und Doktordiplome, Urkunden zur Verleihung von Auszeichnungen gehören ebenfalls dieser Sammlung an.
 
 

Kataloge

 
Von den Wandlungen, die die Bibliothek im Laufe ihres nun fast zweihundertjährigen Bestehens erfuhr, ist neben der mehrmaligen räumlichen Veränderung ihres Standortes die enorme Steigerung ihres Bestandes an Druckwerken und Zeitschriften am auffälligsten. ln dieser wird die explosionsartige Erweiterung des naturwissenschaftlichen Wissens direkt sichtbar. Die Bibliothek verwahrt zur Zeit in ihrem großen Bibliothekssaal und in den fünf Magazinen fast 39.000 Druckwerke, und zwar an 10.000 Bücher, über 14.000 Bände Zeitschriften, etwa 11.000 Sonderdrucke, 1200 Kleindruckwerke, ca. 1000 Pharmakopöen und Dispensatorien, 450 Arzneitaxen, an 1000 Bände Lexika und Nachschlagewerke, etwa 100 Handschriften, Zeugnisse und Diplome.
 
Der ständig steigende Bestandsumfang der Bibliothek macht seine katalogmäßige Erschließung zu einer der wichtigsten Aufgaben des Bibliothekars, um den Zugang zu dem in den Büchern und Zeitschriften festgehaltenen Schatz an Wissen, Informationen und Erkenntnissen leicht zu ermöglichen. Die ersten Kataloge hatten praktisch nur eine lnventarfunktion. Erst unter der Leitung des langjährigen früheren Bibliothekars Dr. Dormann wurde ab 1925 die Katalogisierung auf den in allen größeren Bibliotheken üblichen Zettelkatalogen begonnen und durchgeführt. ln den in der Bibliothek aufgestellten Karteikästen befinden sich neben einem alphabetischen Autorenkatalog auch ein Schlagwortkatalog (alphabetischer Sachkatalog). Ein Numerus-currens-Katalog dient als reiner lnventurkatalog. Die besondere Eigenart dieser pharmazeutischen Fachbibliothek machte die Erstellung einiger weiterer Karteien notwendig, und zwar eine zur Erfassung der Zeitschriftenbestände, eine weitere für Pharmakopöen und Arzneitaxen und eine Kartei zum Bestand "Apotheker und die schöne Literatur".
 
Die Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer spiegelt mit ihren reichen und vielfältigen Beständen den Geist, das wissenschaftliche Streben, die Stellung unseres Berufsstandes im öffentlichen Leben wider und verbindet so die Vergangenheit, die Tradition mit der Gegenwart und der Zukunft. Im alten, stimmungsvollen Bibliothekssaal des Apotheker-Hauses in der Spitalgasse, in diesem Saal voller Bücher und Zeitschriften spürt man das Wesen der Pharmazie und das eigentliche Ziel unseres Berufsstandes, den kranken und leidenden Menschen zu helfen, oft stärker als im Getriebe einer Apothekenoffizin. Möge uns dieser Bibliothekssaal mit seinen wohlgehüteten Schätzen noch lange erhalten bleiben!
 

  • Datum 08.06.2014
  • Autor Prof.Mag.pharm.Dr. Otto Nowotny - Österreichische Apotheker-Zeitung 43. Jg. Folge 14 8. April 1989