Neue Blutdruckstudie – weniger ist mehr

Mehr Sport, gesündere Ernährung und Abnehmen stehen bei vielen ganz oben auf der Liste der Neujahrsvorsätze. All diese Dinge haben meist eine direkte Auswirkung auf den Blutdruck der Menschen. Doch was ist der „richtige Blutdruck“ und wie kann man ihn messen?

Der Zeiger steht auf 135 – „alles in Ordnung“, sagte der Arzt. Ein Blutdruck unter dem Richtwert 140 galt in der Vergangenheit als ideal. Die Ende 2015 veröffentlichte SPRINT-Studie lieferte jetzt neue Erkenntnisse: Wenn der Wert des systolischen Blutdrucks nicht bei 140, sondern bei 120 mm Hg liegt, profitieren viele PatientInnen davon.

Eine Statistik der WHO hat bereits im Jahr 2012 festgestellt, dass weltweit jeder zehnte Mensch über 25 Jahre an Diabetes Mellitus erkrankt ist, die Zahl von Hypertonikern ist noch deutlich höher.
Jeder Dritte weltweit über 25 Jahre leidet unter Bluthochdruck. In Österreich weist die WHO-Statistik einen Anteil von 38 Prozent der Bevölkerung mit Bluthochdruck auf. Obwohl Bluthochdruck der Hauptrisikofaktor für Herzversagen, Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen ist, werden die Gefahren von den ÖsterreicherInnen deutlich unterschätzt.

„Laut Statistik Austria sind im Jahr 2014 insgesamt 33.137 Personen an Herz-Kreislauferkrankungen verstorben. In fast allen Fällen war Bluthochdruck mitbestimmend. Das sind bei Männern 37,3 Prozent und bei Frauen 47 Prozent aller Todesfälle in Österreich“, sagt Prof. Dr. Bruno Watschinger von der MedUni Wien und Pastpräsident der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie.
„Die Zahlen belegen eindeutig: Ein erhöhter Blutdruck ist keine Nebensache.“

 Im Rahmen der SPRINT-Studie wurden 9.361 Personen mit erhöhtem kardiovaskulären Risiko, die 50 Jahre oder älter waren, untersucht.
Die Testpersonen wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, eine intensivierte Gruppe mit dem Blutdruckziel „systolischer Blutdruck unter 120 mm Hg“ und eine Standardgruppe mit dem Blutdruckziel „systolischer Blutdruck unter 140 mm Hg“. Für die intensivierte Therapie war im Durchschnitt eine Blutdrucktablette mehr erforderlich. In der intensivierten Gruppe wurde ein mittlerer systolischer Blutdruck von 121 mm Hg erreicht, in der Standardtherapie ein mittlerer systolischer Blutdruck von 136 mm Hg.

„Die Studie dauerte 3,26 Jahre und wurde vorzeitig beendet, weil sich in der intensivierten Gruppe ein klinisch bedeutsamer Vorteil zeigte: Der primäre Endpunkt (Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzschwäche oder Sterblichkeit an Herz-Kreislauferkrankungen) trat um relative 25 Prozent weniger auf“, so PD Dr. Thomas Weber, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie und Kardiologe am Klinikum Wels-Grieskirchen. Die Gesamtsterblichkeit wurde um relative
27 Prozent verringert. Um einen primären Endpunkt zu verhindern, mussten 61 PatientInnen behandelt werden, um einen Todesfall zu verhindern, mussten 90 PatientInnen behandelt werden. Die Gesamtzahl der Nebenwirkungen war in beiden Gruppen gleich. In der intensivierten Gruppe sind Fälle von niedrigem Blutdruck und Kreislaufkollaps häufiger aufgetreten, allerdings keine Verletzungen infolge des Kreislaufkollaps.


„Unter 130 mm Hg ist für die Praxis sinnvoll“

Die SPRINT-Studie kann man durchaus als „bahnbrechend“ bezeichnen. Viele der eingeschlossenen PatientInnen haben zweifellos vom niedrigeren Blutdruckziel profitiert und das bei einer vertretbaren Nebenwirkungsrate. 

PD Dr. Thomas Weber: „Für die künftige Praxis empfehlen wir als Österreichische Gesellschaft für Hypertensiologie sinnvoller Weise die Formulierung „unter 130 mm Hg“ anzuwenden. Für PatientInnen, die dem Kollektiv aus der SPRINT-Studie entsprechen, gelten Blutdruckzielwerte von unter 130 mm Hg bzw. von 120 mm Hg, wenn dieses Blutdruckniveau vertragen wird. Auch die standardisierte Blutdruckmessung in der Studie hat zum Erfolg beigetragen. Wir empfehlen daher, die klassische Arztmessung in der Ordination zur Beurteilung der Blutdruckhöhe durch die automatisierte, mehrfache Blutdruckmessung in einem ruhigen Ordinationsraum zu ersetzen. Die allgemeine Empfehlung der ÖGH, den Blutdruck vornehmlich durch 24-Stunden-Messung und Blutdruckselbstmessung zu beurteilen, wird dadurch nicht verändert.“
 

Dieser Einschätzung schließt sich Prof. Dr. Bruno Watschinger an: „Jeder Österreicher sollte seinen Blutdruck kennen. Es müssen Medikamente verwendet werden, um Betroffene vor den Gefahren des Bluthochdrucks zu schützen“.

 

  • Datum 15.01.2016
  • Autor AIT Austrian Institute of Technology

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