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Brennnessel – Die unscheinbare Heilpflanze

Brennnessel (Urtica sp.) wird zu Unrecht aufgrund der schmerzhaften Brennhaare als Unkraut gesehen. Was viele nicht wissen, es handelt sich hierbei um eine altbewährte und sehr vielseitig einsetzbare Heilpflanze.

Bereits der berühmte griechische Arzt Dioskurides empfahl vor rund 2 000 Jahren Brennnesseln gegen verschiedenste Beschwerden wie etwa krebsartige Geschwüre oder Unfruchtbarkeit. Besonders etabliert hat sich über die Jahrhunderte die Anwendung bei rheumatischen Beschwerden. Bevor moderne Arzneimittel entwickelt worden waren, stand Brennnessel in der Therapie von rheumatischen Erkrankungen an oberster Stelle. Wie klinische Tests zeigten, basiert dieser entzündungshemmende Effekt vor allem auf dem in den Blättern enthaltenen Caffeoylchinasäuren. Diese hemmen Stoffwechselvorgänge, die bei der Entstehung von Entzündungsreaktionen eine Rolle spielen und lindern dadurch die daraus resultierenden Schmerzen.

 

Im 18. Jahrhundert war bei Gelenksschmerzen neben der Anwendung des Brennnesseltees sogar das Aufschlagen von Brennnesseln auf die schmerzenden Glieder sehr beliebt. In der Volksheilkunde wird diese – früher sogar von Ärzten empfohlene – etwas unangenehme Therapie bis heute  angewendet. Da die in den Blättern enthaltenen Mineralsalze die Harnmenge erhöhen, eignet sich der Tee auch bei Harnwegsinfekten und Nierengries. Bakterien und kleine Nierensteine können dadurch leichter ausgeschwemmt werden.

 

Neben den Blättern spielt auch die Brennnesselwurzel eine wichtige Rolle. Dem Gesamtextrakt konnte in klinischen Studien ein positiver Effekt bei benigner Prostatahyperplasie nachgewiesen werden. Ähnlich wie bei synthetisch hergestellten Arzneimitteln, die bei dieser Erkrankung zur Anwendung kommen, hemmen die in der Wurzel enthaltenen Phytosterole das Prostatawachstum.
Dadurch werden vor allem die bei dieser Erkrankung häufig vorkommenden Miktionsbeschwerden verbessert. Kapseln bzw. Tabletten mit einem genau fest gelegten Gehalt an Gesamtextrakt aus Ihrer Apotheke sind hier etwas wirksamer als der Tee.

 

Eine weitere beliebte – allerdings durch die Forschung noch nicht bestätigte Anwendung – ist jene gegen Haarausfall. Hier wird Brennnessel über Nacht in Wasser eingelegt und anschließend zur Haarwäsche verwendet. Eine Zubereitung die bereits im berühmten Kräuterbuch des Leonhard Fuchs im Jahre 1543 beschrieben worden war.

 

  • Datum 11.07.2014
  • Autor Mag. pharm. Arnold Achmüller

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