Scharfe Waffen

Chili ist nicht Jedermanns Sache. Doch das medizinisches Potential ist groß. Die für die Schärfe verantwortlichen Moleküle der Chilischote könnten auch eine Waffe gegen eine Krankheit sein.

Chili oder Peperoni sind wegen ihrer Schärfe ein beliebtes Gewürz. Das Feuer auf der Zunge wird von der Molekülgruppe der Capsaicinoiden ausgelöst. Aber auch in der Medizin haben die „Scharfmacher“ längst einen festen Platz. In Salben lindern sie beispielsweise Muskelschmerzen oder regen die Durchblutung an. Nun haben Forscher der Universität Leipzig einen Weg gefunden, eines dieser scharfen Moleküle auch als Waffe gegen Blutkrebs einzusetzen. Wie das Team um den Biochemiker Thorsten Berg im Fachjournal ACS Chemical Biology berichtet, entwickelten sie eine neue Methode, um den feurigen Geschmackstoff in einen Hemmstoff zu verwandeln, der Blutkrebszellen abtöten kann.

„Unsere Methode ermöglicht es, gezielt die biologischen Eigenschaften von Naturstoffen zu verändern“, sagt Berg. Der Grund: Naturstoffe haben eine „angeborene“ Fähigkeit zur Bindung an Eiweiße. „Diese Fähigkeit resultiert aus der gemeinsamen Entwicklung von Naturstoffen und Eiweißen im Laufe der Evolution. Daher sind die chemischen Strukturen vieler Medikamente auch von Naturstoffen abgeleitet“, erläutert der Biochemiker. Diese natürliche Begabung haben die Leipziger Forscher genutzt, um das  Chili-Molekül zu einer wirksamen Waffe gegen Blutkrebszellen umzufunktionieren.


Der Trick der Wissenschaftler: Sie mussten dem scharfen Naturstoff eine bestimmte chemische Gruppe hinzuzufügen, die zur Bindung an eine Gruppe von Eiweißmolekülen benötigt wird, die eine wichtige Funktion für das Überleben von Blutkrebszellen spielen. Im Ergebnis führte die Bindung des veränderten Naturstoffs an das Eiweiß STAT5b. Das führt bei den Blutkrebszellen dazu, dass sie absterben. Der Vorteil dieser neuen Methode: Sie könnte zu einem schnelleren Auffinden chemischer Substanzen führen, die für die Entwicklung neuer Wirkstoffe bedeutend sind.
 

  • Datum 10.11.2015
  • Autor © laborwelt.de/bb

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