Diabetes-Tsunami rollt

Dramatische Warnungen bezüglich der häufigsten schweren Stoffwechselerkrankung, der Diabetes, gibt es seitens der österreichischen Diabetes-Fachgesellschaft (ÖDG). "Wir haben nicht eine 'Diabetes-Welle', wir haben einen 'Diabetes-Tsunami'." Dies sagte der Wiener Experte Helmut Brath.

Den Hintergrund bildet der bevorstehende Weltgesundheitstag, der sich dem Thema Diabetes widmet. "2050 werden 33 Prozent der Bevölkerung an Diabetes leiden. (...) Wenn wir so weitermachen, werden die Diabetiker bald die Mehrzahl der Bevölkerung sein", sagte Brath. Der bewegungsarme westliche Lebensstil mit zu "süßer" und zu fettreicher Ernährung samt Übergewicht und Adipositas sind offenbar die treibenden Faktoren in der Entwicklung beim Typ-2-Diabetes (nicht insulinabhängiger Diabetes, ehemals "Altersdiabetes").
 

Derzeit sind laut WHO weltweit 422 Millionen Menschen zuckerkrank. 2040 werden es prognostizierte rund 640 Millionen Menschen sein. Inkludiert man die geschätzte Dunkelziffer nicht diagnostizierter Fälle, dürften laut dem Wiener Diabetologen in Österreich rund zehn Prozent der Erwachsenen betroffen sein, bei den älteren Menschen sind es offenbar bereits rund 20 Prozent. Eine aktuelle Screening-Untersuchung der Tiroler Apotheker zeigte, dass bei 1.210 erfassten Datensätzen 9,5 Prozent der untersuchten Personen an Diabetes litten, weitere 34,8 Prozent wurden als Prädiabetiker klassifiziert. Die erste Aktion lief von Mai bis Juni dieses Jahres.
 
Die Behandlungsmöglichkeiten bei Zuckerkrankheit haben sich deutlich verbessert, Österreich bietet mit seinem funktionierenden Gesundheitssystem sehr gute Voraussetzungen.
 

Diabetes trifft auch Arme immer mehr

 
 "80 Prozent der Diabeteskranken leben in Ländern mit sehr niedrigem oder mittlerem Bruttosozialprodukt", sagte die Wiener Spezialistin Alexandra Kautzky-Willer. In Ländern wie Pakistan, Mexiko oder in den arabischen Staaten würden bereits 20 Prozent der Erwachsenen zuckerkrank sein.
 
Dieses Faktum scheint durch die zunehmende Verbreitung des westlichen Lebensstils weltweit bedingt zu sein. Sozial Benachteiligte haben insgesamt eine höhere Wahrscheinlichkeit, zuckerkrank zu werden. "Frauen mit Migrationshintergrund haben in Österreich ein um das 3,5-Fache gesteigertes Diabetesrisiko, Männer mit Migrationshintergrund das 1,5-Fache."
 
Die Zahl der Diabetiker weltweit hat sich nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit 1980 von 108 Millionen auf etwa 422 Millionen nahezu vervierfacht. Der Anteil an der erwachsenen Bevölkerung sei global von 4,7 Prozent auf 8,5 Prozent im Jahr 2012 gestiegen, teilte die Organisation am Mittwoch zu ihrem ersten globalen Diabetes-Bericht mit. "Das reflektiert eine Zunahme von Risikofaktoren wie Übergewicht und Fettleibigkeit", hieß es.
 

  • Datum 13.04.2016
  • Autor diabetes austria 2016-04-06

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