Blutzuckerschwankungen beim Wandern

Regelmäßige körperliche Aktivität kann bei Diabetes Typ 1- und Typ 2-Patienten dazu beitragen, den Blutzuckerspiegel zu senken und die Sauerstoffversorgung und Leistungsfähigkeit des Herzens zu verbessern. In den warmen Sommermonaten erfreut sich Wandern besonderer Beliebtheit. Auch für Menschen mit Diabetes eignet sich Wandersport. Sie müssen jedoch darauf achten, starken Blutzuckerschwankungen vorzubeugen...

Für Menschen mit Diabetes Typ 2 ist der Wandersport besonders geeignet, denn die Bewegung an der frischen Luft fördert den Stoffwechsel und senkt den Blutzuckerspiegel signifikant. „Bewegung ist für Diabetes-Typ-2-Patienten besonders wichtig. Jeder der sich zusätzlich zur Alltagstätigkeit regelmäßig bewegt, kann seine Blutzuckereinstellung verbessern“, erklärt Dr. Jens Kröger, Vorstand Prävention von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. Auch für Menschen mit Diabetes Typ 1 ist der Wandersport empfehlenswert, denn er senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und steigert das körperliche sowie seelische Wohlempfinden. Diabetespatienten sollten beim Wandern aber ein Auge auf ihre Blutzuckerwerte haben. Während und nach dem Wandern können kurzfristig starke Blutzuckerabsenkungen auftreten. „Wenn die Warnzeichen nicht richtig interpretiert werden, können diese bis hin zu gefährlichen Unterzuckerungen führen“, so Dr. Kröger. 

Um Unterzuckerungen frühzeitig zu erkennen, sollten Diabetespatienten ihre Blutzuckerwerte sorgfältig kontrollieren. „Es ist ratsam, den Blutzucker vor jeder sportlichen Betätigung zu messen. Der gemessene Wert sollte zwischen 150 und 180 mg/dl liegen, um eine Art Sicherheitspuffer für die blutzuckersenkende Wirkung von Bewegung zu haben. Generell sollte eher mit einem erhöhten Blutzucker als mit einem zu niedrigen gestartet werden“, erläutert Dr. Stephan Kress, erster Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Sport der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Wenn Wanderer schon mit niedrigen Blutzuckerwerten gestartet sind, empfiehlt der Diabetologe, nach einer halben Stunde eine Bewegungs-Broteinheit einzunehmen. Alternativ kann man schon vor der Bewegung die Insulindosis reduzieren. „Dies sollten Patienten aber zuvor im Rahmen einer Diabetesschulung lernen, es erfordert Wissen und Können“, betont Dr. Kress. 

Auch während des Wanderns empfiehlt der Diabetologe, den Blutzucker etwa alle ein bis zwei Stunden zu überprüfen. Dabei lernt der Betroffene, wie sich sein Blutzucker in dieser Situation verhält. Diese Erfahrungen helfen bei zukünftigen Fußmärschen. „Haben sie eine gemütliche Wanderung gemacht, bedeuten Schwitzen oder Herzjagen meist eine Unterzuckerung. Haben Sie sich ins Zeug gelegt und körperlich stark belastet, können Herzklopfen und Schwitzen auf eine starke Belastung hindeuten.“ Bei den ersten Anzeichen einer Unterzuckerung gilt es, schnell zu reagieren. Dabei sollte immer der Grundsatz ‚Erst essen, dann messen‘ gelten. Traubenzucker und langsam ins Blut gehende Kohlenhydrate wie Vollkornbrot dürfen in keinem Wanderrucksack fehlen. 

Lange Wandertouren können den Blutzucker aber auch in die Höhe treiben. Bei Diabetes Typ 1 ist dies Folge einer nicht ausreichenden Insulinversorgung des Körpers. „Die Zellen können nach körperlicher Anstrengung nicht mehr genügend Zucker aufnehmen“, erläutert Dr. Kress. Um diesen Energiemangel auszugleichen, baut der Körper Fettgewebe ab. Das Blut übersäuert und der Körper schüttet Stresshormone aus, die den Blutzuckerspiegel erhöhen. „Jetzt gilt es für den Betroffenen geschult und gekonnt eine Ketoazidose abzuwehren“, erklärt Dr. Kress. Bei Menschen mit Diabetes Typ 2 ist ein Blutzuckeranstieg meist Ausdruck einer Überanstrengung und wird durch Stresshormone ausgelöst. „Sind die Blutzuckerwerte in einem Bereich über 250 mg/dl, sollten Menschen mit Diabetes sich nicht stark anstrengen“, betont Dr. Kress. Um Blutzuckerschwankungen beim Wandern zu vermeiden und im Notfall vorbereitet zu sein, empfiehlt diabetesDE zudem, Rücksprache mit dem Arzt zu halten sowie eine kompetente Grundausbildung im Rahmen einer strukturierten Diabetesschulung. 
 

 

www.diabetes-austria.com/intnews.php

  • Datum 13.07.2016
  • Autor Diabetes Austria

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Blutzuckerschwankungen beim Wandern

Regelmäßige körperliche Aktivität kann bei Diabetes Typ 1- und Typ 2-Patienten dazu beitragen, den Blutzuckerspiegel zu senken und die Sauerstoffversorgung und Leistungsfähigkeit des Herzens zu verbessern. In den warmen Sommermonaten erfreut sich Wandern besonderer Beliebtheit. Auch für Menschen mit Diabetes eignet sich Wandersport. Sie müssen jedoch darauf achten, starken Blutzuckerschwankungen vorzubeugen...

hier weiterlesen


Lachen senkt den Blutzucker

Lachen wirkt sich nicht nur auf den Gemütszustand aus. Es hat auch Einfluss auf das Immunsystem, vermindert Stress und hilft sogar gegen Schmerzen. Studien zeigen außerdem, dass Lachen auch den Blutzucker senkt.

hier weiterlesen


Diabetesmedikamente gegen nicht-alkoholische Fettleber

Die nicht-alkoholische Fettleber entsteht meistens durch einen ungesunden Lebensstil. Gegen die nicht-alkoholische Fettleber (NASH) könnten künftig Antidiabetika zum Einsatz kommen.

hier weiterlesen


Diabetes-Tsunami rollt

Dramatische Warnungen bezüglich der häufigsten schweren Stoffwechselerkrankung, der Diabetes, gibt es seitens der österreichischen Diabetes-Fachgesellschaft (ÖDG). "Wir haben nicht eine 'Diabetes-Welle', wir haben einen 'Diabetes-Tsunami'." Dies sagte der Wiener Experte Helmut Brath.

hier weiterlesen


Erhöhtes Knochenbruchs-Risiko bei Diabetikern

Rund 600.000 Menschen leiden in Österreich an Diabetes mellitus. Alle 50 Minuten stirbt ein Mensch an den Folgen, und 62 % aller Amputationen gehen auf diese Erkrankung zurück. Tendenz steigend. Damit liegt Österreich im (schlechten) internationalen Trend. IMS HEALTH warnt nun, dass Diabetiker auch ein 36 % höheres Knochenbruchs-Risiko haben.

hier weiterlesen


Bei Diabetes regelmäßig zur Nierenkontrolle gehen

Nierenkrankheiten sind bei Menschen mit Typ1- und Typ-2-Diabetes nach Amputationen die zweithäufigste Komplikation. Denn Nierenerkrankungen werden bei ihnen heute noch zu spät diagnostiziert und in ihrer Bedeutung unterschätzt. Darauf macht die Deutsche Diabetes-Hilfe anlässlich des Weltnierentags am 10. März 2016 aufmerksam und gibt Tipps zur Vorbeugung.

hier weiterlesen