Gut Leben trotz Reizdarm

Ihr Bauch ist gewölbt und fühlt sich gespannt an? Sie leiden oft unter Krämpfen und kolikartigen Schmerzen, unter Blähungen und Völlegefühl? Oft tritt gleichzeitig Verstopfung auf oder plötzliche, meist krampfartige Durchfälle? Achtung! Wenn diese Beschwerden über Monate oder Jahre auftreten, ohne dass eine organische Erkrankung nachweisbar ist, spricht man von einem Reizdarm (Colon irritabile).

Weit mehr Menschen als man glaubt, leiden unter einem Reizdarm. Kaum essen Sie etwas, haben sie Blähungen oder müssen schon auf die Toilette laufen. Die häufigste Ursache dieses Syndroms liegt in den Lebensgewohnheiten unserer Zeit: zu schnell im Stress, zu viel zur falschen Zeit, zu fett und zu süß essen. Daraus resultiert eine nicht unbeträchtliche Herausforderung für unseren Darm.
Bei sensiblen Menschen endet dies oft in einer Überforderung mit Fehlverdauung und Gärvorgängen, die den Darm zusätzlich in seiner Aktivität beschleunigen. Häufiger Stuhlgang – bis zu zehnmal pro Tag ist keine Seltenheit -  oft verbunden mit Bauchschmerzen und Krämpfen sind die Folge. Diese Menschen sind in Ihrer Lebensqualität massiv beeinträchtigt. Doch was tun?

Als erstes sind immer andere Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik auszuschließen. Entzündliche Darmerkrankungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder bakterielle Fehlbesiedelungen können idente Symptome hervorrufen.
Die medikamentöse Therapie ist eine rein symptomorientierte Therapie und richtete sich je nach Beschwerdebild auf die Schmerzen, Durchfälle, Blähungen oder Verstopfung aus.
Ganz wesentlich hingegen sind eine Anpassung der Ernährung sowie eine deutliche Stressreduktion und somit psychoemotionale Entlastung.

Die Ernährungsempfehlung für Reizdarm-Patienten ist ebenfalls symptomorientiert. Nahrungsmittelunverträglichkeiten sollten mit geeigneten Methoden abgeklärt werden. Eine individuelle Ernährungsberatung ist wichtig. Dabei reicht es allerdings nicht, einmal den Menschen einen Zettel in die Hand zu drücken. Basierend auf den Beobachtungen der Ernährung der Betroffenen und ihrer Symptome muss eine individuelle Empfehlung erarbeitet und diese auch begleitet werden. Es macht Sinn, bereits anamnestische Hinweise auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit in einer gezielten Eliminationsdiät zu berücksichtigen.

Nicht unterschätzen: Bauchmassage hilft!

Massieren Sie täglich fünf Minuten sanft ihren Bauch! Hierzu legt man am einfachsten seine Hände auf den Bauch, die Fingerspitzen weisen zu den Zehen. Die Beine sind aufgestellt. Beginnen sie langsam mit etwas Druck vom rechten Unterbauch zum rechten Rippenbogen, weiter zum linken Rippenbogen und zum linken Unterbauch zu kreisen. Dabei bleiben die Hände zu Beginn auf der Stelle wo sie aufgelegt wurden – es wird also primär der Druck über die Handkanten der flach aufliegenden Hände übertragen (wie ein aufgestellter Teller der langsam umfällt). Langsam können die Hände ihren Bewegungsradius vergrößern. Nach zehn bis zwanzig Kreisungen streichen sie mit den Fingern den Dickdarm wieder rechts unten beginnend aus. Bereitet dies keine Schmerzen, so können die Finger in spiralförmigen Bewegungen tiefer gehend den Darm aktivieren.

Psychische Belastungen werden häufig im Zusammenhang mit einem Reizdarmsyndrom beobachtet. Chronischer Stress, Depression, Angststörungen sollten hinterfragt werden. Bei Hinweisen auf eine relevante psychosoziale Belastung sollte eine entsprechende Abklärung und Begleitung erfolgen. Entspannungstherapien z.B. nach Jacobson, autogenes Training oder Atemqigong sind als begleitende Maßnahme immer sinnvoll.

Achten Sie darauf, dass Sie im Tagesverlauf immer wieder einige Minuten der Entspannung einbauen – beobachten Sie die Vögel im Park, genießen Sie die Sonnenstrahlen in Ihrem Gesicht, lauschen Sie entspannender Musik oder versenken Sie sich in Ihr Lieblingsurlaubsbild.
Es gibt kein Patentrezept für die Behebung des Reizdarmsyndroms, aber man kann lernen damit gut zu leben.
 

  • Datum 02.09.2014
  • Autor Prof. Dr. med. Andrea Dungl-Zauner und Mag. pharm. Claudia Dungl

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