Dungl-Tipp: Kaffee – Geliebt & umstritten

„Ohne Kaffee am Morgen geht nichts“, höre ich von vielen meiner Patienten. Kaffee gilt landläufig als anregend auf Kreislauf und Gehirn und somit leistungssteigernd und die Konzentration fördernd. Auf der anderen Seite aber soll er bei Herzrhythmusstörungen und Magenproblemen negativ wirken. Was stimmt jetzt eigentlich?

Ob Koffein in Guarana-Pulver, Kaffee, starken  Tees oder Energy-Drinks – es zählt zu den weltweit am meisten konsumierten und gesellschaftlich am besten akzeptierten Drogen. Kaffee gehört zu unserem  Alltag; egal, ob am Arbeitsplatz, bei Veranstaltungen oder beim Treffen mit Freunden – er ist stets  verfügbar.

Muntermacher und …what else?

Betrachten wir Kaffee und seine Wirkung etwas genauer: Eine Tasse Kaffee enthält –je nach Stärke –  zwischen 30 und 100 mg Koffein. Bis zu 200 mg Koffein pro Tag gelten als medizinisch unbedenklich.  Ein Problem des Koffeins ist, dass sich das Gehirn an eine ständige Koffein-Dosis gewöhnt. Koffein  wirkt daher umso weniger, je mehr man davon langfristig zu sich nimmt. Fehlt dann der Nachschub, so  können pochende, hämmernde Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Konzentrationsschwäche die Folge sein. Bei manchen Menschen mit einer besonderen Genvariante kann es sogar zur Auslösung  von Angstgefühlen kommen. Die Johns Hopkins School of Medicine hat herausgefunden, dass sich die  elektrischen Hirnaktivitäten während eines Koffeinmangels verändern. Außerdem erhöhen sich der  Blutfluss im Gehirn sowie die Theta-Rhythmen im EEG. Dies wird von Forschern als eine wichtige Ursache für den Kopfschmerz gesehen.

Schutz vor Alzheimer und MS?

Jüngste Berichte geben Hoffnung, dass, Kaffee bis zu einem gewissen Grad vor Erkrankungen wie  Alzheimer, Multipler Sklerose und Parkinson schützen kann. Langzeit-Untersuchungen haben gezeigt,  dass die Häufigkeit von Morbus Parkinson bei Kaffeetrinkern geringer ist. Untersuchungen in Schweden und den USA erbrachten Hinweise auf ein etwa 20 Prozent verringertes Alzheimer- und Multiple Sklerose (MS)-Risiko bei Kaffeetrinkern bei 1 bis 2 Tassen pro Tag. Der mögliche Schutzmechanismus ist jedoch  weniger gut bekannt. In einem Parkinson-Maus-Modell konnte ein Koffeinextrakt den Untergang  bestimmter Neuronen bremsen und die Symptomatik lindern. Die vermuteten schützenden Effekte auf  die Nervenzellen müssen nun in klinischen Studien geprüft werden.

 

Achtung, Entzug!

Auch wenn dies sehr positiv klingt, müssen wir uns bewusst sein, dass es auch den Koffeinismus, also  eine Koffeinsucht, gibt. Die Symptome des Koffeinismus zeigen sich bei Koffeinentzug.  Unerklärliche Kopfschmerzen, Erschöpfung und Energieverlust, Müdigkeit und Schläfrigkeit können  ebenso die Folge sein wie Schlaflosigkeit, kreisende und rasende Gedanken. Schlechtes Konzentrationsvermögen das Gefühl, keinen klaren Gedanken fassen zu können, Reizbarkeit,  Unzufriedenheit und leicht depressive Verstimmungen bis hin zu Angstzuständen, die aus dem Nichts auftauchen, können beim Entzug quälen. Leider dauert ein Koffeinentzug meist länger als man glaubt.  Je nach Schwere der Abhängigkeit können diese Symptome auch zwei Wochen anhalten. Übrigens – sollten Sie eine Fastenkur planen, so sollten Sie schon in den Wochen davor den Kaffeekonsum  stufenweise reduzieren. Dies erleichtert das Fasten wesentlich.

Es kommt auf die Dosis an

Wann immer Sie einen Kaffee trinken, denken Sie daran, dass das genussvolle Trinken einer Tasse  Kaffee keine ungesunde Sache ist, solange man es nicht übertreibt. Je nach Stärke des Kaffees können  ein bis drei Tassen Kaffee täglich langfristig sogar positive Effekte auf unser Gehirn haben. Koffeingenuss in höherer Dosierung ist jedoch mit Nebenwirkungen verbunden. Wie schon Paracelsus  sagte: „Die Dosis macht das Gift“.

  • Datum 11.05.2016
  • Autor Prof. Dr. med. Andrea Dungl-Zauner und Mag. pharm. Claudia Dungl

Prof. Dr. med. Andrea Dungl-Zauner<p> & Mag. pharm. Claudia Dungl

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