Erfolgreich altern

Die positive Auseinandersetzung mit dem Alterungsprozess hilft, Probleme rechtzeitig zu erfassen und zu behandeln. Als präventive Maßnahmen sind ein gesunder und positiver Lebensstil, Aktivitäten, soziale Kontakte, offen sein für Neues und ein Training von Flexibilität und Neulernen zu empfehlen.

Oft wird Altern mit dem Abbau geistiger, körperlicher und sozialer Funktionsfähigkeit gleichgesetzt. Dieses „Defizitmodell“ des Alterns ist jedoch nach neuesten Forschungsergebnissen nicht gültig. Vielmehr ist Altern ein dynamischer Prozess mit vielen Veränderungen, die dauernd eine neue Anpassung erfordern, und dessen Verlauf durch das eigene Leben beeinflusst werden kann. Global gesehen ist Altern ein multifaktorielles Geschehen, das von biologischen (körperlichen), psychologischen (der subjektiven Verarbeitung), sozialen (Stellung in der Gesellschaft) und kontextuellen (Umwelt) Faktoren beeinflusst wird (Abbildung rechts). Ein „erfolgreiches Altern“ ist dann gegeben, wenn jemand sich gut an die Veränderungen in diesen Bereichen anpassen kann und seine Fähigkeiten und Ressourcen nutzt. Aktivitäten im kognitiven, motorischen, sozialen und emotionalen Bereich sowie eine adäquate Anpassung der Lebensumgebung stellen deshalb in dieser Hinsicht einen wesentlichen Faktor zur Prävention und Behandlung kognitiver und psychischer Defizite im Alter dar. Zusätzlich zu diesen Faktoren spielen biologische Prozesse wie eine rechtzeitige Behandlung von Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes etc., die Verminderung von Risikofaktoren wie Alkohol und Rauchen und eine ausgewogene Ernährung mit weniger Fleisch, mehr Fisch und besseren Fetten eine Rolle.

Normale Veränderungen im Alter

Im Bereich der geistigen Leistungen kann man nicht von einem generellen Leistungsabbau sprechen. Die im Alter oft erlebte Vergesslichkeit kann häufig durch eine allgemeine Verlangsamung der Verarbeitung von Information sowie einer Verminderung von Aufmerksamkeit, Wachheit, Konzentrationsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und der Flexibilität des Denkens erklärt werden. Diese Fähigkeiten sind im Alter etwa ab dem 30. Lebensjahr generell einem stärkeren Abbau unterworfen und können als Prozess des „normalen Alterns“ interpretiert werden. Anders verhält es sich mit bereits  erworbenem Wissen. Das Altgedächtnis, lebenspraktische, oft trainierte Fähigkeiten, soziale Funktionen und viele im höheren Lebensalter weitgehend erhalten. Sie sind bis ins hohe Lebensalter trainierbar und ermöglichen oft eine Kompensation von Defiziten in den anderen Bereichen.

Bei den Gedächtnisleistungen ist das unmittelbare Behalten von Informationen – sensorischer Informationsspeicher bzw. Kurzzeitgedächtnis – weniger beeinträchtigt als das mittelfristige Gedächtnis, wo Gedächtnisinhalte über einen längeren Zeitraum behalten werden müssen. Ebenfalls schwieriger wird das Neulernen und Neuspeichern von Informationen und das langfristige Speichern im Langzeitgedächtnis. Das Abrufen von gut gespeichertem Wissen, vor allem solches mit emotionalen Inhalten, ist jedoch bei normaler Alterung weitgehend unbeeinträchtigt.

Aktives Altern

Generell kann man sagen, dass aktive ältere Menschen glücklicher, zufriedener und oft auch gesünder sind als jene, die sich nur schonen. Deshalb ist es wichtig, Körper, Geist und Seele zu trainieren. Aktivität gilt auch als Schutzfaktor gegen das Auftreten einer Demenzerkrankung. Ebenso ist es wichtig, sich positiv auf das Altern einzustellen. Wesentlich sind auch Interaktion und Kommunikation sowie das Aufrechterhalten bzw. der weitere Aufbau sozialer Kontakte. Vor allem auch Kontakte zur jüngeren Generation und nicht nur familienbezogene Kontakte sind hier wichtig, um Vereinsamung als  Hauptrisikofaktor für eine Altersdepression zu vermeiden.

Drei Strategien für ein positives Altern

Altern bringt oft auch Krankheiten und Abbauprozesse mit sich. Diesen sollte man sich aber nicht passiv ausgeliefert fühlen. Hier gilt das so genannte Kompetenzmodell mit seinem Ansatz der Selektion, Optimierung und Kompensation.

  • Selektion: Wir wählen aus den vorhandenen Lebensmöglichkeiten diejenigen aus, die wir verwirklichen wollen und die für uns auch wichtig sind.
  • Optimierung: Wir suchen geeignete Mittel, um das Gewählte möglichst gut zu tun, setzen diese gezielt ein und trainieren diese auch.
  • Kompensation: Wenn Mittel wegfallen, reagieren wir darauf flexibel. Wir suchen neue Wege, unseren Zielen näher zu kommen und nützen vorhandene Ressourcen.

Dazu gehören auch Umweltanpassungen wie verschiedene Hilfsmittel etc., die es uns ermöglichen, vorhandene Ressourcen optimal zu nützen. Aus all diesen Überlegungen ergibt sich die Konsequenz, dass man sein Altern positiv beeinflussen kann. Das gilt für den körperlichen, geistigen, sozialen und emotionalen Bereich. Je fitter, desto besser – jedoch ohne zu übertreiben. Spaß ist das Wesentlichste! Wenn deutliche Beeinträchtigungen vorliegen, sollte man sich auf das besinnen, was noch gut erhalten ist und diese Ressourcen nützen, jedoch ohne sich zu überfordern. Es gibt immer etwas, das man gut kann und einem Spaß macht!

Die Demenzerkrankung

Unter einer Demenz – neben der Depression die häufigste psychische Erkrankung im Alter – versteht man einen Zustand, bei dem es durch eine hirnorganische Ursache zu so starken Veränderungen des Gedächtnisses und anderer geistiger Funktionen kommt, dass eine selbstständige Lebensführung beeinträchtigt ist. Oft ist auch die Persönlichkeit mitbetroffen. In Österreich gibt es derzeit geschätzt etwa 130.000 Patienten. Eine Demenz beeinträchtigt viele höhere Gehirnfunktionen, einschließlich Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache, Sprechen und Urteilsvermögen im Sinne der Fähigkeit zur Entscheidung. Das Bewusstsein ist nicht getrübt. Die kognitiven Beeinträchtigungen sind meist begleitet von Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens, der Affektlage oder der Motivation. Eine Demenz äußert sich in Gedächtnisbeeinträchtigungen plus mindestens einer der folgenden Störungen:

  • Aphasie: Störung der Sprache
  • Apraxie: beeinträchtigte Fähigkeit, motorische Aktivitäten auszuführen
  • Agnosie: Unfähigkeit, Gegenstände zu identifizieren bzw. wiederzuerkennen
  • Störung der Exekutivfunktionen, d. h. Planen, Organisieren, Einhalten einer Reihenfolge

Kognitive Störungen

Erfüllt die kognitive Beeinträchtigung nicht die Kriterien einer Demenz, spricht man von einer leichten kognitiven Störung, Mild Cognitive Impairment (MCI). Ihre Symptomatik reicht von Gedächtnisstörungen, über Lernschwierigkeiten bis hin zu einer verminderten Konzentrationsfähigkeit.

Demenz: Therapie & Maßnahmen

Die Therapie der Demenz ist multifaktoriell. Als präventive Maßnahmen kann man Aktivität in allen  Bereichen, kognitivesTraining und eine Vorbeugung bzw. Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen und Diabetes, erhöhte Blutfette, Alkoholismus und schwere depressive Erkrankungen ansehen. Auch Ernährungsfaktoren werden diskutiert, sind aber nicht gesichert. Bei bestehender Diagnose ist die Therapie entsprechend der Grunderkrankung und besteht aus Arzneimitteltherapie, psychologischen Maßnahmen zur Krankheitsbewältigung, Psychotherapie
und kognitivem Training. Weiters wesentlich sind die Schulung, Begleitung und Unterstützung der Helfer
sowie Umweltgestaltungsmaßnahmen wie z.B Wohnraumadaptierung, Assistenzsysteme etc. Als medikamentöse Behandlung der Alzheimer'schen Erkrankung stehen Cholinesterase- Hemmer, Memantine und Ginkgo biloba zur Verfügung. Diese können die Krankheit zwar nicht heilen, jedoch den
Verlauf positiv beeinflussen.

Wesentlich ist eine frühzeitige Diagnose, die sowohl eine medizinische aber auch testpsychologische Untersuchung beinhaltet, z.B. in Memory-Kliniken (wie das Zentrum für Gedächtnisvorsorge, Salztorgasse 5, 1. Stock, 1010 Wien).

Außerdem muss berücksichtigt werden, dass oft auch ganz andere Ursachen für ein schlechtes Gedächtnis vorliegen als eine Demenzerkrankung, z.B. eine Depression oder mangelndes Training,
die gut behandelbar sind. Eine plötzliche „Verwirrtheit“ ist nicht primär Zeichen einer Demenz, sondern sollte hinsichtlich eines Delirs, vaskulärer Erkrankungen oder einfach eines Flüssigkeitsdefizits
abgeklärt werden. Bei folgenden Ereignissen sollte man die geistige Leistungsfähigkeit abklären
lassen:

Der Betroffene …

  • berichtet über Gedächtnisprobleme, die den Alltag in seinem Ablauf beeinflussen bzw. zu einer Reduktion der Aktivitäten geführt hat
  • erzählt immer wieder die gleichen Inhalte
  • wirkt leicht verwahrlost bzw. ungepflegter als früher
  • verwechselt Namen von bekannten Personen oder sucht nach einfachen Worten
  • kommt öfter, da er Dinge vergessen hat bzw. sich nochmals vergewissern möchte
  • fragt Informationen nach, die eigentlich bekannt sein sollten.

Daten von Ansprechpartnern für die Möglichkeiten der Abklärung bzw. von Selbsthilfegruppen gibt es u.a.
in Ihrer Apotheke. Oder sprechen Sie einfach einmal mit Ihrem Arzt oder Apotheker darüber; sie helfen Ihnen sicher weiter.

  • Datum 26.10.2015
  • Autor Univ. Doz. Dr. Gerald Gatterer

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