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Fetthormon gefährdet Herz

Das Fetthormon Chemerin im Blut dürfte eine Vorhersagekraft für das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall haben. Der Faktor wurde als Biomarker von Vorarlberger Wissenschaftern identifiziert, wie sie beim Europäischen Kardiologenkongress in Barcelona mitteilten.

"Das Fetthormon Chemerin könnte mit seiner starken Vorhersagekraft eine Rolle als wichtiger Biomarker für das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall übernehmen", fasste Andreas Leiherer (Vorarlberg Institute for Vascular Investigation and Treatment) die Ergebnisse einer über vier Jahre laufenden Studie mit 495 Teilnehmern zusammen. "Chemerin könnte sowohl bei der Identifikation von neuen Patienten mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko, als auch zur Überwachung der Wirksamkeit entsprechender Behandlungen oder sogar auch für die Entwicklung zukünftiger pharmakologischer Therapieformen nützlich sein."    

Chemerin wird in Fettzellen gebildet und spielt eine wichtige Rolle für deren Ausdifferenzierung und den Stoffwechsel. Es ist aber auch an diversen anderen Vorgängen beteiligt, etwa der Regulierung der Immunabwehr. In der Studie an Patienten mit typischen Symptomen wie Brustschmerz (Angina pectoris) Atemnot oder erhöhter Puls, wurde mittels bildgebender Verfahren das tatsächliche Vorliegen einer Verengung der Herzkranzgefäße festgestellt und die Häufigkeit des Auftretens kardiovaskulärer Ereignisse im Zusammenhang mit der Chemerin-Konzentration im Blut ermittelt.    

Patienten mit hohen Chemerin-Werten wiesen zu Studienbeginn nicht nur eine schlechtere Nierenfunktion auf als solche mit normalen oder niedrigen Konzentrationen, dieser Unterschied verstärkte sich im Laufe des vierjährigen Beobachtungszeitraums auch noch deutlich. Gefürchtete kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall traten viel häufiger bei Patienten mit hohen Chemerin-Konzentrationen auf, unabhängig davon, ob deren Nierenleistung bereits beeinträchtigt war oder ob sie Übergewicht, Diabetes oder eine koronare Herzkrankheit hatten.    

Auf eine Möglichkeit, das Enzym DNase als Therapeutikum bei einem Herzinfarkt zu verwenden, sind Kardiologen der Wiener Universitätsklinik (MedUni) im AKH gestoßen. Das Enzym kann Netze (NETs) aus DNA-Erbsubstanz zerschneiden, die hochgradig entzündungsfördernd, zellgiftig und Thrombose-fördernd sind. "Wir konnten bei der Analyse von bei Herzkatheter-Behandlungen abgesaugten Blutgerinnseln zeigen, dass Herzkranzthromben große Mengen dieser NETs enthalten und deren Konzentration stark mit der Infarktgröße korreliert", berichtete bei dem Kongress der Wiener Experte Andreas Mangold.    

Auf der Spur von ganz neuen Therapiemöglichkeiten bei Herzmuskelentzündungen ungeklärter Herkunft befinden sich Innsbrucker Kardiologen. "Unsere Daten bestätigen, dass eine das Immunsystem unterdrückende Therapie bei entzündlicher Herzmuskelerkrankung ohne Erregernachweis in der Herzmuskelbiopsie wirksam ist", so Philipp Hörmann (Universitätsklinik Innsbruck).    

Die Analyse der Daten von 61 Patienten mit sechsmonatiger immunsuppressiven Therapie ergab insgesamt eine deutliche Verbesserung der durch die chronische Entzündung hervorgerufenen Herzschwäche. Herzmuskelentzündungen werden oft durch Virusinfektionen verursacht, es gibt aber auch Fälle, in denen Krankheitserreger nicht nachgewiesen werden können.

  • Datum 02.09.2014
  • Autor APA