Fieber ernst nehmen!

Wie Schmerzen hat auch Fieber eine Warnfunktion. Nach welchen Regeln vorzugehen ist, welche möglichen Auslöser für das Fieber in Betracht kommen und welche Maßnahmen zur Verfügung stehen, um es zu senken, ist Inhalt dieses Beitrages. Bis 38°C spricht man von leicht erhöhter Temperatur, bis 39°C von mäßigem Fieber und über 39 °C von hohem Fieber.

Die Einhaltung der Körperwärme innerhalb weniger Grade Celsius ist eine Meisterleistung des Organismus. Die Körpertemperatur erreicht nicht an allen Stellen gleiche Werte. Im Körperkern (Rumpf, Kopf) ist sie wegen der dort ablaufenden Stoffwechselaktivitäten höher und die Temperaturunterschiedefallen geringer aus. In der Körperschale (Haut, Arme und Beine) liegt die Temperatur niedriger und weicht je nach Körperteil beträchtlich voneinander ab. Beispielsweise beträgt  die Temperatur in der Wade 31°C im Oberschenkel rund 34°C.

Fiebermessung

Von den verschiedenen Messwerten ist die Körperkerntemperatur die relevanteste. Rektale Messungen  kommen ihr am nächsten, Temperaturmessung in der Mundhöhle liegen um 0,3 bis 0,5°C höher und  schwanken mehr. Die traditionelle Messung in der Achselhöhle liefert die ungenauesten Werte und  erfordert lange Anlegezeiten, die in der Praxis oft nicht eingehalten werden. Als Normaltemperatur gelten  37°C. Zum Vergleich: Die Hauttemperatur eines unbekleideten Menschen bei behaglicher Umgebungstemperatur beträgt gemittelt 33°C. Im Tagesgang ändert sich die Körpertemperatur und folgt einer Rhythmik. Zwischen der Temperatur am Morgen und am Abend liegt im Mittel knapp 1°C. Ähnlich  wie der Blutdruck schwank auch die Körpertemperatur. Bei leichter Arbeit und bei Emotionen steigt sie  um 1°C an, bei schwerer um 2 bis 3°C.

Wärmeregulation

Thermorezeptoren in der Haut und im Körperkern melden das jeweilige Temperaturniveau an das Temperaturzentrum im Gehirn. Man kann sich die Funktion wie bei einem Thermostat vorstellen. Haben  Sie gewusst, dass Neugeborene kurz nach der Geburt schon ihre Körpertemperatur wie Erwachsene –  mit einer kleinen Einschränkung – regeln können! Die bei Jugendlichen und Erwachsenen vorhandene  Fähigkeit, die Wärmeproduktion durch unwillkürliches Muskelzittern zu steigern, ist aber bei ihnen noch  nicht ausgebildet. Stattdessen greifen Säuglinge auf die zitterfreie Wärmebildung zurück, bei der das  braune Fettgewebe den Brennstoff liefert, der unter Sauerstoffverbrauch und Wärmeangabe verbrannt wird.

Fieberreaktion

Wie das Wort schon signalisiert, tritt Fieber fast immer als Reaktion auf Giftstoffe, Bakterien oder Viren  auf. Das Temperaturzentrum verstellt bei einem Infekt die Körpertemperatur nach oben. Fieber ist dann  die logische Folge.

Fieber und seine Ursachen

Eine Aufzählung der Ursachen von akutem Fieber würde den Rahmen sprengen, denn sie können sehr vielfältig sein. Häufig geht bakteriell bedingtes Fieber auf eine Lungenentzündung, Harnwegsinfekte  oder Stirnhöhlenentzündung zurück. Tritt Fieber gemeinsam mit Kopfschmerz und Erbrechen auf,  besteht wegen eines Verdachtes auf Hirnhautentzündung ein akuter Handlungsbedarf. Fieberschübe mit Schüttelfrost können oft mit Harn- und Gallenwegsinfekten im Zusammenhang stehen. Kehrt jemand von einer Tropenreise zurück und tritt einige Tage bis Wochen nach der Rückkehr plötzlich  Fieber auf, dann kann es durch Parasiten, Bakterien oder Viren ausgelöst worden sein. Regelmäßiges,  in 2- bis 3tägigem Abstand auftretendes Fieber nährt einen Malariaverdacht! Deshalb sollte man bei anhaltendem Fieber oder bei Fieber mit schlechtem Allgemeinzustand immer einen Arzt aufsuchen!

 

Sonderfall kindliches Fieber

Je kleiner das Kind, umso eher ist ein Arzt zu Rate zu ziehen. Besondere Dringlichkeit ist gegeben, wenn  neben dem Fieber Hautausschlag, Übelkeit/ Erbrechen oder Nackenschmerzen auftreten. Bei  Kindern unter 3 Jahre soll grundsätzlich ein Kinderarzt konsultiert werden.

Fiebersenkende Maßnahmen und weitere Tipps

Im Vordergrund der Präparate-Empfehlungen stehen wohl die klassischen Fiebermittel wie  »Acetylsalicylsäure«, »Paracetamol« und »Ibuprofen«. Sie stehen in verschiedenen Stärken und altersgerechten Darreichungen zur Verfügung. Achten Sie bitte darauf, dass die Wirkstoffe nicht  mehrfach eingesetzt werden, indem z.B. das gekaufte Fiebermittel »Ibuprofen« mit dem Grippemittel ASS + Vitamin C aus der Hausapotheke kombiniert wird! Es steigt dadurch nicht die Wirkung, sondern nur die Nebenwirkungen nehmen zu!

Das Ziel einer Fiebersenkung liegt nicht im Erreichen der Normaltemperatur, sondern einer Absenkung  der Körpertemperatur auf ein verträgliches Niveau, bei dem die positiven Auswirkungen des Fiebers noch erhalten bleiben! Üblicherweise tritt die Fiebersenkung im Ausmaß von 1 bis 1,5°C in 1 bis 2  Stunden auf.

»Ibuprofen«

In der Gebrauchsinformation findet sich folgender Hinweis: „Bei Schmerzen/Fieber soll die Anwendung  ohne ärztlichen Rat nicht länger als 4 Tage andauern. Bei Beschwerden, die länger als 3 Tage anhalten,  sollte ein Arzt aufgesucht werden“. Außerdem ist Ibuprofen für Kinder unter 12 Jahren rezeptpflichtig!

»Paracetamol«

»Paracetamol« hat die  wenigsten Anwendungseinschränkungen und ist daher ab dem 3. Lebensjahr in  der Apotheke rezeptfrei erhältlich. »Paracetamol« eignet sich zur Behandlung leichter bis mittelstarker Schmerzen sowie Fieber. Einziges Manko: »Paracetamol« hat nur eine kurze fiebersenkende Wirkdauer.  Trotzdem darf frühestens nach 4 Stunden eine weitere Tablette eingenommen werden.

»Acetylsalicylsäure«

Acetylsalicylsäure (ASS) ist das bekannteste und am öftesten eingesetzte Fiebermittel und ist rezeptfrei  erhältlich. Für Kinder unter 12 Jahren ist es nicht geeignet! ASS eignet sich zur Behandlung von Fieber und leichten bis mäßig starken Schmerzen.

Hausmittel

● Kühlende Wadenwickel mit kaltem Wasser oder Essigwasser führen Körperwärme ab. Man stellt sie  mit 1/3 Essig und 2/3 Wasser her. Damit getränkte Tücher werden dann um die Waden gewickelt, mit  einem trockenen Handtuch bedeckt und 20 bis 30 Minuten angelegt gelassen

● Vollbäder mit einer Temperatur, die 2 °C unter der aktuellen Körpertemperatur liegt, senken die  Körpertemperatur. Man soll sich 10 bis 20 Minuten in die Wanne legen.

● Die Schwamm-Methode besteht im Ausdrücken eines Schwammes – getränkt mit lauwarmen Wasser  – am Körper.

  • Datum 20.10.2016
  • Autor Mag. pharm. Dr. Alfred Klement

Mag. pharm. Dr. Alfred Klement

Email schreiben

Dr. Klement ist Pharmazeut und Heilpflanzenspezialist. Ständiger Mitarbeiter bei der Österreichischen Apotheker-Zeitung ÖAZ, Kronenzeitung, Ärztekrone, Apothekerkrone. Mitarbeit bei der Apothekenfortbildung.

Veröffentlichte Artikel

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Husten – wir haben ein Problem!

Erwachsene Österreicher erkranken pro Jahr zwei bis fünf Mal an grippalen Infekten, bei Kindern sind es sogar zehn Infekte und mehr. Häufig kommt es zu einer Bronchitis mit starkem Husten. Schleimlöser oder Hustenstillern helfen rasch, das Leiden zu lindern.

hier weiterlesen


So managen Sie Ihre Zeit

Stress ist der Versuch des Körpers, sich auf verschiedene Arten von Überlastung einzustellen. Jeder ist einmal gestresst oder hat mit Zeitfressern zu kämpfen. Mit dieser Situation müssen Sie sich aber nicht abfinden - Sie können etwas daran ändern, um mehr aus Ihrer Zeit zu machen!

hier weiterlesen


Dauerstress als Krankmacher

So unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich ist auch ihr Stressempfinden. Aber was passiert überhaupt im Körper, wenn wir unter Stress stehen, und warum kann Stress krank machen?

hier weiterlesen


Stress, lass´ nach!

Kennen Sie das auch? Ständig Aufgaben, Termine, Job und Familie: In solchen Situationen fühlt man sich schnell dauergestresst. Hält die Situation länger an, kommt es zu Nervosität, Überreiztheit, Unruhe, Angst und Schlafstörungen. Tipps aus Ihrer Apotheke helfen, um wieder Ruhe zu finden.

hier weiterlesen


Fieber ernst nehmen!

Wie Schmerzen hat auch Fieber eine Warnfunktion. Nach welchen Regeln vorzugehen ist, welche möglichen Auslöser für das Fieber in Betracht kommen und welche Maßnahmen zur Verfügung stehen, um es zu senken, ist Inhalt dieses Beitrages. Bis 38°C spricht man von leicht erhöhter Temperatur, bis 39°C von mäßigem Fieber und über 39 °C von hohem Fieber.

hier weiterlesen


Herzlich entspannt …

Herz-Kreislauferkrankungen sind in Österreich weit verbreitet. Veränderungen im Gefäßsystem führen zur Verengung, Verkalkung und einem Verschluss arterieller Gefäße. Zahlreiche Mikronährstoffe können in diese Stoffwechselprozesse regulierend eingreifen und das Risiko maßgeblich reduzieren.

hier weiterlesen