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Was tun bei Schmerzen und Fieber?

Wenn man sich ein Bild über die Körpertemperatur verschaffen will, leistet ein Fieberthermometer gute Dienste. Was macht man aber bei Schmerzen? Kindern gelingt es nämlich erst ab dem 6. Lebensjahr den Schmerz genauer zu lokalisieren. Ein Hinweis auf „Bauchweh“ hilft also nicht wirklich weiter. Daher ist genaues Beobachten wichtig.

Das kranke Kind

Mein Kind hat Schmerzen

Kopfschmerz

Kinder sind ähnlichen, kopfschmerzfördernden Umweltfaktoren ausgesetzt wie Erwachsene: Leistungsstress in der Schule, stundenlange Computerspiele, Schlafmangel, unentdeckte Augenfehler, Verspannung im Schulter- und Nackenbereich sowie mangelnde Bewegung zählen dazu. Daher steigt mit Schuleintritt die Kopfschmerzhäufigkeit bei Kindern. Die häufigsten Kopfschmerzformen sind Migräne und Spannungskopfschmerz. Liegt ein Spannungskopfschmerz vor, dann:

  • bleibt der Kopfschmerz bei körperlicher Belastung gleich,
  • hat das Kind trotz der Schmerzen Appetit,
  • bleibt die Leistungsfähigkeit in der Schule, im Beruf oder beim Sport erhalten.

Bei Spannungskopfschmerz sollen die Eltern das Kind von Reizen abschirmen, das Zimmer eventuell abdunkeln und kalte Kompressen auf Stirn und Nacken legen. Treten Spannungskopfschmerzen öfter auf, sollte dies mit dem Arzt abgesprochen werden.


Halsschmerzen

Kinder benötigen neben Zuwendung auch Schmerzlinderung. Denn bei Halsschmerzen brennt der Rachen, das Schlucken schmerzt und Essen und Trinken wird oft zur Qual. Bakteriell entzündete Rachenmandeln können hohes Fieber bis 40 °C, Kopf- und Gliederschmerzen sowie starkes Schwitzen auslösen und sollten zum Arzt führen. Halsschmerztabletten werden von Kleinkindern rasch geschluckt. Für sie sind Rachensprays mit langem Aufsatzrohr besser geeignet. Erst ab dem Schulalter können die für Erwachsene üblichen Pastillen eingesetzt werden.

Wann ist „Fieber“ wirklich Fieber?

Die Höhe der gemessenen Körpertemperatur variiert mit der Mess-Methode.

  • Bei Säuglingen ist die Messung im After am verlässlichsten. Von Fieber spricht man bei Werten über 38 °C.
  • Ab dem 1. Lebensjahr sind Ohrthermometer anwendbar.
  • Die Messung in der Achsel kommt erst ab dem Schulalter in Betracht.

Mäßiges Fieber liegt zwischen 38 und 38,5 °C, hohes Fieber zwischen 39 und 40 °C und sehr hohes Fieber bei Werten über 40 °C vor. Fiebersenkende Maßnahmen bei sonst gesunden Kindern sind erst beim Erreichen einer rektal gemessenen Temperatur von 39 °C notwendig.
 

Wann zum Arzt?

Beobachten Sie Ihr Kind und suchen Sie bei folgenden Beschwerden einen Arzt auf:

  • Eingeschränktes Allgemeinbefinden und Berührungsempfindlichkeit (wenn das Kleinkind schon auf sanftes Streicheln zu weinen beginnt), Trinkunlust und ständiges Wehklagen signalisieren ggf. bakterielle Infekte wie Lungenentzündung oder Harnwegsinfekte.
  • Wenn es dem Kind sichtlich schlecht geht, das Fieber nicht abfällt, es matt wirkt, erbricht, starkte Schmerzen hat, wenig trinkt und eventuell ein Ausschlag auftritt, sollte man sofort den Arzt aufsuchen. Fieber mit Hautveränderungen können banal sein, wie beim Dreitagefieber, oder lebensgefährlich wie bei der bakteriellen Hirnhautentzündung. Bei Erkrankungen mit Fieber ohne weitere Beschwerden sollten Sie:
  • bei Säuglingen spätestens nach 1Tag,
  • bei Kleinkindern und Schulkindern maximal nach 3 Tagen den Arzt aufsuchen.


Hat Ihr Kind schon einmal einen Fieberkrampf gehabt?

Ein Krampfanfall kann die Folge eines raschen Temperaturanstieges sein. Manche Kinder neigen – erblich bedingt – zu solchen Krämpfen. Frühzeitige Fiebersenkung kann einen Anfall verhindern.
Ein Krampfanfall sieht schlimmer aus, als ihn das Kind empfindet: Es verdreht die Augen oder blickt starr, das Atmen erfolgt unregelmäßig, teilweise gepresst, und einzelne Gliedmaße oder der ganze Körper zuckt. Es kann sogar zum Bewusstseinsverlust kommen. Danach erschlafft der Körper und das Kind kommt wieder zu sich.
Endet ein Anfall nicht innerhalb weniger Minuten oder wiederholt er sich, muss der Notarzt gerufen werden.

 

 

Arzneimittel

Fieber ist eine Schutzfunktion des Körpers. Das Anfiebern hilft der Körperabwehr, mit den  Krankheitserregern schneller fertig zu werden. Fiebersenkende Mittel sollten erst ab einer Tempertatur von 39 °C gegeben werden. Es gibt zahlreiche Fieber- und Schmerzmittel, die jedoch durch diverse Nebenwirkungen und wegen der Rezeptpflicht nicht bei allen Altersstufen gleichermaßen einsetzbar sind. Je nach Alter des Kindes und Schwere der Symptome ist entweder auf jeden Fall ein Arztbesuch notwendig oder es stehen Paracetamol, Ibuprofen und Acetylsalicylsäure rezeptfrei zur Verfügung.  Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach einem geeigneten Präparat. Sie können auch mittels Apothekenruf
1455 rund um die Uhr einen Apotheker erreichen.


Paracetamol
Im Vordergrund seiner Wirkungen stehen Fiebersenkung und Schmerzstillung. Einschränkend ist zu bemerken, dass die Wirkdauer nur 4 bis 6 Stunden beträgt. Die Entzündungsdämpfung fehlt weitgehend. Sie sollten berücksichtigen, dass Fiebersenkung seine Zeit braucht. Innerhalb von ein bis zwei Stunden sinkt das Fieber gewöhnlich um 1 bis 1,5 °C. Erst nach frühestens 4 Stunden darf eine zweite Paracetamol-Gabe erfolgen! Paracetamol ist erst für Kinder ab dem 3. Lebensjahr rezeptfrei erhältlich.

Ibuprofen
Ibuprofen ist gut verträglich und wird bei Kindern nach dem Körpergewicht dosiert. Dieses Schmerzmittel ist rezeptfrei für Kinder ab dem 12. Lebensjahr bestimmt. Ärzte können es auch kleineren Kindern verordnen.

Acetylsalicylsäure (ASS)
ASS ist weltweit das bekannteste und am öftesten eingesetzte Schmerzmittel. Bei Kindern kann ASS Krämpfe nach einer Virusinfektion auslösen (Reye-Syndrom). Deshalb ist ASS erst für Kinder ab dem 12. Lebensjahr erlaubt. ASS eignet sich zur Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen wie Migräne, Kopf-, Zahn- und Regelschmerzen sowie Fieber. Ihr Apothker berät Sie dazu gerne.

Hausmittel zur Behandlung bei Fieber

Viele Eltern möchten ihren Kindern nicht sofort ein Medikament verabreichen, sondern lieber zuerst Hausmittel anwenden.  Ein probates Mittel sind Wickel mit kühlenden, feuchten Tüchern (auch Essigwickel) als Wadenwickel oder als Ganzkörperwickel.

  • Datum 25.08.2014
  • Autor Mag. pharm. Dr. Alfred Klement