Fruchtzucker zunehmend gesundheitliches Problem?

Er galt lange Zeit als gesündere Alternative für Diabetiker und wurde ob seines Namens auch von Nicht-Diabetikern gerne als Zucker-Alternative genascht: Fruchtzucker. Nun mehren sich wissenschaftliche Stimmen, die vor einer übermäßigen Zufuhr aus mehreren Gründen warnen.

Wer glaubt mit Smoothies, fruktosegesüßten Wellnessgetränken oder Agavensirup seinem Körper etwas besonders Gutes zu tun, wird häufig eines Besseren belehrt. „Aus internationalen Studien wissen wir, dass bis zu 50 % der Bevölkerung Fruktosemengen von über 25 g pro Portion (Anm.: entspricht z. B. 440g Apfel) nicht resorbieren können“, erläutert a. o. Univ. Prof. DI Dr. Harald Vogelsang, AKH Wien. Angelika Widhalm von der Patienteninitiative FruLak&Co. hat täglich mit Betroffenen zu tun: „Von den mittlerweile 3000 registrierten Mitgliedern unserer Initiative haben 90 % ein Problem mit Fruktose. Diese haben bis zu ihrer Diagnose Fruktose-Malabsorption einen oft jahrelangen Leidensweg hinter sich.” So wird häufig zuerst Laktose oder einem vermeintlichen Reizdarm die Schuld für ständig wiederkehrende Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall gegeben. Dabei könnte ein einfacher H2-Atem-Test sehr rasch Fruktose als Übeltäter für die belastenden Beschwerden entlarven.
 

Verdauungsmartyrium im Alltag

Bei der Fruktose-Malabsorption (streng zu unterscheiden von der seltenen erblich bedingten Fruktose-Intoleranz) wird Fruchtzucker unzureichend vom Dünndarm ins Blut aufgenommen. Das menschliche Verdauungssystem hat sich scheinbar über Jahrtausende auf etwa 16-20 g Fruktose/Tag aus Obst, und Gemüse eingestellt. Das entspricht z. B. 3 kleinen Birnen. Daher ist bei vielen Menschen eine begrenzte Aufnahmekapazität von Fruktose vorprogrammiert: Der Überschuss wandert in den Dickdarm, wo die ansässigen Bakterien ihn als Futterquelle verstoffwechseln. „Ein Gesunder toleriert normalerweise bis zu 50 g Fruktose pro Mahlzeit (entspricht 600 ml Traubensaft) beschwerdefrei. Bei Menschen mit Fruktose-Malabsorption reagiert der Bauch bereits bei 1 bis 10 g pro Mahlzeit mit Symptomen“, erklärt die Innsbrucker Diätologin Edburg Edlinger. Blähungen, Bauchgeräusche und/oder Durchfall können die Folge sein. Angelika Widhalm bringt es auf den Punkt: „Unsere Patienten leiden vor allem darunter, dass weder Gastronomie noch Handel auf ihre Bedürfnisse Rücksicht nehmen. Es ist für viele aufgrund der versteckten Fruktose in Smoothies, Erfrischungsgetränken, Fruchtjoghurts, Süßigkeiten und Desserts oft ein russisches Verdauungsroulette.”


Fruktose kann möglicherweise Übergewicht und das metabolische Syndrom fördern

Mittlerweile mehren sich Studienergebnisse, die noch weitere dunkle Schatten über das strahlende Licht des vermeintlich natürlichen Zuckers werfen. Denn er scheint das Freisetzen jener Hormone zu beeinflussen, die Hunger und Sättigung regulieren. Dadurch trage er Mitschuld an vermehrtem Appetit, gesteigerter Energieaufnahme und damit letztlich Übergewicht. Prof. Vogelsang betont: „Eine langfristig zusätzliche hohe Fruktosezufuhr könnte zusätzlich deshalb gesundheitlich besonders nachteilig sein, weil sie das sogenannte viszerale Fett, also das sehr stoffwechselaktive innere Bauchfett vermehrt.“ Dieses wird als eigenständiger Risikofaktor für das gefürchtete metabolische Syndrom und dessen Folgeerkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesehen.
 

Fazit

Nach heutigem Stand der Wissenschaft wird eine möglichst geringe Zufuhr (max. 25-40 g/d, entsprechend 400-600 ml Apfelsaft) empfohlen, da die Nachteile einer isolierten Fruktoseaufnahme langfristig überwiegen könnten. Der vergleichsweise kleine Fruktose-Anteil in Früchten soll aber Menschen ohne Fruktose-Malabsorption nicht davon abhalten, weiterhin zwei Obstrationen täglich zu essen. Besser wirft man einen genauen Blick auf das Etikett von gesüßten Produkten. Denn in diesen lauern weit größere Fruchtzuckermengen als in Apfel, Birne und Co.
 

  • Datum 16.02.2016
  • Autor Angelika Widhalm | FruLak&Co.: Patienteninitiative

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