Wissenschaftler erforschen "gebrochene Herzen"

Dass man an einem "gebrochenen Herzen" tatsächlich sterben kann, ist eine medizinische Tatsache. Forschende des Universitätsspitals Zürich (USZ) haben nun herausgefunden, dass die Erkrankung weit häufiger ist, als bisher angenommen.

Der Verlust einer geliebten Person, Mobbing am Arbeitsplatz, Familienstreitigkeiten - da kann das Herz "brechen". Ausgelöst wird die Erkrankung durch emotionalen oder physischen Stress. Die Symptome gleichen jenen eines Herzinfarkts. Betroffen sind mehrheitlich Frauen. Wissenschaftlich heisst die Erkrankung "Takotsubo-Syndrom. Der Name stammt aus dem Japanischen. 1990 hatten japanische Fachleute sie erstmals beschrieben und sie nach den Tonkrügen genannt, die in der Region zum Tintenfischfang verwendet werden. Das erkrankte Herz nimmt nämlich eine ähnliche Form an - enger Hals, bauchiger Körper.

 

Als Ursache wird unter anderem eine vorübergehende Verkrampfung der kleinsten Gefässe im Herzmuskel vermutet. Dies führt zu einer verminderten Durchblutung, die bis zum lebensbedrohlichen Pumpversagen führen kann.

 

Ein schweizer Forscherteam hat nun die weltweit bisher grösste Studie zum "Gebrochenes-Herz-Syndrom" durchgeführt. Einbezogen wurden 1750 Patienten. Die Ergebnisse werden im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht. Die Mediziner kamen zur Erkenntnis, dass es möglicherweise viel mehr "gebrochene Herzen" gibt, als bisher angenommen. Dass die Krankheit auch im Rahmen schwerer Infektionen, während beziehungsweise nach Operationen entstehen kann, war bekannt. Die Forschenden fanden nun heraus: Sie tritt auch bei akuten neurologischen Krankheiten wie Hirnschlag, Epilepsie oder Hirnblutung auf.

 

Die Studienresultate zeigten zudem , dass die Erkrankung in der Akutphase beinahe so lebensbedrohlich ist wie ein akuter Herzinfarkt. Beträgt bei diesem die Sterblichkeitsquote 5,3 Prozent, so liegt sie beim Takotsubo-Syndrom bei 3,7 Prozent.
Studienleiter Templin hofft laut Mitteilung, dass sich dank der Erkenntnisse aus der Studie die Prognose von erkrankten Personen verbessern werde. Sie mache nämlich deutlich, dass Patienten in der akuten Krankheitsphase intensiv überwacht werden müssten. Nur so gelinge es, lebensbedrohliche Komplikationen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.

 

Richtlinien für die Behandlung eines "gebrochenen Herzens" gibt es gegenwärtig noch keine. Daten aus der Studie liefern laut Mitteilung aber erste Hinweise auf erfolgversprechende Ansätze.
An der Studie beteiligten sich 26 kardiologische Zentren in neun Ländern. Neben der Schweiz waren dies Deutschland, Österreich, Finnland, Frankreich, Italien, Polen, England und die USA.

  • Datum 03.09.2015
  • Autor APA

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