shutterstock_142807588.jpg

zurück

Gesund altern!

Das Dilemma alter Menschen ist, dass sie eine größtmögliche Leistung erbringen müssen, um etwas Alltägliches zu tun! Dieser Beitrag beleuchtet die Entwicklung der Bevölkerungs in Österreich vor dem Hintergrund des Alterungsprozesses und der damit verbundenen medikamentösen Versorgung und entsprechender altersgerechten Ernährung.

Unsere Lebensdauer ist biologisch in jedem Fall limitiert, aber unterschiedlich lang ausgelegt. Zwischen den Arten existieren große Unterschiede im erreichbaren Alter:

  • Riesenschildkröte 200 bis 300 Jahre
  • Adler, Papagei: 100 bis 110 Jahre
  • Elefant: 70 Jahre
  • Mensch: 110 bis 120 Jahre


Das Altern setzt bei Menschen viel früher ein, als allgemein vermutet. Der so genannte »Umkehrpunkt« mit einem einsetzenden Abbau

  • liegt für das knöcherne Skelett schon bei 25 Jahren
  • tritt bei den Muskeln nach ca. 40 Jahren ein
  • ist bei den Nieren geschlechtsabhängig. Sie erreichen mit 20 Jahren (Frauen) und 30 Jahren (Männern) ihren Leistungshöhepunkt.


Biologisch am Höhepunkt sind wir im Alter von rund 30 Jahren! Das ist aus Sicht der Evolution der richtige Zeitpunkt, weil zwischen 20 und 30 die Nachkommenschaft geboren und aufgezogen werden muss. Danach nimmt die Leistungsfähigkeit des komplexen Systems »Mensch« bis zum 70. Lebensjahr pro Jahr um 0,5 bis 1,5 % ab und der Alterungsprozess progressiv zu.

50mal ist genug!
Forschungsergebnisse auf zellulärer Ebene lieferten die Grundlage für die Theorie des molekularen Alterns. In Zellkulturen gelingt es, teilungsfähige Zellen etwa 50mal  zu verdoppeln, danach werden sie programmgemäß aus dem Verkehr gezogen. Die Ursache dafür liegt in dem, pro Teilungsschritt eintretenden, Verlust von Erbmaterial mit angelagerten Proteinen am Ende der Chromosomen. Sie können von Reparaturenzymen nicht mehr vollständig wiederhergestellt werden und limitieren auf diese Weise die Lebensspanne aller Lebewesen.

Wenn es die freien Radikale nicht gäbe
Stoffwechselvorgänge produzieren jene Energie, die sowohl für die basalen Lebensvorgänge, als auch körperliche Spitzenleistungen wie bei Sprinter oder Marathonläufer nötig ist. Die Entstehung reaktiver Sauerstoffmoleküle lässt sich dabei trotz antioxidativer Schutzsysteme nicht vollständig verhindern und der reaktive Sauerstoff kann mit beinahe jedem Biomolekül in Kontakt kommen und es schädigen. Auf dieser Grundlage dürfte die im Tierversuch nachweisbare Lebensverlängerung durch hypokalorische Ernährung beruhen.

Was kann man dagegen tun?

Altern und Hormone
Einige Hormone wie Melatonin, Dihydroepiandosteron (DHEA) und seinem Sulfat DHEAS, Androstendion, wie auch das Wachstumshormon selbst, wurden und werden zum Teil noch immer als lebensverlängernd angepriesen. Welche Risiken ein freizügiger Umgang mit Hormon-Präparaten mit sich bringt, hat die amerikanische WHI-Studie (»Women-Health-Inititive«) gezeigt, in der unter Östrogengabe das Brustkrebsrisiko stieg. In den Medienberichten und vor allem im Internet werden die vielfältigen (Neben-)Wirkungen derartiger Hormoneinnahmen verschwiegen und diese selbst in so manchen Nahrungsergänzungen aus dem Internet oft gar nicht deklariert.

Man kann den problematischen Sachverhalt mit einem Satz beleuchten: Altern ist keine Hormonmangelerscheinung und eine Hormoneinnahme nur unter medizinischen Gesichtspunkten gerechtfertigt wie z.B. bei Frauen, denen vor der Menopause die Gebärmutter entfernt wurde.

Was lässt sich tun? Es gibt zwar nichts gegen das Altern an sich, dafür aber Tipps, wie man sich das Alter erleichtern kann. Lebensstilmodifizierende Maßnahmen, zu denen Bewegung, maßvolles abwechslungsreiches Essen und kein Missbrauch von Alkohol und Tabak zählen, sind die Basis. Dazu kommen noch

  • die konsequente Erhaltung des Impfschutzes,
  • eine ebenso konsequente Anwendung ärztlich verschriebener Medikamente gegen bestehende Krankheiten und
  • eine pragmatische Selbstmedikation von Begleiterscheinungen des Alterns.


Altern und Impfschutz
Infekte sind bei alten Patienten häufiger mit Komplikationen verbunden als bei jüngeren. Ein aufrechter Impfschutz ist daher wie eine Lebensversicherung. Das gealterte Immunsystem ist nicht mehr so stimulationsfähig wie in der Jugend und im mittleren Alter. Es gibt aber speziell adaptierte Impfstoffe für ältere Personen als Ausgleich für die mangelhafte Immunantwort.

Altern und Ernährung

Mangelnder Appetit, verminderter Grundumsatz, Zahnverlust und verringerte Aufnahme von Vitaminen und Spurenelementen aus dem Darm sind die Hauptauslöser von Mangelerscheinungen im Alter. Ist die Säureproduktion im Magen herabgesetzt, ist die Aufnahme von Kalzium, Eisen, Folsäure, Vitamin B6 und B12 in den Darm (Resorption) erschwert. Medikamente können als Nebenwirkung den Gastrointestinaltrakt schädigen, wie die NSAR, oder den Transit verlangsamen wie Opioide, die Übelkeit und Obstipation hervorrufen. Antibiotika bewirken umgekehrt oft Durchfall.

Während im Alter der Kalorienverbrauch abnimmt, bleibt der Bedarf an Mineralstoffen und Spurenelementen unverändert. Zum Ausgleich bieten sich Multivitaminpräparate und auch proteinreiche Nahrungsergänzung an. Sie bekämpfen

  • Müdigkeit, Sturzneigung
  • Infektanfälligkeit
  • ungewollter Gewichtsverlust (Der BMI im Alter soll bei 20 bis 22 liegen!)
  • Wundheilungsstörungen
  • Haarausfall
  • Durchfall
  • Depressive Verstimmungen etc.


Bei älteren Menschen sind leichter schluckbare flüssige Darreichungen statt fester zu bevorzugen. Fragen Sie in der Apotheke nach Alternativen zu Tabletten, Dragees, Kapseln usw.

Vergesslichkeit und Gingko
Ginkgo-Zubereitungen sind seit Jahrzehnten die am meisten eingenommenen pflanzlichen Präparate in Europa. Als »Wirkstoff« fungiert der 50-fach angereicherte Trockenextrakt aus Ginkgo biloba-Blättern, der auf eine bestimmte Menge an Ginkgoflavonglykosiden und Terpenlaktonen (Ginkgolide, Bilobalid) eingestellt ist. Wie in zahlreichen Studien nachgewiesen, sind diese pharmakologisch aktiven neuroprotektiven Inhaltsstoffe unter anderem bei nachlassender Konzentrations- und Gedächtnisleistung sowie intellektueller Leistungsfähigkeit wirksam.

Oft taucht dabei die Frage auf, ob statt der Tabletten mit Trockenextrakt auch Ginkgoblatt-Teemischungen verwendbar sind. Dagegen spricht vor allem das unterschiedliche Extraktionsmittel. Bei der Herstellung von Trockenextrakten wird 60 % Aceton verwendet, beim Tee beruht die Extraktion auf heißem Wasser. Unerwünschte Begleiter im Tee sind die Ginkgolsäuren. Sie haben in pharmakologisch-toxikologischen Untersuchungen ein hohes allergenes Potenzial gezeigt. Auch zytotoxische, neurotoxische und mutagene Wirkungen wurden nachgewiesen. Vor diesem Hintergrund wurde im Europäischen Arzneibuch der zulässige Gehalt an Ginkgolsäuren in Ginkgo-Trockenextrakten auf 5 ppm limitiert. Aus der Teedroge gehen sie in nicht vorhersehbarer Weise in den Aufguss über. Im Extremfall wird beim Genuss von nur einer Tasse Teeaufguss die für Arzneimittel zulässige Tageshöchstdosis an Ginkgolsäure um mehr als das 80-Fache überschritten! (Meike Krzywon, Mona Tawab und Manfred Schubert-Zsilavecz  „Ginkgohaltige Teeprodukte nicht ohne Risiko“; Pharmazeutischen Zeitung Nr. 46, Jhg. 2008)

Für die Anwendung von Ginkgo-Extrakt-Präparaten ist die Einhaltung einer Mindest-Tagesdosis wichtig. Sie beträgt 80 mg täglich über mindestens 6 bis 8 Wochen. Noch besser wären 120 mg täglich. In klinischen Studien kamen bei hirnorganischen Leistungsstörungen 240 mg Extrakt und mehr zur täglichen Anwendung.

Beschwerden im Bewegungsapparat

Zu Beschwerden im Bewegungsapparat zählen entzündliche und nichtentzündliche degenerative Erkrankungen der Gelenke sowie traumatisch ausgelöste Muskel- bzw. Bandbeschwerden. In leichten Fällen helfen topische Zubereitungen, in schweren Fällen können sie eine orale Behandlung mit rezeptpflichtigen Entzündungshemmern ergänzen.

Arnikablüten
Aus Arnikablüten hergestellte Tinkturen werden mit maximal 25 % Anteil in Salben und Gele eingearbeitet. Hinsichtlich der Wirksamkeit liegen Studien vor, in denen die Schmerzlinderung jener von lokalem »Diclofenac«-Gel (Kniearthrose) und »Ibuprofen«-Gel (Handarthrose) entsprach. Vorsicht ist bei Allergikern am Platz, weil bei Korbblütler-Allergie eine Kontaktdermatitis mit Bläschen auftreten kann.

Beinwellwurzel

Im Bereich Bewegungsapparat wird der Beinwell fast gegen jede Art von Beschwerden eingesetzt. Beinwell werden schmerzstillende, reizlindernde, entzündungshemmende und wundheilungsfördernde Effekte zugeschrieben. In den vergangenen Jahren wurden eine Reihe klinischer Studien durchgeführt, welche diese Wirkungen bestätigt haben. Patienten, die das Präparat dreimal täglich anwendeten, berichteten von einer erhebliche Schmerzlinderung und besserer Beweglichkeit.

Paprika, Capsaicin
Capsaicin setzt die Schmerzempfindung herab. Die Durchblutungssteigerung (Hyperämisierung) ist dabei eine angenehm empfundene Begleiterscheinung. Wichtig ist bei den Capsaicin-Pflastern die Beschränkung der Tragezeit. Wärmepflaster werden z.B. 4 bis 12 Std. getragen. Erst nach 14 Tagen Pause soll man ein Pflaster wieder an der gleichen Stelle aufbringen. Sonst kann es zur Schädigung sensibler Nerven und Blasenbildung der Haut kommen. Die Capsaicin - Mengen in den rezeptfreien Pflastern – erhältlich in Ihrer Apotheke – ist daher niedrig gehalten.

 

  • Datum 21.07.2014
  • Autor Mag. pharm. Dr. Alfred Klement