Viele Glaukom-Erblindungen in Österreich vermeidbar

In Österreich sind über 80.000 Menschen von einem Glaukom betroffen, ein Großteil davon ahnt nichts von der Erkrankung. Nur mit der regelmäßigen Glaukomkontrolle durch den Augenarzt kann der „Grüne Star“ rechtzeitig erkannt werden.

Der „Grüne Star“, wie das Glaukom im Volksmund auch genannt wird, ist eine heimtückische Erkrankung, die anfangs völlig ohne Symptome verläuft und daher lange Zeit unerkannt bleibt. Anders als der „Graue Star“, der Eintrübung der Augenlinse, bleibt der „Grüne Star“ lange völlig unbemerkt und führt schmerzfrei zur langsamen, völligen und irreversiblen Erblindung. In dieser Hinsicht ähnelt er erhöhtem Blutzucker, erhöhten Blutfetten und erhöhtem Blutdruck, ebenfalls Erkrankungen, die lange Zeit keine Beschwerden verursachen.

„Beim klassischen chronischen Glaukom ist die Sehschärfe lange Zeit nicht beeinträchtigt, während jedoch die Nervenfasern der Netzhaut und des Sehnervs zerstört werden. Dies führt zu Gesichtsfeldausfällen. Das heißt, Teile der Informationen, die von den Augen ans Gehirn gehen, fehlen, das Bild ist lückenhaft. Unser phänomenales Gehirn kann dies jedoch sehr lange mit Information aus der unmittelbaren Umgebung ergänzen. Als Patient merkt man deshalb lange Zeit nichts, dann „vergrauen“ Teile des Bildes zu trüben Flecken. Oft wird die Erkrankung erst in diesem Stadium von den Betroffenen bemerkt, erklärt Univ.-Prof. Dr. Christoph Faschinger.
 

Wolfram Pirchner: „Bitte gehen Sie regelmäßig zur Glaukomkontrolle!“

Das Glaukom kann jeden treffen. Auch ORF Moderator Wolfram Pirchner ist ein Betroffener. Er ist schon lange vor der Diagnose regelmäßig einmal pro Jahr zur Kontrolluntersuchung zum Augenarzt gegangen. Im Rahmen eines solchen Besuchs wurde bei ihm vor vier Jahren ein Glaukom festgestellt. Pirchner: „Seither tropfe ich täglich meine Augen ein und lebe sonst wie immer. Ich dachte anfangs, ich hätte Glück gehabt, dass man die Erkrankung so frühzeitig bei mir festgestellt hat. Aber das einzige Glück in diesem Fall, ist die Tatsache, dass wir in einem Land leben, wo diese Art der Untersuchung zum Standard beim Augenarzt gehört. Ich darf mich also als Beispiel für gut funktionierende Früherkennung betrachten.“

Jeder Mensch sollte ab dem 40. Lebensjahr einmal jährlich zur Glaukomkontrolle zum Augenarzt gehen. Dank der technischen und therapeutischen Möglichkeiten ist die Diagnose des Glaukoms heute in einem sehr frühen Stadium der Erkrankung möglich. Die allgemeine augenärztliche Untersuchung ist schmerzfrei. Dabei wird der Augendruck gemessen, die Sehschärfe überprüft, Sehnervenkopf und Netzhautnervenfasern mittels Laser untersucht sowie bei Bedarf eine Gesichtsfeldbestimmung gemacht. Ein Optiker kann den Sehnerv nicht beurteilen.
 

Glaukom oft Zufallsdiagnose

 „Häufig erleben wir, dass das Glaukom per Zufallsdiagnose festgestellt wird. Die Patienten kommen wegen irgendwelchen anderen Beschwerden zu uns und wir entdecken ein Glaukom. Wenn wir Glück haben, befindet sich der Patient noch in einem frühen Stadium der Erkrankung und wir können ihn gut behandeln. Leider kommt es aber viel zu oft vor, dass Menschen erst dann zu uns kommen, wenn sie sehr konkrete Auswirkungen des Glaukoms bemerken.“
 

Gut behandelbar – bei früher Diagnose

Bei früher und rechtzeitiger Diagnose ist das Glaukom eine gut behandelbare Erkrankung. Ziel der Therapie ist es, das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern und den Sehnerv sowie das Gesichtsfeld so weit wie möglich zu erhalten. Die rechtzeitige Behandlung ist auch deshalb so wichtig, da einmal vorhandene Schäden am Sehnerv nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Assoc. Univ. Prof. Dr. Gerhard Garhöfer erklärt: „Da ein erhöhter Augeninnendruck der wichtigste Risikofaktor für das Fortschreiten des Glaukoms ist, steht bei der Therapie vor allem die Senkung des Augeninnendrucks im Vordergrund.“ Die Behandlung erfolgt in der Regel medikamentös mittels Augentropfen. In schweren Fällen oder wenn Tropfen nicht vertragen werden, kann auch eine Augendrucksenkung durch eine Operation notwendig sein. Hier gibt es seit einiger Zeit auch Implantate, die minimalinvasiv ins Auge eingesetzt werden können. Alternativ kann in manchen Fällen eine Laserbehandlung sinnvoll sein.
 

Weltglaukomtag 2016

Der Weltglaukomtag wird jedes Jahr am 12. März  begangen.  Am Weltglaukomtag soll in Kooperation mit AugenfachärztInnen aus aller Welt das Bewusstsein für den Grünen Star in der Bevölkerung gehoben werden und damit ein wesentlicher Beitrag zur Vermeidung irreparabler Schäden am Auge bis hin zur Erblindung geleistet werden.

  • Datum 09.03.2016
  • Autor Public Health PR Thomas Braunstorfer

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