Grippe oder grippaler Infekt?

Kommt die kalte Jahreszeit, so sind Erkältungserkrankungen wieder im Anmarsch. Die Bezeichnung „Grippe“ wird für eine breite Palette von Krankheiten verwendet, die von banalen Erkältungen bis hin zur gefürchteten Influenza reichen.

Die Erkältung ist eine Infektion der oberen Atemwege mit Viren, die besonders leicht von Mensch zu Mensch über Tröpfchen beim Niesen, Husten oder Sprechen übertragen werden kann. Meist ist zunächst die Schleimhaut der Nase betroffen, und es kommt zu Schnupfen. Kinder erkranken durchschnittlich drei- bis achtmal pro Jahr, Erwachsene ein- bis dreimal. Zudem kann es zu einer Halsentzündung, einer Mandelentzündung und einer Infektion der Atemwege der Lunge mit Husten bzw. Bronchitis kommen.

Banale Erkältung oder echte Grippe?

Die banale Erkältung – auch Rhinosinusitis genannt – wird durch Rhino-, Corona- und Adenoviren  hervorgerufen. Man unterscheidet zwischen einer akuten Rhinosinusitis und der chronischen mit und ohne Nasenpolypen. Die akute banale Erkältung dauert bis zu 10 Tage, bei 10 Prozent der Patienten kommt es danach zu einer Verschlimmerung der Symptomatik, nur ein Prozent leidet an einer akuten  bakteriellen Rhinosinusitis, die einer Antibiotika-Therapie bedarf.

Die Leitsymptome sind Gesichtschmerz, nasale Verengung, vermehrte Sekretion und  Riechbeeinträchtigung.
Zum Einsatz kommen Schleimhaut abschwellende Nasentropfen, mit und ohne ätherischen Ölen, die maximal 7 bis 10 Tage angewendet werden dürfen. Mit Kochsalz bzw. Meersalzlösungen und Sole-Spülungen kann die Nasenschleimhaut feucht gehalten, vor trockener Luft (überheizte Räume) geschützt und unerwünschte Erreger aus der Nase gespült werden. Neben der lokalen Behandlung  werden schmerz- und fiebersenkende Medikamente auf Basis von Aceytsalicylsäure, Paracetamol und Ibuprofen – oft in Kombination mit Vitamin C – in Form von Tabletten, Brausetabellen oder Granulaten zum Auflösen verwendet. Achtung! Säuglinge und Kleinkinder sollten keine Acetylsaliclysäure-hältigen Medikamente bekommen. Dauert die Erkrankung länger als 10 Tage, haben Sie Fieber und Schmerzen und ist die Situation plötzlich schlechter geworden, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Wie kann man eine Erkältung vermeiden?

  • Vermeiden Sie es, sich im Gesicht zu berühren, nachdem Sie Kontakt mit einem erkälteten Menschen hatten.
  • Halten Sie, wenn möglich, Abstand zu erkälteten Personen, wenig Hände schütteln.
  • Trinken Sie nicht aus Gläsern, die von erkälteten Menschen benutzt werden/wurden, und verwenden Sie eigenes Besteck und Geschirr.
  • Achten Sie auf eine gründliche Hygiene der Hände. Dies gilt sowohl für Erkältete als auch für Personen, die mit diesen in Kontakt stehen.
  • Maßnahmen wie regelmäßige Saunabesuche oder Kneippkuren scheinen die Abwehrkräfte des Körpers gegenüber Erkältungskrankheiten zu stärken.
  • Achten Sie auf eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung.
  • Treiben Sie regelmäßig Sport, um Ihr Immunsystem zu stärken.

Schwere Erkrankung: Die Influenza (Virusgrippe)

Influenzavirustypen A und B verursachen alljährliche Epidemien, während Virustyp C für lokal begrenzte Krankheitsausbrüche verantwortlich ist. In der nördlichen Hemisphäre treten Influenzaepidemien
in der Regel im Winterhalbjahr zwischen Dezember und April, in der südlichen Hemisphäre dagegen
zwischen Juni und September auf. Eine Besonderheit des Virustyps A, und in etwas geringerem Maße des Typs B, besteht darin, dass die in der menschlichen Population zirkulierenden Stämme häufig ihre Oberflächenproteine verändern können. Dieser Wechsel der Oberflächeneigenschaft ist für die alljährlich wiederkehrenden Influenzaepidemien verantwortlich.

Mit jedem Tröpfchen…

Die Übertragung von Influenzaviren erfolgt überwiegend durch Tröpfchen, die beim Sprechen, insbesondere aber beim Husten oder Niesen entstehen und über eine geringe Distanz auf die Schleimhäute von Kontaktpersonen gelangen können. Charakteristisch für die Influenza ist ein plötzlicher Krankheitsbeginn mit Allgemeinsymptomen wie Fieber, starken Kopfschmerzen, Schwindelgefühl sowie Muskel- und Gelenkschmerzen. Der Husten ist zu Beginn meistens trocken und unproduktiv‚ weitere Symptome sind allgemeine Schwäche, Abgeschlagenheit, Schweißausbrüche und Halsschmerzen, manchmal auch Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall.

Die häufigsten Komplikationen der Influenza sind bakterielle Superinfektionen, Mittelohr-, Lungen-,
Nasennebenhöhlenentzündungen, Fieberkrämpfe, Gehirn- und Gehirnhautentzündungen, Pseudo Krupp-Anfälle bei Säuglingen und Kleinkindern sowie Herz-Kreislauf-Versagen bei älteren Personen. Diese Komplikationen können sehr gefährlich werden.

Vorbeugung und  Behandlung

Gegen die Influenza kann man sich durch eine regelmäßig durchgeführte Impfung schützen. Leider ist die Durchimpfungsrate in Österreich unter 10 Prozent, sodass sich das Virus sehr schnell verbreiten kann. Zielgruppen für die Impfung sind :

  • Personen ab 60 Jahren,
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit chronischen Krankheiten wie Asthma , COPD
  • chronische Herz-Kreislauf-, Leber und Nierenerkrankungen
  • Diabetes und andere Stoffwechselerkrankungen
  • Personen mit erhöhter Gefährdung, z. B. medizinisches Personal , Lehrer.
  • Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten
  • Bewohner von Alters und Pflegeheimen sowie
  • alle Schwangere ab dem 2. Trimenon

Säuglinge ab dem 3. Monat (3 Impfungen) und Kinder von 3 bis 5 Jahren (1 Impfung) sowie Erwachsene ab 51 Jahren sollten gegen Pneumokokken (Erreger der Lungenentzündung) geimpft werden. Bei der Behandlung der Influenza kommen so genannte Neuraminidasehemmern zum Einsatz. Sie schwächen den Krankheitsverlauf ab,  verkürzen die Erkrankungsdauer und können das Risiko für Komplikationen und die Sterblichkeit reduzieren. Zur symptomatischen Therapie stehen die gleichen Medikamente wie zur Behandlung der banalen Erkältung zur Verfügung.

  • Datum 21.12.2016
  • Autor Mag. pharm. Heinz Haberfeld

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