Influenza-Welle könnte kippen

Die Influenza-Welle in Österreich könnte am Kippen sein. Dafür gab es Dienstag zwei Indizien: Erstmals wurden vergangene Woche von den Experten des Departments für Virologie der MedUni Wien wieder weniger positive Influenza-Befunde aus Proben von Patienten erstellt. In Graz wurden weniger Neuerkrankungen an Influenza und grippalen Erkrankungen registriert, möglicherweise wegen der Ferien.

 "Anhaltend starke Aktivität der Influenzaviren in Österreich. Neben Influenza B-Viren werden weiterhin auch Influenza A(H1N1)pdm09-Viren ("Schweinegrippe") nachgewiesen. Die bisherigen Untersuchungen geben keinen Hinweis auf die Zirkulation von Influenzavirusstämmen, die gegen die spezifischen antiviralen Medikamente resistent sind", schrieb das Diagnostische Influenza Netzwerk Österreich (DINÖ) am Dienstag.

Vor vier Wochen waren es in der Bundeshauptstadt hochgerechnet rund 10.300 Neuerkrankungen (Influenza und grippale Infekte), vor drei Wochen etwa 12.700 und vor zwei Wochen dann rund 14.000. Die aktuellen Zahlen für die vergangene Woche lagen Dienstagmittag für die Bundeshauptstadt noch nicht vor. In Graz hatte man in der ersten Februarwoche 3.747 Neuerkrankungen hochgerechnet. Vor zwei Wochen (8. bis 14. Februar) lagen die aktuellen Zahlen bei 3.915. Doch vergangene Woche waren es in der steirischen Landeshauptstadt hochgerechnet nur noch etwas mehr als 2.000 Erkrankungen. Doch das könnte ein Artefakt, ein künstlicher Effekt, sein, weil vergangene Woche in der Steiermark die Energieferien waren.

Österreich ist nicht allein: Auch im übrigen Europa ist die Influenzavirusaktivität weiterhin sehr hoch, hauptsächlich verursacht durch Influenza A(H1N1)pdm09-Viren ("Schweinegrippe"). Einige Länder melden schwere Verlaufsformen von A(H1N1)pdm09-Infektionen vor allem in der Altersgruppe der 15- bis 64-Jährigen", schrieb der Informationsdienst.

Österreich liegt seit Jahren im internationalen Vergleich bei den Influenza-Impfungen auf den schlechtesten Rängen. 2005/2006 waren 1,137 Millionen Dosen der Vakzine ausgeliefert worden, 2006/2007 dann 1,174 Millionen. In der Saison 2010/2011 wurden nur noch 700.000 Dosen ausgeliefert, 2011/2012 waren es 680.000 und 2012/2013 laut der Wiener Sozialmedizinerin Ursula Kunze gar nur noch 621.000 Dosen. Die Durchimpfungsrate von unter zehn Prozent sei "beschämend und inakzeptabel", erklärte die Expertin bei der Publikation ihrer Studienergebnisse.


Die Impfung wäre jedenfalls laut den Fachleuten viel besser als die nachträgliche Therapie. In der spezifischen antiviralen Behandlung der Influenza per Medikament können seit rund zwei Wochen die sogenannten Neuraminidasehemmer (z.B. Tamiflu/Oseltamivir) in Österreich auch auf Kassenkosten verschrieben werden. Bei Anwendung innerhalb von 48 Stunden nach dem Beginn der Symptome reduzieren die Medikamente laut zahlreichen Studien die Krankheitsdauer um rund einen Tag, ebenso die Erkrankungsintensität. Dazu gibt es aber bisher einen heftigen internationalen Expertenstreit. Das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle (ECDC/Stockholm) hat erst vergangene Woche die entsprechenden Empfehlungen zur Verwendung der Arzneimittel in den EU-Staaten als angemessen bestätigt.



 

  • Datum 25.02.2016
  • Autor APAMED vom 23.02.2016 Rubrik: Medical Week

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