Heilpflanzen für Kinder

Viele Eltern wünschen sich bei der Behandlung ihrer erkrankten Kinder eine milde und nebenwirkungsarme Therapie. Bei unkomplizierten Beschwerden gibt es hierzu eine ganze Reihe an Heilpflanzen, die eine mögliche und sichere Therapieoption darstellen.

Efeu und Thymian – die Schleimlöser

Kleinkinder besitzen im Verhältnis zu Erwachsenen ein geringeres Volumen in den Atemwegen. Daher kann es bei Kindern bereits durch eine geringe Ansammlung von Sekret zu Atemwegsbeschwerden kommen. Als wirksame, wissenschaftlich fundierte Schleimlöser bieten sich Thymian und Efeu an. Die Wirkstoffe führen zu einer vermehrten Flüssigkeitsproduktion in den Bronchialdrüsen, wodurch sich der zähe Schleim verflüssigt und sich das Sekret leichter abtransportieren lässt. Zusätzlich besitzt der Efeuextrakt auch antimikrobielle und krampflösende Wirkungen. Deswegen eignet sich Efeu auch als unterstützende Behandlung bei kindlichem Asthma. Im Thymiankraut wirkt das Ätherische Öl  auswurffördernd und entkrampfend und erleichtert so das Abhusten von Verschleimungen. In einer Anwendungsbeobachtung an 7.783 Kindern, bei der Thymian und Efeu mit synthetischen Substanzen verglichen wurden, wurden die pflanzlichen Präparate als mindestens gleichwertig wirksam beurteilt. Besonders geeignet sind Fertigpräparate.

 

Isländisch Moos & Co.

Leidet das Kind an einem trockenen, reizartigen Husten bieten sich Heilpflanzen mit einem hohen Anteil an Schleimstoffen an. Dies sind vor allem Isländisch Moos, Eibisch und Spitzwegerich, deren Schleimstoffe reizmildernd wirken. Da für diesen Effekt der Kontakt mit der betroffenen Schleimhaut nötig ist, macht die Anwendung in Form von Säften, Tees oder Lutschtabletten Sinn. Isländisch Moos und Spitzwegerich wirken darüber hinaus auch antibakteriell. Eine optimale Wirkung wird erreicht, wenn Saft oder Tee vor dem Hinunterschlucken etwas länger im Mund belassen werden, damit sie so lange  wie möglich mit den irritierten Schleimhäuten in Kontakt sind. Da der Tee von Isländisch Moos eher bitter schmeckt, kann man auf Saft oder Lutschtabletten ausweichen.
 
 

 

Holunder- und Lindenblüten

Bei kindlichen Erkältungskrankheiten bieten sich auch Linden- und Holunderblütentee an. Sowohl Lindenblüten als auch Holunderblüten wirken fiebersenkend. Lindenblüten entfalten darüber hinaus auch immunstärkende, hustendämpfende und krampflösende Effekte. Deshalb sollten insbesondere Lindenblüten in keinem Erkältungstee sowohl für Kinder als auch für Erwachsene fehlen. Kamille bei Entzündungen Bei den im Kindesalter häufig auftretenden unkomplizierten Magen-Darminfekten mit Bauchschmerzen gehört Kamille zur ersten Wahl. Kamillenblüten wirken durch ihr Ätherisches Öl entzündungshemmend, krampflösend und antibakteriell. Die enthaltenen Schleimstoffe sind reizmildernd. Da sich das Ätherische Öl nur bedingt in Wasser löst und demensprechend im Tee weitgehend fehlt, ist ein alkoholisch- wässriger Extrakt zu bevorzugen. Andere Wirkstoffe sowie die Schleimstoffe wiederum gehen vollständig in den wässrigen Auszug über, weshalb der Tee vor allem bei krampfartigen Beschwerden empfohlen wird. Kamillenblüten entfalten auch bei entzündlichen Hauterkrankungen und schlecht heilenden Wunden positive Effekte. Kamillensalbe oder -creme gibt es in Ihrer Apotheke.

 

Heidelbeere bei Durchfall

Bei Durchfallerkrankungen eignen sich vor allem getrocknete Heidelbeeren. Durch die Wirkstoffe werden die Bakteriengifte, die den Durchfall auslösen, gebunden und Irritationen an der Darmschleimhaut vermindert. Heidelbeeren gelten als sicher und gut verträglich. Als Spülung ist der Auszug aus den getrockneten  Früchten auch bei Entzündungen von Mund- und Rachenschleimhaut wirksam. Für die optimale Freisetzung der Wirkstoffe sollten die getrockneten Beeren vor der Zubereitung etwas zerdrückt werden. Der Tee sollte kalt angesetzt, anschließend 15 Minuten aufgekocht
und warm getrunken werden.

 

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Leinsamen bei Verstopfung

Bei gelegentlich auftretenden Verstopfungen bei Kindern ab 6 Jahren stellen Leinsamen eine wirksame und nebenwirkungsarme Alternative zu Milchzucker und anderen Arzneimitteln dar. Verantwortlich für
die Wirkung sind Ballast- und Schleimstoffe. Durch den rein physikalischen Dehnungsreflex, der durch das hohe Quellungsvermögen der Samen zustande kommt, wird die Darmbewegung angeregt. Es kommt dadurch zu keinem Gewöhnungseffekt und auch zu keinen Blähungen. Für die Wirkung ist allerdings essenziell, dass mindestens ein großes Glas Wasser zu den Leinsamen getrunken wird und dass man Leinsamen nicht vorquellen lässt, dies sollte nämlich erst im Darm passieren. Milch verhindert das Quellen der Samen und sollte deshalb nicht gleichzeitig getrunken werden. Bei Schluckbeschwerden, sowie bei Verengungen des Darms dürfen Leinsamen nicht verwendet werden.

 

Anis, Kümmel & Fenchel

Anis, Kümmel und Fenchel sind nicht nur bei Säuglingen die Klassiker unter den blähungstreibenden Heilpflanzen. Das Ätherische Öl wirkt bei allen drei Pflanzen entkrampfend auf die glatte Muskulatur und sekretionsfördernd auf die Verdauungssäfte, wodurch krampfartige Verdauungsbeschwerden  abgemildert werden. Zusätzlich haben alle drei antibakterielle Effekte. Neben Zäpfchen und Tees gibt es auch Salben für eine äußerliche Anwendung bei Verdauungsbeschwerden, weil das Ätherische Öl gut über die Haut aufgenommen wird. Dazu die Salbe einfach im Uhrzeigersinn am Bauch einmassieren. Zu den richtigen Dosierungen und Zubereitungen berät Sie Ihr Apotheker gerne!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  • Datum 02.09.2015
  • Autor Mag. pharm. Arnold Achmüller

Mag. pharm. Arnold Achmüller

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