Hepatitis C wäre eliminierbar

n Österreich sind rund 120.000 Menschen von chronischer Hepatitits B oder C betroffen. Seit zweieinhalb Jahren sind bei der Hepatitis C medikamentöse Therapien mit Heilungsraten von an die hundert Prozent erhältlich. Sogar die Eliminierung der Infektion wäre damit möglich.

Speziell bei der ehemals gefürchteten Hepatitis C, die im überwiegenden Teil der Fälle chronisch wird und zu Leberzirrhose, Leberversagen und Leberkarzinomen führen kann, hat sich die Situation drastisch verändert. "Seit zweieinhalb Jahren sind die neuen Therapien verfügbar. Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich damit radikal und grundlegend gewandelt", sagte Hofer, Leiter der Hepatitis-Ambulanz an der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien.

Die neuen Medikamente, die während des Behandlungszeitraums in Tablettenform eingenommen werden müssen, sind hoch effektiv. Es handelt sich dabei um Wirkstoffe, die direkt in den Vermehrungszyklus der Hepatitis C-Erreger eingreifen.
"Die Heilungsraten liegen bei einer Hepatitis C Virusinfektion mit dem Virusgenotyp 1, welcher zwei Drittel der Erkrankungen in Österreich ausmacht, bei 95 bis an die hundert Prozent. Ähnliche hohe Erfolgsraten gibt es bei Hepatitis C durch die Genotypen 2 und 4. Schwieriger ist die Behandlung – derzeit noch – bei einer chronischen Infektion mit dem Virusgenotyp 3", sagte der Experte. Von anhaltendem Erfolg wird gesprochen, wenn drei Monate nach der drei Monate lang dauernden Therapie keine Erreger mehr im Blut nachgewiesen werden können.

Mitentscheidend für den Erfolg der neuen Therapien ist deren sehr gute Verträglichkeit, während das Interferon als Immunbotenstoff, welcher die Abwehr von Virusinfektionen antreiben soll, häufig Influenza-ähnliche Symptome und Erschöpfungszustände auslöste und eine Reihe von weiteren zum Teil sehr unangenehme Nebenwirkungen verursachte (Depressionen, Haarausfall, Blutbildveränderungen, Hautausschläge...)

Dabei ließe sich die Krankheit im Grunde weltweit ausrotten. Dazu müssten zunächst einmal möglichst alle Betroffenen von ihrer Infektion wissen. Und dann müssten möglichst alle Patienten auch behandelt werden. Hepatitis C wird vor allem über Blut übertragen. Dieser Infektionsweg per Infusionen und Blutprodukte (Plasma, Gerinnungsfaktoren etc.) ist seit der Identifizierung des Virus im Jahr 1989 und den dann sehr schnell entwickelten Bluttests und Inaktivierungsmethoden abgeschnitten.
Eine wesentliche Rolle spielen noch intravenös Suchtgift injizierende Drogenkranke dar. In dieser Personengruppe erfolgt die Verbreitung vor allem über die Mehrfachverwendung von Spritzen. Das macht die Etablierung von Einwegspritzen-Tauschprogrammen und die Substitutionstherapie mit oral einnehmbaren und lang wirksamen Opiaten so wichtig - und natürlich auch die Hepatitis-Behandlung der chronisch Infizierten in dieser Personengruppe.
"Insgesamt wäre es natürlich am besten, man könnte auch schon Patienten mit chronischer Hepatitis C ohne Leberfibrose (Stadium 0) oder mit erst beginnender Fibrose (Stadium I) behandeln. Je früher die Therapie erfolgt, desto besser ist es", sagte der Wiener Hepatologe Harald Hofer.
 

  • Autor APAMED vom 25.07.2016 Rubrik: Medical Week

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