Hormonelle Zusammenhänge bei Herzinsuffizienz untersucht

Wiener Wissenschaftern ist es erstmals gelungen, den Mechanismus einer Wirkstoff-Kombination gegen Herzinsuffizienz (HI) im Detail zu analysieren und damit Einblicke in die erzielten hormonellen Veränderungen zu gewinnen.

Die teilweise unerwarteten Resultate werden die Forschung in diese Richtung hoffentlich weiter stimulieren, um die Therapie der Zukunft zu verbessern", wurde Studien-Co-Autor Raphael Wurm von der Universitätsklinik für Innere Medizin II im Wiener AKH (MedUni Wien) in einer Aussendung zitiert. "Unsere Ergebnisse könnten auch dabei helfen, die Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz weiter zu personalisieren. Das Ziel ist, dass wirklich nur jene ein Medikament erhalten, die davon möglichst viele positive Effekte und möglichst wenig Nebenwirkungen erwarten können."

Zur Behandlung der chronischen Herzschwäche stehen mehrere Medikamente zur Verbesserung der Lebensqualität und Verlängerung des Überlebens zur Verfügung. Gemeinsam ist den meisten, dass sie auf ein bestimmtes Hormonsystem (Renin-Angiotensin-System) im Körper zielen. Diese Hormone (Renin, Angiotensin; Anm.) werden in der Niere gebildet, wenn dort eine zu geringe Durchblutung festgestellt wird. Das ist bei der HI, wo die Pumpkraft des Herzens verloren geht, der Fall. Anfänglich verbessern diese Hormone die Herzleistung, allmählich kommt es jedoch zu negativen Effekten, die mit Medikamenten blockiert werden können. Ein im Vorjahr neu zugelassenes Kombinations-Medikament mit zwei Wirkstoffen wirkt auch auf das Renin-Angiotensin-System, die ersten Ergebnisse sind vielversprechend, allerdings herrscht noch Unklarheit darüber, wie es genau wirkt.

Um den Wirkmechanismus besser zu verstehen, wandte die Forschergruppe rund um Martin Hülsmann das Messverfahren der Massenspektrometrie an. Das Gewicht von chemischen Stoffen kann damit so genau bestimmt werden, dass sich ein Stoff präzise identifizieren lässt. Untersucht wurde das Blut von sechs Patienten kurz vor der Umstellung auf das neue Medikament und einige Wochen danach.
"Damit konnten wir einen genauen Überblick über die Veränderungen bekommen, die durch das Medikament ausgelöst wurden", sagte Wurm. "Eine Überraschung zeigte sich in einem bisher wenig beachteten Bereich in diesem Hormonsystem, wo sich entgegen den Erwartungen unter dem neuen Medikament ein höherer Hormon-Spiegel als zuvor einstellte. Nur wenn wir mehr über die genaue Wirkweise wissen, können wir in Zukunft speziell jene Patientinnen und Patienten finden, die von einer Behandlung besonders stark profitieren würden."

Chronische Herzmuskelschwäche betrifft in Österreich bis zu 200.000 Personen.

  • Autor APAMED vom 29.08.2016 Rubrik: Forschung

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