Husten – wir haben ein Problem!

Erwachsene Österreicher erkranken pro Jahr zwei bis fünf Mal an grippalen Infekten, bei Kindern sind es sogar zehn Infekte und mehr. Häufig kommt es zu einer Bronchitis mit starkem Husten. Schleimlöser oder Hustenstillern helfen rasch, das Leiden zu lindern.

Schwerstarbeit für den Körper: Tag für Tag atmen wir rund 12.000 Liter Luft ein, inklusive diverser Fremdstoffe, Bakterien und Viren. Unser Atemtrack hat jedoch ausgeklügelte Selbstreinigungssysteme. Flimmerhärchen befördern die unerwünschte Fracht durch rhythmische Bewegungen zusammen mit  Schleim nach oben. Bei grippalen Infekten lösen Viren unter anderem eine Entzündung der  Bronchialschleimhaut aus – und Notfallprogramme inklusive Hustenreiz beginnen.

Produktiver oder trockener Husten, das ist hier die Frage

Unser Organismus reagiert, indem er große Mengen an Schleim produziert, um die Atemwege quasi  freizuspülen.  Durch diesen produktiven Husten gelangen Sekrete nach oben, was medizinisch erwünscht ist. Im Gegensatz dazu nützt ein trockener Husten, auch Reizhusten genannt, dem Körper  nichts. Nach kurzer Zeit schmerzt unser Brustkorb, und an erholsamen Schlaf ist nicht mehr zu denken.  Am nächsten Tag fühlen wir uns sprichwörtlich wie gerädert. Besonders tückisch: Während eines grippalen Infekts ändert Husten oftmals sein Erscheinungsbild: Die trockene Form bei Krankheitsbeginn  kann zu produktivem Husten werden. Ihr Apotheker wird deshalb gezielt nachfragen  und verschiedene Präparate empfehlen.

Hustenstiller...

Leiden Sie an trockenem Reizhusten, helfen Präparate mit dem Wirkstoff Dextromethorphan. Da  Hustenstiller (Antitussiva) den Reiz direkt im Gehirn ausschalten, machen sie müde und verringern Ihre Reaktionsfähigkeit im Straßenverkehr. Auch das Konzentrationsvermögen sinkt. Sie sollten  entsprechende Arzneimittel deshalb 30 bis 60 Minuten vor dem Zubettgehen einnehmen. Vorsicht! –  Alkohol verstärkt ihre Wirkung. Darüber hinaus gibt es pflanzliche Alternativen mit Efeublättern, Eibischwurzeln, Isländisch Moos, Malvenblättern und -blüten, Sonnentaukraut, Spitzwegerichkraut sowie Lindenblüten. Sie wirken beruhigend auf gereizte Schleimhäute und haben keine negativen Effekte wie  Müdigkeit. Huflattich sollte nur als Fertigpräparat eingenommen werden, da die Heilpflanze selbst leberschädigende Substanzen enthält. Im Gegensatz zu Dextromethorphan helfen Ihnen Phytopharmaka deutlich kürzer.

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...oder Hustenlöser

Falls Sie unter produktivem Husten leiden, greift Ihr Apotheker zu Schleimlösern, so genannten  Expektoranzien. Seit Jahren hat sich N-Acetylcystein bewährt. Der Arzneistoff ist chemisch mit Cystein,  einer körpereigenen Aminosäure, verwandt. Bei regelmäßiger Einnahme verflüssigt sich der Schleim und kann leichter abgehustet werden. Darüber hinaus kommen Bromhexin oder Ambroxol zum Einsatz.  Beide unterstützen den Abtransport von Sekreten. Ambroxol beruhigt zusätzlich die lädierten Atemwege  durch seine leicht lokalanästhetische Wirkung. Falls Ihr Arzt ein Antibiotikum verordnet hat, gehen entsprechende Wirkstoffe auch leichter in den Bronchialschleim über. Sollten Sie pflanzliche Arzneimittel  bevorzugen, lohnen sich Myrthol sowie Efeu- und Thymianextrakte. Teemischungen  enthalten oft noch Anis, Eukalyptusblätter, Fenchel, Primel- und Süßholzwurzeln beziehungsweise Wollblumenblüten. Viele Patienten schwören auf Eukalyptus- und Latschenkieferöl beziehungsweise auf Menthol oder Campher. Bei Säuglingen, Kleinkindern und bei empfindlichen Menschen ist hier Vorsicht geboten. Für sie gibt es Medikamente ohne diese Wirkstoffe.

Ein Tipp für Diabetiker

Fragen Sie bei Ihrem Apotheker gezielt nach, falls Sie an Diabetes mellitus leiden: Viele Säfte und Hustenpastillen enthalten Zucker.
 

Was Sie selbst noch tun können:

  • Bei Husten gilt ein strenges Rauchverbot, vermeiden Sie auch Passivrauchen.
  • Treffen Sie Maßnahmen, um die Luftfeuchtigkeit in trockenen, beheizten Räumen zu erhöhen. Im Handel gibt es spezielle Verdampfer, die aber regelmäßigt gereinigt werden sollten.
  • Inhalieren Sie mit Salzwasser oder mit Kamillenextrakten. Letztere enthalten im Gegensatz zu Kamillenblüten keine allergieauslösenden Pollen.
  • Trinken Sie zwei bis drei Liter Tee oder Mineralwasser pro Tag.
  • Vermeiden Sie körperliche Anstrengungen.
  • Manche verschreibungspflichtigen Arzneimittel können Husten auslösen oder verstärken. Fragen Sie im Zweifelsfall in Ihrer Apotheke nach!
  • Gehen Sie zum Arzt, falls sich der Husten innerhalb von zwei Wochen nicht deutlich bessert oder falls die Körpertemperatur auf über 39° C steigt. Weitere Alarmsymptome sind verfärbter oder blutiger Auswurf sowie Schmerzen beim Atmen.

 

  • Datum 01.12.2016
  • Autor Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel

Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel

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