Österreichischer Impftag 2015: „Vergessene“ Krankheiten kehren zurück

ExpertInnen warnen vor einer zunehmenden Impfmüdigkeit in der österreichischen Gesellschaft. Durch die nachlassende Impfdisziplin in der Bevölkerung kehren Krankheiten vermehrt zurück, die bereits als besiegt oder eliminiert galten. Das betrifft nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene.

Der Impftag 2015 unter dem Motto „Vom Wissen zum Handeln“ bietet Gelegenheit, die wichtigen Themen Impfmüdigkeit und Angst vor Nebenwirkungen mit ExpertInnen aus dem europäischen Ausland zu diskutieren und Argumente zu finden, die der wachsenden Impfskepsis entgegenwirken. Darüber hinaus werden die Neuerungen des Österreichischen Impfplans vorgestellt und aktuelle Entwicklungen am Impfstoffsektor präsentiert, wie z.B. die Meningokokken-B-Impfung oder der nasale Influenzaimpfstoff. Gleichzeitig präsentierte die Österreichische Apothekerkammer im Rahmen der Pressekonferenz das neue Modul „Impfungen“ der Apo-App, das ebenfalls dazu beitragen soll, die Durchimpfungsrate zu steigern.
 

Wer sich impfen lässt, schützt doppelt: sich selbst und andere

 

Die verharmlosend als Kinderkrankheit geltenden Masern zum Beispiel sind hochansteckend und können nicht nur bei Kindern zu schweren Krankheitsverläufen führen.  „Die Erfolge der Impfprogramme der letzten Jahrzehnte haben Krankheiten wie Masern als Gefahr aus den Köpfen ausblenden lassen“, beschreibt Ursula Wiedermann-Schmidt die Situation, „viele Menschen fürchten sich heute mehr vor möglichen Nebenwirkungen der Impfungen als vor den Krankheiten selbst.“

Die Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien setzt auf Information: „Übertriebene Ängste vor Impfungen oder Inhaltsstoffen wie Aluminium führen dazu, dass sich Menschen einem noch viel größeren Risiko aussetzen. Es liegt an der Forschung, vermehrte Evidenz zur Wirksamkeit von Impfkonzepten zu liefern, aber auch an der Ärzte- und Apothekerschaft und dem Gesundheitspersonal selbst, hier für verbesserte Aufklärung zu sorgen – daher werden am Impftag auch Argumente gegen die häufigsten ,Impfmythen‘ geliefert.  Unser Ziel sind bessere Impfraten, denn wer sich impfen lässt, schützt doppelt: sich selbst und andere“, sagte Wiedermann-Schmidt.
 

Österreichische Ärztekammer: Appell an „immunologische Trittbrettfahrer“

„Immer mehr Menschen lehnen Impfungen auch deshalb ab, weil ohnehin ,die anderen‘ geimpft sind“, warnt Rudolf Schmitzberger, Impfreferent der Österreichischen Ärztekammer. Es gehöre zu den ärztlichen Pflichten, für einen ausreichenden Impfschutz und umfassende sachliche Information zur sorgen. Das schließe einen Appell an das Verantwortungsbewusstsein nicht aus: „Immunologische Trittbrettfahrer setzen nicht nur ihre eigene Gesundheit aufs Spiel, sondern auch die anderer, meist Schwächerer.“ So gehe eine hohe Prozentzahl an Keuchhusten- und Pneumokokken-Fällen bei Säuglingen auf die Ansteckung durch Erwachsene zurück. Mit Influenza wiederum würden sich meist Schul- oder Kindergartenkinder infizieren und die Erkrankung dann auf Eltern und Großeltern übertragen. „Mit dem Gratis-Kinderimpfprogramm und einer Vielzahl an Impfmöglichkeiten – von der Schule über die Arztpraxen bis hin zum öffentlichen Bereich – gibt es in Österreich ein hervorragendes Angebot, das genutzt werden sollte“, so Schmitzberger.

 

Der Österreichische Impftag 2015: „Vom Wissen zum Handeln“

 

Der Österreichische Impftag unter dem Motto „Impfen: Vom Wissen zum Handeln“ ist die größte richtungsweisende Impfveranstaltung für ÄrztInnen und ApothekerInnen in Österreich und wird von der Österreichischen Akademie der Ärzte GmbH in Kooperation mit Medizinische Universität Wien, Österreichische Ärztekammer, Österreichische Apothekerkammer, Österreichische Gesellschaft für Kinder- Jugendheilkunde und Österreichische Liga für Präventivmedizin veranstaltet: