Wenn die digitale Welt das reale Leben ersetzt

Surfen und Chatten gehört heute zum Alltag unser Kinder. Zwei Millionen ÖsterreicherInnen loggen sich täglich ein, wobei Schätzungen zufolge 3% als internetabhängig gelten, sprich sie nutzen das Medium übermäßig und exzessiv.

Was ist Internetsucht?

Das ist schwierig abzugrenzen. Nicht jede exzessive Nutzung des Internets ist Experten zufolge eine Abhängigkeit. Die Sucht kann sich aber an einer Reihe von Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Die Betroffenen verlieren die Kontrolle über die Zeitspannen, die sie im Internet verbringen, und zeigen Entzugserscheinungen wie Unruhe oder Gereiztheit. Sie fehlen häufiger am Arbeitsplatz oder in der Schule, bringen schlechtere Noten nach Hause und leiden unter Schlafproblemen. Die Gedanken kreisen unablässig um die Internetaktivitäten, Betroffene kapseln sich oft ab und sind sozial isoliert. Gerade bei Online-Rollenspielen legen sie sich oft eine zweite Identität in der virtuellen Welt zu, die zum Beispiel Probleme in der realen Welt kompensieren sollen.

Wer ist besonders gefährdet?

Nutzer von Online-Rollenspielen, Onlineshootern oder Strategiespielen sind gefährdeter als Spieler anderer Genres. Häufiger betroffen sind dem aktuellen Drogen- und Suchtbericht zufolge auch impulsivere Menschen und jene mit einer geringeren sozialen Kompetenz. Gleiches gilt für Jugendliche, die aus Ein-Eltern-Familien kommen, Probleme mit Gleichaltrigen oder in der eigenen Schulklasse haben. Menschen mit pathologischer Internetnutzung leiden nach bisherigen Erkenntnissen oft auch unter psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, ADHS oder Alkoholmissbrauch.

Was macht intensives Onlinespielen vor allem für Jugendliche zum Problem?

Zu viel Internet macht Jugendliche einsam. Sind sie mehr als sechs Stunden täglich online, ob über Mobiltelefon oder Computer, fällt es ihnen nach einer Studie der Universitätsmedizin Mainz schwerer, Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen. Sie kommunizieren weniger, vertrauen ihren Freunden kaum und fühlen sich von anderen stärker entfremdet. All dies begünstigt letztlich die soziales Ausgrenzung.
 

  • Autor APAMED vom 17.08.2016 Rubrik: World Wide Health

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