Johanniskraut: Neue Hoffnung gegen Alzheimer-Demenz

Ihre stimmungsaufhellende, antidepressive Wirkung ist bereits seit langem bekannt. Neueste Forschungsergebnisse liefern darüber hinaus Hinweise auf positive Effekte gegen die Alzheimer-Demenz: die Rede ist von der heimischen Arzneipflanze Johanniskraut.

Die Wahl zur Arzneipflanze 2015 hat sie mehr als verdient: Denn als eine der am besten untersuchten Pflanzen gilt Johanniskraut seit langem als erprobtes Naturheilmittel gegen leichte bis moderate depressive Zustände. Stimmungsaufhellende und angstlösende Effekte wurden in einer Vielzahl von Studien belegt. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass Johanniskraut-Extrakt eine wertvolle Unterstützung bei der Nikotin- und Alkoholentwöhnung darstellen kann, weil es Entzugssymptome lindert. Aktuellen Erkenntnissen zufolge werden die Botenstoffe des Gehirns auf verschiedene Weisen positiv beeinflusst. So kommt es etwa zu einer Hemmung der Wiederaufnahme von Serotonin aus dem Spalt zwischen zwei Nervenzellen (synaptischer Spalt). Das erhöht die Konzentration von Serotonin und bessert die Stimmung. Andere Mechanismen werden diskutiert.


Natürliche Waffe gegen Demenz?

Seit mehr als einem Jahrzehnt wird Johanniskraut auch bei neurodegenerativen Erkrankungen untersucht. In mehreren Studien konnten neuroprotektive Effekte gezeigt werden. Angesichts der steigenden Lebenserwartung und der Tatsache, dass es bislang nicht gelungen ist, erfolgreiche medikamentöse Strategien gegen Demenzerkrankungen zu entwickeln, sind neueste Forschungsergebnisse an Mausmodellen von besonderer Brisanz: Diese liefern Hinweise darauf, dass bestimmte Inhaltsstoffe der Heilpflanze tatsächlich positive Wirkungen gegen die Alzheimer-Demenz haben könnten. So wurden eine Reduktion der typischen Amyloid-Plaques sowie kognitive Verbesserungen, insbesondere der Merkfähigkeit, beobachtet. Welches Potenzial Extrakte der Heilpflanze in der Behandlung von Alzheimer-Demenz sowie anderen mit Eiweißakkumulation im Zentralnervensystem und kognitiven Beeinträchtigungen verbundenen Erkrankungen tatsächlich besitzen, muss in weiteren Studien detailliert geprüft werden.
Die Arzneipflanze des Jahres 2015 kann jedoch noch wesentlich mehr: So sind auch antibakterielle und antientzündliche Aktivitäten sowie wundheilungsfördernde Wirkungen (insbesondere bei lokaler Anwendung auf der Haut) des Johanniskrautes belegt.

Gute Verträglichkeit

Als wichtigste Wirkstoffe des Johanniskrauts gelten bislang die rot färbenden Hypericine. Es wird jedoch vermutet, dass speziell für die neuroprotektiven Effekte andere Inhaltsstoffe hauptverantwortlich sind. Derzeit wird angenommen, dass das Gesamtextrakt die umfassendste Wirkung besitzt. Ausreichend hohe Wirkstoffmengen werden als Trockenextrakt in pflanzlichen Arzneimitteln verarbeitet. Diese sind nur in der Apotheke erhältlich. Johanniskraut ist im Allgemeinen gut verträglich. Insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten, deren Spiegel sehr genau eingestellt sein muss (wie etwa zur Blutverdünnung), oder wenn bereits ein Antidepressivum eingenommen wird, sollte aber zunächst immer eine Absprache mit dem Arzt erfolgen.