Einen Tag essen, einen Tag fasten

Seit März 2015 läuft die von der Karl-Franzens-Universität Graz und der Med Uni Graz betriebene InterFAST-Studie. Untersucht wird dabei, welche Wirkungen ein spezieller Rhythmus der Nahrungsaufnahme hat: Einen Tag essen, einen Tag fasten. Ein Zwischenbericht.

InterFAST wurde im März 2015 gestartet und ist eine der ersten wissenschaftlichen Studien weltweit, die das „periodische Fasten“ beim Menschen auf seine Wirkungen hin untersucht. Die Studie www.interfast.at läuft noch bis Juni nächsten Jahres. Der Einstieg für interessierte Teilnehmer ist aber auch noch zu Beginn 2016 möglich.

Untersucht wird dabei das Konzept des „Alternate Day Fasting (ADF)“, in Österreich bekannt unter „10in2“. „Dabei geht es gar nicht darum, wenig zu essen, sondern genügend Zeit zwischen den Mahlzeiten verstreichen zu lassen. Es ist also keine Diät“, erläutert Studienleiter Univ.-Prof. Dr. Frank Madeo. Zur Illustration: In einem Experiment fütterte eine amerikanische Arbeitsgruppe einer Maus-Gruppe Tag und Nacht eine Fast-Food-artige Hochfett-Diät. Die Vergleichsgruppe erhielt dieselbe Nahrungsmenge – allerdings mit zwölf- bis vierzehnstündigen Esspausen, sodass diese Mäuse in kürzerer Zeit doppelt so viel essen mussten. Die zweite Maus-Gruppe mit den Esspausen blieb trotz der netto gleich hohen Kalorienaufnahme schlank und gesund, die erste Gruppe wurde dick und entwickelte
Fettleber und schlechte metabolische Parameter.

Die wissenschaftliche Erklärung dafür: In der Fastenzeit zwischen der Nahrungsaufnahme springt die so genannte „Autophagie“ an, ein Prozess zellulärer Selbstreinigung. „Dabei erkennt die Zelle ein Energieproblem und verdaut alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Darunter auch schädliche Abbauprodukte und Zellbestandteile, die im Alter mehr werden und zu neurodegenerativen Krankheiten oder auch zu Krebs führen können.“ Alternsforscher und Molekularbiologe Frank Madeo von der Karl-Franzens-Universität Graz ist Studienleiter und sorgt mit seinem Team für die  molekularbiologischen Untersuchungen. Univ.-Prof. Dr. Thomas Pieber, ebenfalls Studienleiter und Diabetologe an der Medizinischen Universität Graz sowie wissenschaftlicher Leiter des K1-Forschungszentrums CBmed, sorgt mit seinem Team an der Med Uni Graz für die internistische Betreuung und Untersuchungen der rund 100 Studienteilnehmer – 50 gesunde „Normalesser“ und 50 gesunde „Alternate Day Faster (ADF)“ – und mit dem CBmed für die metabolomischen Analysen. Gefördert wird die Studie auch vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft.


„Wir können jetzt alles messen, was die Medizin hergibt“, freut sich Frank Madeo. Und spätestens an dieser Stelle kommt das CBmed ins Spiel. „Wir beteiligen uns an dieser Studie mit Know-how, unserer technischen Infrastruktur und Geld.“, erklärt Thomas Pieber, Geschäftsführer (CSO) von CBmed.


Zwischen-Resümee und Blick in die Zukunft

„Die Daten der ersten Studien-Monate schauen vielversprechend aus, Genaueres lässt sich in diesem frühen Stadium aber seriöserweise noch nicht sagen“, will sich Frank Madeo bei allem berechtigten Optimismus nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Eines scheint jedoch für alle Alternsforscher klar: kalorische Restriktion, sprich fasten, wirkt lebensverlängernd. Das ist bei Bakterien, Hefen, Würmern, Mäusen oder Affen nachgewiesen. InterFAST geht diesen Wirkungen nun beim Menschen auf den Grund und soll zeigen, dass wiederholende Fasten-Intervalle die körpereigenen Abwehrmechanismen einschalten, den Organismus widerstandsfähiger machen und dadurch den Alterungsprozess verlangsamen können. 

Madeo denkt bereits an eine Folge-Studie: „Dabei wollen wir beobachten, was die Parameter an kranken Menschen bewirken und das vor allem bei den großen alternsassoziierten Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurodegenerativen Erkrankungen, Krebs und Diabetes.“ Thomas Pieber interessieren in einem nächsten Schritt „auch die Auswirkungen des Alternate Day Fasting auf das menschliche Immunsystem“.
 

  • Datum 04.01.2016
  • Autor CBmed GmbH / ZENTRUM FÜR BIOMARKERFORSCHUNG IN DER MEDIZIN

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Weltherztag: Defibrillatoren machen Apotheken HERZsicher

Die Apotheken setzen einen wichtigen Schritt gegen den plötzlichen Herztod. Seit 2015 stattet die Österreichische Apothekerkammer ausgewählte Apotheken mit potenziell lebensrettenden Defibrillatoren, kurz „Defis“, aus. Auch die Kärntner Stadtgemeinde Friesach ist jetzt HERZsicher.

hier weiterlesen


5 Tipps gegen Halsschmerzen

Eine aufkommende Erkältung meldet sich häufig mit einem Kratzen in der Kehle an. Der Hals ist dann schnell gereizt oder stark verschleimt, die Stimme klingt „belegt”.

hier weiterlesen


Zeit für Grippeschutz-Impfung beginnt

Vor Beginn der Grippe-Saison sollten sich Risikogruppen wie Menschen ab 60, chronisch Kranke und Schwangere gegen die Infektionserkrankung impfen lassen.

hier weiterlesen


Soziale Faktoren: Einfluss auf Gesundheit?

Wie stark beeinflussen die Lebenslage und der soziale Status den individuellen Gesundheitszustand und das Gesundheitsverhalten?

hier weiterlesen


Welt-Alzheimertag - Apotheken als Anlaufstelle

In Österreich leben rund 115.000 Menschen mit Demenz. Die am häufigsten auftretende Demenzform ist die Krankheit Alzheimer. Apothekerinnen und Apotheker haben oft langjährigen Kontakt zu Demenzpatienten und betreuenden Angehörigen.

hier weiterlesen


Alzheimer - Positive Auswirkung von Bewegung

Alle zwölf Sekunden erkrankt in Europa ein Mensch an Demenz, weltweit sogar alle drei Sekunden. Alzheimer-Demenz ist nicht heilbar, klinische Symptome lassen sich aber verzögern und erstes Auftreten von Vergesslichkeit positiv beeinflussen.

hier weiterlesen