Lungenentzündung wird massiv unterschätzt

In Österreich starben 2015 doppelt so viele Menschen an Lungenentzündung wie im Verkehr – trotzdem sehen nur 12 % der Befragten einer aktuellen Studie ein Risiko für sich selbst – vor allem das Wissen über eine vorbeugende Impfung vor durch Pneumokokken verursachten Lungenentzündungen ist erschreckend gering.

Die durch Pneumokokken verursachte Lungenentzündung ist die am häufigsten vorkommende Pneumonie in Europa. (Rund 30% aller Lungenentzündungen werden von Pneumokokken hervorgerufen.) Zudem werden durch Pneumokokken auch andere lebensbedrohliche Erkrankungen wie Meningitis oder Sepsis („Blutvergiftung“) ausgelöst. In Österreich sterben doppelt so viele Menschen an Lungenentzündung (936 im Jahr 2015) wie in Folge eines Verkehrsunfalls.

Bewusstein für Risikos erschreckend gering

Trotzdem ist das Bewusstsein in der österreichischen Bevölkerung erschreckend gering: 90 % der Befragten halten zwar eine Lungenentzündung für eine ernste Erkrankung. Aber nur 12 % machen sich Sorgen und sehen ein Risiko, selbst an einer Lungenentzündung zu erkranken. Selbst in der Risikogruppe ist das Wissen schwach ausgeprägt. Bloß 22 % dieser potenziellen Patienten erkennen, dass das Risiko für sie sehr hoch ist.

Für Menschen 50+ empfohlen

Gleichzeitig weiß nur etwas mehr als ein Drittel, nämlich 37 %, dass man sich gegen eine  Lungenentzündung vorbeugend impfen lassen kann. „Die Österreicherinnen und Österreicher sind sich weder der Schwere der Erkrankung noch der Tatsache bewusst, dass eine Lungenentzündung ansteckend sein kann“, sagt Dr. Christiane Körner, Präsidentin des VFI. „Für Säuglinge ist die Pneumokokken‐ Impfung seit 2012 Teil des Gratisimpfprogramms, um so die Kleinsten mit ihrer noch nicht fertig ausgebildeten Immunabwehr zu schützen. Und auch für Personen ab 50 Jahren empfiehlt der Österreichische Impfplan 2016 eine solche Schutzimpfung. Doch bisher nehmen das viel zu wenig Menschen in Anspruch.“

Kampagne fokussiert auf Fakten statt Mythen

Mit der Kampagne soll in der heimischen Bevölkerung ein Bewusstsein geschaffen und das Wissen  über die durch Pneumokokken verursachte Lungenentzündung erhöht werden. „Wir wollen  insbesondere die Risikogruppe der über 50‐Jährigen bzw. der Menschen mit Grunderkrankungen wie COPD, Asthma oder Diabetes ansprechen. Die Ansteckung durch Tröpfcheninfektion, also Husten oder Niesen, wird dabei ebenso Thema sein wie die Gefahr einer Verschlechterung der Grunderkrankung“, so Körner. „Nur die wenigsten sind sich im Klaren, dass Pneumokokken permanent in der Bevölkerung vorhanden sind und man sich vor dem Kontakt mit den Erregern nicht durch Fitness, gesunden Lebensstil, Warm‐Anziehen oder das Vermeiden von Klimaanlagen – so die gängigen Mythen – schützen kann.“

Der Appell des VFI an die Österreicherinnen und Österreicher lautet daher: „Wenn Sie zur Risikogruppe zählen, fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker nach der Pneumokokken‐Impfung.“

Apotheken als zentrale Anlaufstelle

Die Apothekerinnen und Apotheker beraten umfassend zum Thema Impfen. „Eine Impfung ist die wichtigste und kostengünstigste Vorbeugemaßnahme, um erst gar nicht zu erkranken“, so Dr. Christian Müller‐Uri, Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer. In allen 1.370 Apotheken in Österreich sind die Impfstoffe gegen Pneumokokken lagernd. Sie sind hochwertig und gut verträglich.

Impfaktion bis 31. März 2017

Die Pneumokokken‐Impfung wird laut österreichischem Impfplan allen Erwachsenen ab 50 Jahren empfohlen. Um für die Bevölkerung einen finanziellen Anreiz zu schaffen, verzichten die Apotheken auf  einen Großteil ihrer Spanne. Die Impfaktion mit Aufklärungsmaterialien und vergünstigen Impfstoffen läuft von 1. Oktober 2016 bis 31. März 2017. In dieser Zeit sind die Pneumokokken‐Impfstoffe über die österreichischen Apotheken um ein Drittel günstiger zu beziehen.

  • Datum 03.10.2016
  • Autor Verein zur Förderung der Impfaufklärung (VFI) | Dr. Christiane Körner

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