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Kapuzinerkresse

Seit 1999 kürt „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Uni Würzburg regelmäßig die Arzneipflanze des Jahres – 2013 fiel die Wahl auf die Kapuzinerkresse – eine Pflanze mit interessanter Vergangenheit und offensichtlich großem Potenzial für die Zukunft.

Arzneipflanze 2013

Mit ihren gelben, orangen oder roten Blüten und schildförmigen Blättern ziert die Kapuzinerkresse den ganzen Sommer über viele Gärten und Pflanzgefäße, doch sie ist weit mehr als nur hübscher Aufputz.     

Groß angelegte Studien in den letzten Jahren bescheinigen ihr aufgrund ihrer Inhaltsstoffe für bestimme Krankheiten eine gleich gute Wirksamkeit wie eine Standardtherapie mit Antibiotika.
Weiters untersuchte man 2010 auch die hemmende Wirkung auf das Influenzavirus H1N1- darin liegt ihr noch größeres Potential und die Hoffnung, dem steigenden Arzneimittelverbrauch entgegenwirken zu können.
Neben einem hohen Gehalt an Vitamin C, Carotinoiden und Flavonoiden sind es vor allem die sogenannten Glucosinolate,  welche in den letzten Jahren im Mittelpunkt der Forschungen standen.
 

Scharf gegen Infekte
Verantwortlich für den scharfen Geschmack werden die Glucosinolate in unserem Körper durch bestimmte Enzyme  in Senföle umgewandelt, und als solche hemmen sie die Vermehrung von verschiedenen Bakterien, Viren und Pilzen. Besonders Benzylsenföl zeigt ein relativ breites antibiotisches Wirkungsspektrum.  Dieses Wissen  ist nicht unbedingt neu, da gerade in ihrer Heimat Südamerika die Kapuzinerkresse seit Jahrzehnten zur Behandlung von Infekten eingesetzt wird. Darüber hinaus  wirken ihre Inhaltsstoffe  auch durchblutungsfördernd, wie bereits Untersuchungen aus den 50-ger Jahren eindrucksvoll zeigten. Doch erst jetzt gelang auch der wissenschaftliche Beweis.

Anwendungsgebiete für Kapuzinerkresse
Kapuzinerkressepräparate eignen sich primär zur Therapie und Vorbeugung von Infekten im Bereich der Atemwege und Harnwege wie z.B. Nasennebenhöhlenentzündung, Bronchitis und akuter Blasenentzündung sowie äußerlich angewendet in durchblutungsfördernden Präparaten gegen Muskelschmerzen und Prellungen. Besonders bei immer wiederkehrenden Infekten stellen sie eine echte Option dar.
Als Neophyt – so werden Pflanzen bezeichnet, welche erst nach den großen Entdeckungen nach 1500 nach Europa gekommen sind – wurde sie bei uns zuerst  hauptsächlich als Zierpflanze und wegen des hohen Vitamin C Gehalts im 18.Jhdt. gegen Skorbut eingesetzt.
Zwar sind in Österreich derzeit noch keine Arzneimittel mit Kapuzinerkresse auf dem Markt, wohl aber in Deutschland; diese sind jedoch durch österreichische Apotheken problemlos besorgbar und werden vorwiegend  in Form von Tabletten zum Einnehmen verwendet.
Besonders sinnvoll erscheinen Kombinationen mit anderen Bakterien hemmenden pflanzlichen Drogen wie der Meerrettichwurzel, die ebenfalls Scharfstoffe enthält.
Trotz guter Verträglichkeit sind gewisse Anwendungsempfehlungen zu beachten: neben einer  Standarddosierung wird für Erwachsene und Kinder über 12 Jahren auch eine mehrtägige Stoßtherapie mit anschließendem Ausschleichen der Medikation empfohlen – dazu ist die Beratung in der Apotheke enorm wichtig!


Wohlschmeckend und vielseitig
Auch in der Küche ist die Kapuzinerkresse gerngesehener Gast, doch nicht alle Menschen vertragen die doch recht scharfen Blätter gleich gut. Als Salat oder Salatbeigabe (jungen Triebspitzen zum Gurkensalat), zu Brotaufstichen, als Füllungen von Fleisch- oder Fischspeisen oder über „Heurige“ sollten prinzipiell nicht mehr als 15 g pro Mahlzeit zu sich genommen werden, bei Magenempfindlichkeit oder Nierenschwäche und in der Schwangerschaft sowie Stillperiode sollte man eher darauf verzichten, ebenso sind sie nicht für Säuglinge und Kleinkinder geeignet.
Absolut verboten ist die Kapuzinerkresse sowohl als Lebensmittel als auch als Medikament bei akutem Magen-Darmgeschwür sowie akuter Nierenentzündung.


… auch die Knospen
Interessantes gibt es auch über die Blütenknospen zu berichten: sie werden in Essig eingelegt gerne als Kapernersatz verwendet. Die farbenprächtigen Blüten krönen kandiert jede Torte zu einem Augenschmaus  oder werden mit Zitronensaft zur Herstellung von Kapuzinerkressebutter verwendet.
Ursprünglich in den Anden in Peru, Ecuador und Bolivien zuhause ist die Kapuzinerkresse  eine der ältesten Heilpflanze der Inkas, die sie als Garten- und Heilpflanze vor allem als Schmerz- und Wundheilmittel nutzten. Bis heute wird sie in der Volksmedizin bei Hautkrankheiten, Skorbut, Vergiftungen, Kopfschmerzen, Husten und Bronchitis erfolgreich eingesetzt. Nun ist auch wissenschaftlich ihre Wirkung gegen Bakterien, Viren und Pilze belegt.

 

  • Datum 30.04.2014
  • Autor Mag. pharm. Irina Schwabegger-Wager

Mag. pharm. Irina Schwabegger-Wager

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