Ernährung: Frühkindliche Prägung

Die Frage, wie Kindern eine gesunde Ernährung vermittelt werden kann, ist unter den sich ständig wandelnden Rahmenbedingungen und den vielfältigen Lebensbedingungen immer neu zu beantworten. Eines ist sicher: Die Weichen für das Ernährungsverhalten werden auch schon in der Schwangerschaft gestellt.

„Die Ernährungsgewohnheiten und Geschmacksvorlieben sowie das Konsumverhalten entwickeln sich über viele verschiedene Mechanismen“, so Elisabeth Pail, Studiengangsleiterin Diaetologie/Angewandte Ernährungsmedizin an der FH Joanneum, „eine bedeutende Rolle dabei spielt die frühkindliche ‚Prägung‘ des Stoffwechsels, die damit auch starke Auswirkungen auf die spätere Entwicklung von chronischen Krankheiten wie Adipositas mit all ihren Folgen hat.“ Diese frühkindlichen Aspekte wurden bisher vernachlässigt, so Pail.

Die frühkindliche Prägung des Stoffwechsels beginnt schon im Mutterleib über den Hormonstatus der Mutter und ihre Ernährungsgewohnheiten. Der Säugling wird dann durch die Zusammensetzung der Muttermilch oder der Säuglingsnahrung weiter beeinflusst. „Damit können Geschmackspräferenzen durch prä- und postnatale Prägung auch modifiziert werden“, erläutert Pail weiter. Derzeit hat man aber noch nicht genug ausgefeilte Methoden zur Hand, um die Reaktion von Babys auf verschiedene Geschmäcker zum Beispiel richtig einschätzen zu können. Die Beeinflussung von Geschmackspräferenzen erscheint deshalb sinnvoll, weil Menschen mit Adipositas häufig eine starke Vorliebe für sehr süße Speisen haben, und das insbesondere in Verbindung mit Fett. Auch eine Vorliebe für Salz ist bei übergewichtigen Menschen häufig festzustellen.

Gesunde Umwelt für Kinder

 „Die Herausforderungen an Kinderernährung in der vernetzten Welt sind wesentlich komplexer geworden“, resümiert die Diätologin Mag. Petra Wohlfahrtstätter aus Trins in Tirol, wenngleich es früher auch nur scheinbar einfacher war. Gesundheitsförderung und Prävention muss auf mehreren Ebenen ansetzen und kann über unterschiedliche Herangehensweisen bewerkstelligt werden. Wohlfahrtstätter: „Es ist nicht damit getan, einen Obstkorb aufzustellen. Es ist unsere Aufgabe in der Primärprävention, Menschen in die Lage zu versetzen, mit Informationen umzugehen und tatsächlich auch informierte Entscheidungen zu treffen.“ Die Zutatenlisten auf Babygläschen oder anderen Nahrungsmitteln zu lesen, heißt noch lange nicht, diese auch interpretieren zu können.
 „Ein Kernelement der Prävention und Gesundheitsförderung im Kindesalter ist es, die Gesundheitskompetenz von Familien zu stärken“, so Wohlfahrtstätter. Dazu gehören nicht nur konkrete Weiterbildungsangebote in den Bereichen Ernährung, sondern auch Bewegung, Suchtverhalten und psychische Gesundheit. 


Gesunde Ernährung nicht mit „Naschen“ belohnen

Eine allgemein gültige Lösung für das Problem gibt es nicht, es zählt eine individuelle Betreuung. . „Auf keinen Fall sollten Nahrungsmittel als Sanktion oder Belohnung eingesetzt werden.“ Ein Eis oder andere Süßigkeiten sollten keinesfalls als Belohnung dafür herhalten, dass die Portion Gemüse verspeist wird.  „Gänzlich kontraproduktiv ist die Androhung, dass Kinder auf Sport oder andere Bewegung verzichten müssen, wenn sie nicht abnehmen“, so Mag. Gabriele Skacel. Denn Bewegung ist ein unerlässlicher Bestandteil einer Strategie zum Abnehmen – nicht nur das, sie gehört zu einem gesunden Lebensstil dazu.