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Mein Kind hat Fieber...

Bis zu zehn fiebrige Infekte pro Jahr sind in den ersten zwei Lebensjahren durchaus normal. Der frühere reflexartige Einsatz von Fiebersenkern erfolgt heute nicht mehr, weil jeder überstandene Infekt das Immunsystem für den lebenslangen Kampf mit Pathogenen „trainiert“. Kinderärzte verwenden deswegen Fiebermittel nur mehr bei Fieber ab 39 °C und wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen.

Nur Fieber, sonst nichts…

Fieber ohne weitere Beschwerden ist verdächtig. Wann spricht man aber überhaupt von Fieber? Fieber liegt vor, wenn die rektal gemessene Temperatur 37,5 bis 38,0 Grad Celsius erreicht. Das Fieber sollte immer gemeinsam mit Alter und Allgemeinzustand beurteilt werden. Beispielsweise haben Neugeborene eine im After gemessene Durchschnittstemperatur von 37,5 Grad Celsius, da ihre Stoffwechselrate höher ist.

  • Fieber besteht ab einer Kerntemperatur von 38,0 Grad Celsius und sollte in den ersten drei Lebensmonaten zur Vorsicht immer zum Arzt führen.
  • Zwischen drei und sechs Monaten sind 39,0 Grad und mehr ein Grund für einen Arztbesuch.
  • Ab 39,5 Grad spricht man von hohem Fieber. Wenn die Temperatur auf 41,0 °C ansteigt, besteht dringender Handlungsbedarf.
  • Bei Fieber ohne erkenntliche Ursachen sollte bei Kindern unter 3 Jahren der Arztbesuch an erster Stelle stehen.

Sehr oft tritt hohes Fieber im Zusammenhang mit dem harmlosen „Dreitagefieber“ auf, über das im Folgenden informiert wird. Fieber kann aber auch ein erstes Anzeichen von Blutvergiftung oder Hirnhautentzündung sein, die sofort behandelt werden müssen!

So senken Sie das Fieber

Paracetamol und Ibuprofen sind zur Senkung des Fiebers bei Kindern die Mittel der Wahl. Paracetamol ist für alle Altersstufen zugelassen, je nach Dosierung rezeptfrei oder rezeptpflichtig und als Zäpfchen, Säfte und Lösungen im Handel. Die Dosierung beträgt 10 bis 15 mg pro kg Körpergewicht, alle 4 bis 6 Stunden. Ibuprofen wird als rezeptpflichtige Zäpfchen oder Saft üblicherweise erst ab dem 3. Monat verabreicht und zwar mit einer Tagesdosis von 20 bis 30 mg/kg auf 3 bis 4 Einzeldosen aufgeteilt; ab 12 Jahren gibt es auch rezeptfreie Darreichungsformen. Die stärkste Wirkung wird nach drei bis vier Stunden erreicht. Sie hält etwa sechs bis acht Stunden an. Rascher, aber kürzer wirkt Paracetamol.

Wichtig:

  • Die Fiebersenkung mit Paracetamol tritt erst nach 30 bis 60 min. ein und hält 4 bis 6 Stunden an. Eine Steigerung der Dosierung oder Verkürzung der Intervalle verbessert weder bei Paracetamol noch bei Ibuprofen die Wirkung, sondern erhöht nur die Nebenwirkungsrate!
  • Wegen der nachweislichen Dosierungenauigkeit von Messlöffeln sollte man bei Säuglingen und Kleinkindern nur mehr Spritzpipetten einsetzen, die es auf Wunsch in Apotheken gibt.
  • Aspirin darf bei Kindern unter 12 Jahren wegen des so genannten Reye-Syndroms, einer schweren Nebenwirkung, nicht eingesetzt werden.
  • Umschläge mit kühlem Wasser oder Essigpatscherln haben sich bewährt; sie sollten aber nur angewendet werden, wenn das Kind warme Arme und Beine aufweist. Ansonsten ist die Kreislaufbelastung zu groß.

 

 

Bedenkliche Anzeichen bei fiebernden Säuglingen und Kleinkindern

• Trinkverweigerung
• Berührungsempfindlichkeit
• Ständiges Wehklagen

• Nackensteifigkeit
• Lethargie
• Bewusstseinstrübung
• Petechien (punktförmige Hauteinblutungen)
• ungewöhnliche Atemgeräusche

 


Fieber mit Ausschlag

Hinter einem Ausschlag verbergen sich meist Kinderkrankheiten wie Masern, Röteln, Windpocken, Scharlach, das Dreitagefieber oder eine Windeldermatitis. In letzter Zeit haben impfskeptische Eltern für aufflackernde Masernepidemien in Europa gesorgt, ein Grund mehr, sich kritisch damit  auseinanderzusetzen. Bei solchen Ausschlägen ist immer ein Arzt aufzusuchen.

Das Dreitagefieber

Das sehr häufige Dreitagefieber tritt am öftesten zwischen einem halben Jahr und zwei Jahren auf. Nach einer Tröpfcheninfektion mit Herpesviren kommt es zuerst zu einem 3- bis 5-tägigen Fieber, gefolgt von einem Ausschlag. Bei einigen wenigen Kindern eilt der Ausschlag um einen Tag vor bzw. folgt erst nach dem Abklingen des Fiebers. Es bilden sich zuerst einzeln stehende kleine rote Flecken oder Bläschen, und zwar anfangs um die Ohren. Sie breiten sich dann über das Gesicht, den Hals und Nacken auf den Körperstamm aus. Der Ausschlag bleibt nur wenige Stunden bis Tage bestehen. Herpesviren können auch Augenbindehautentzündung und Lidrandschwellungen verursachen!

Wichtig:

Der geschilderte Ablauf der Erkrankung ist eher die Ausnahme als die Regel. Meist macht sich die Infektion nur mit mehrtägigem hohem Fieber bemerkbar. Das Fieber verursacht bei 10 bis 15 % der Säuglinge Fieberkrämpfe und wird mit fiebersenkenden Zäpfchen bekämpft. Neigt ein Kind zu Fieberkrämpfen, kann es sinnvoll sein, ihm bereits bei beginnendem Fieber ein Antipyretikum, also ein Fiebermittel, zu geben.

 

Infekte der Atemwege und ihre Komplikationen

Halsschmerzen, Husten und Schnupfen sind die bekanntesten Symptome respiratorischer Erkrankungen und werden fast immer von Fieber begleitet. Husten kann z.B. der einzige signifikante Hinweis auf eine Mittelohr- oder  unterschwellige Nebenhöhlenentzündung sein. Vor allem die Mittelohrentzündung sorgt durch das plötzliche Auftreten massiver Schmerzen – besonders in der Nacht – für aufgeregte Eltern. Wie Sie solche Infekte am besten behandeln, erläutert Ihnen Ihr Apotheker gerne.

Mittelohrentzündungen tun weh

Wenn Keime bei Schnupfen bis zum rechten oder linken Mittelohr aufsteigen, führen sie dort zu plötzlich einsetzenden heftigen, pulsierenden Ohrenschmerzen. Charakteristisch ist der so genannte Ohrzwang beim Säugling und Kleinkind, also ein ständiges Bedürfnis, die schmerzende Stelle zu berühren. Weitere typische Symptome sind Hörstörungen, herabgesetztes Allgemeinbefinden sowie mitunter Fieber und Schwindel. Diese Anzeichen erfordern ärztliche Behandlung. Bei vier von fünf Patienten heilen sie innerhalb von 7 bis 14 Tagen von selbst aus. Bei schmerzhaften Verläufen ist die altersgerechte Gabe von Paracetamol bzw. Ibuprofen in drei bis vier Dosen hilfreich. Abgeraten wird von schmerzstillenden Ohrentropfen. Sie sind wirkungslos, weil sie bei intaktem Trommelfell nicht bis zur Entzündung vordringen können.

Nebenhöhlenentzündungen sind hartnäckig

Während Säuglinge anatomisch bedingt, selten eine Entzündung der Höhlen im Gesichtsschädel entwickeln, bekommen sie Kinder mit zunehmendem Alter häufiger. Charakteristisch ist ihr Auftreten in Zusammenhang mit einem Schnupfen, der anhält und von hartnäckigem Reizhusten und Kopfschmerzen begleitet wird.Abschwellende Nasentropfen kann man in einer solchen Situation gerne einsetzen. Besser geeignet sind aber Nasensprays, weil der Sprühnebel eher die Ausführungsgänge der Nebenhöhlen erreicht als Nasentropfen.

 

Mag. pharm. Dr. Alfred Klement

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Dr. Klement ist Pharmazeut und Heilpflanzenspezialist. Ständiger Mitarbeiter bei der Österreichischen Apotheker-Zeitung ÖAZ, Kronenzeitung, Ärztekrone, Apothekerkrone. Mitarbeit bei der Apothekenfortbildung.

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