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Wer die Qual hat, hat die Wahl

Medizinische Fachgesellschaften berichten von mehr als 250 verschiedenen Kopfschmerzarten. Hier ist sachkundige Beratung gefragt: Ihr Apotheker weiß, welches Präparat gut wirkt, ohne dem Körper zu schaden. Auch gibt es Möglichkeiten der Vorbeugung.

Selbstmedikation bei Kopfschmerzen

Madame Pompadour, Wilhelm Busch, Alfred Nobel und Marie Curie hatten mehr Gemeinsamkeiten als man erwarten würde: Sie litten Zeit ihres Lebens an schweren Kopfschmerzen. Untersuchungen zeigen, dass es sieben von 10 Österreichern nicht anders ergeht: Mindestens einmal im Monat schränken Kopfschmerzen ihre Lebensqualität stark ein. Heute gibt es zur Akuttherapie leichter und mittelschwerer Attacken wirksame Präparate, die ohne Rezept erhältlich sind.

Migräne oder Spannungskopfschmerz

In den meisten Fällen leiden Patienten an Migräne oder Spannungskopfschmerzen. Diese so genannten primären Kopfschmerzen haben keine Ursachen wie Verletzungen oder Erkrankungen des Gehirns. Bei Migräne beschränken sich die Beschwerden auf eine Seite des Gesichts. Charakteristisch sind weitere Symptome wie Lichtempfindlichkeit, Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit, eine verstopfte Nase oder ein tränendes Auge. Selten kommen Wahrnehmungsstörungen beim Sehen, die so genannte »Aura«, mit hinzu. Patienten mit Spannungskopfschmerz klagen eher über Beschwerden in der Stirn- oder Scheitelregion beziehungsweise am Hinterkopf. Oftmals ist der gesamte Kopfbereich betroffen, ohne dass eine genaue Lokalisierung gelingt. Dabei fallen verspannte Nacken- und Schultermuskeln auf. 

Wirksame Hilfe aus der Apotheke

Heute muss aber niemand mehr wie zu Madame Pompadours Zeiten entsprechende Beschwerden ertragen. Apotheker empfehlen verschiedene Präparate: Acetylsalicylsäure (ASS, 900 bis 1.000 mg), Ibuprofen (400 mg) und Paracetamol (1.000 mg) helfen rasch bei Migräne. In klinischen Studien schnitten Präparate mit einer Kombination aus ASS, Paracetamol und Coffein gut ab: Patienten berichteten von einem schnelleren Eintritt der Wirkung bei gleichzeitig höherer Wirkstärke. Diese Kombinationspräparate führen gelegentlich zu Entzugskopfschmerzen und sollten – wie alle Schmerzmittel – nicht über lange Zeiträume eingenommen werden. Als Grenze gelten 10 Tage beziehungsweise drei aufeinanderfolgende Tage pro Monat, um von Medikamenten ausgelösten Kopfschmerz zu vermeiden. Allerdings ist nicht in jedem Fall eine Selbstmedikation möglich. Sollte das Leiden zum ersten Mal auftreten oder besonders heftig sein, bleibt nur der Gang zum Arzt. Das gilt auch bei Kopfschmerzen nach Unfällen, bei Lähmungserscheinungen, Schwindel, Trübungen des Bewusstseins oder Fieber. Falls frei verkäufliche Arzneistoffe nicht ausreichend wirken, verschreiben Ärzte bei Migräne so genannte Triptane, die sehr effektiv sind und kaum Nebenwirkungen zeigen. Patienten mit Spannungskopfschmerzen profitieren vom rezeptpflichtigen Diclofenac.

Beschwerdefrei in anderen Umständen

Viele Migräne-Patientinnen fragen sich vor einer Schwangerschaft, wie sie neun Monate ohne Arzneimittel überstehen. Die gute Nachricht: Bei 70 bis 80 Prozent aller werdenden Mütter treten Kopfschmerzen seltener auf oder sind weniger stark. Dann reichen unter Umständen bereits Ruhe, ein dunkles Zimmer und kühle Kompressen aus, um die Beschwerden zu lindern. In einzelnen Fällen verschwindet die Migräne sogar komplett. Sind trotzdem Medikamente erforderlich, bleibt nach Rücksprache mit dem Gynäkologen Paracetamol für alle Stadien. ASS und Ibuprofen sind kritischer zu bewerten, da sie zum vorzeitigen Verschluss eines Blutgefäßes beim ungeborenen Kind führen können. Gynäkologen halten eine Gabe nur im zweiten Trimenon für möglich, falls Paracetamol nicht wirkt.

Gibt es alternative Therapieempfehlungen?

 

  • Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium, Vitamin B2, Coenzym Q 10, alpha-Liponsäure unddd Omega-3-Fettsäuren helfen manchen, aber nicht allen Menschen mit Kopfschmerzen.  
  • Testen Sie bei Spannungskopfschmerzen echtes Pfefferminzöl. Das Einreiben von Schläfen, Stirn und Nacken lindert häufig die Beschwerden.
  • Viele Patienten profitieren von autogenem Training beziehungsweise von progressiver Muskelrelaxation nach Jacobson, um weiteren Kopfschmerzattacken vorzubeugen.


Was können Sie selbst tun?

  • Führen Sie als Vorbereitung für Arzttermine ein Kopfschmerztagebuch. Ihre Apotheke hält Vorlagen bereit.
  • Notieren Sie auch, was Sie essen. Manche Patienten reagieren auf bestimmte Speisen und Getränke mit Kopfschmerzen. Dazu gehören Rotwein, reife Käsesorten oder Schokolade.
  • Vermeiden Sie Alkohol, Nikotin und nach Möglichkeit auch Coffein.
  • Verringern Sie Ihren Stress.
  • Essen Sie regelmäßig und trinken Sie gerade im Sommer ausreichend viel.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig, besonders gut sind Ausdauersportarten.
  • Verbessern Sie Ihre Körperhaltung durch Krankengymnastik und durch einen ergonomischen Arbeitsplatz.
  • Achten Sie auf einen gleichmäßigen Rhythmus. Am Wochenende kann es sinnvoll sein, zur gewohnten Zeit den Wecker zu stellen.


 

  • Datum 23.04.2014
  • Autor Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel

Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel

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