Auch Kinder und Jugendliche sind häufig Kopfschmerzpatienten

Dass in Österreich Erwachsene zu rund 50 Prozent häufig an Kopfschmerzen leiden, ist bekannt. Doch für Kinder und Jugendliche gibt es kaum verlässliche Zahlen. Wiener Experten haben gemeinsam mit türkischen Kollegen einen neuen Fragebogen zu diesem Thema in Wien und Istanbul getestet.

Dr. Cicek Wöber-Bingöl von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der MedUni Wien  und ihre Co-Autoren haben Kopfschmerz-Fragebögen für Kinder zwischen sechs und elf Jahren und für Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 17 zur selbstständigen Beantwortung durch Probanden bzw. Patienten erstellt.

Das Durchschnittsalter - so die Veröffentlichung der Erfahrungen im Journal of Headache and Pain - betrug 13,9 Jahre. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit Kopfschmerzen ist den Ergebnissen zufolge hoch. So hatten 89,3 Prozent der Probanden zumindest einmal im Jahr vor der Erhebung Kopfschmerzen gehabt. Zu 39,3 Prozent waren es Migräne-Anfälle gewesen, zu 37,9 Prozent sogenannte Spannungskopfschmerzen. 4,5 Prozent hatten sogar an 15 oder mehr Tagen pro Monat an diesen Beschwerden gelitten. 20,7 Prozent waren mindestens einmal von der Schule wegen Kopfschmerzen ferngeblieben, 48,8 Prozent hatten zumindest einmal pro Monat nicht ihren normalen Aktivitäten nachgehen können.    

Laut den Autoren zeigten die Analysen zur Methodik, dass die Fragebögen eine gute Genauigkeit bei der Identifizierung von Kopfschmerzpatienten im Kindes- und Jugendalter aufweisen. Laut einer vom Linzer Neurologen Christian Lampl vor Jahren durchgeführten österreichweiten Studie sind rund 50 Prozent der erwachsenen Österreicher zumindest zeitweise von Kopfschmerzen betroffen. 10,2 Prozent der Österreicher haben Migräne, das entspricht rund 800.000 Menschen (72 Prozent davon Frauen, 28 Prozent davon Männer).    

Während Erwachsene in vielen Fällen - in vielen allerdings auch nicht - mit diesen häufigen Beschwerden umzugehen gelernt haben, ist die Angelegenheit speziell bei Kindern oft viel schwieriger. Das kann daran liegen, dass Kleinkinder eben die Symptome nicht so "typisch" schildern wie Erwachsene. Andererseits haben sie auch in vielen Fällen andere Beschwerden. So kann sich beispielsweise die Migräne - häufig bei Kindern durch Schlafrhythmusstörungen, Stress, soziale Konflikte etc. ausgelöst - auch in unklaren Bauchbeschwerden äußern. Generell wird bei Kindern auch häufig mit der Gabe von Schmerzmitteln eher zugewartet, während Erwachsene längst schon zur Tablette greifen.

  • Datum 27.07.2015
  • Autor APAmed

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