Arzneipflanzen für die geistige Fitness

Geistige Fitness im Alter zu bewahren ist wohl der Wunsch eines jeden Menschen. Forschungen der letzten Jahre zeigen, dass neben einem gesunden Lebensstil und synthetischen Arzneimitteln auch Heilpflanzen hierzu einen nicht zu unterschätzenden Beitrag leisten können.

Heilpflanzen werden seit einiger Zeit intensiv erforscht, und oft können über Jahrhunderte überlieferte Wirkungen nun wissenschaftlich belegt werden. Auch für die Erhaltung der geistigen Leistungsfähigkeit stehen Arzneipflanzen zur Verfügung. Wegen der nötigen Dosierung und weil es für den Körper wichtig ist, während des empfohlenen Einnahmezeitraumes immer die gleiche Menge an Wirkstoffen zur Verfügung zu haben, haben sich besonders in dieser Indikation Fertigpräparate aus der Apotheke bewährt. Zudem sind sie einfach mitzuführen und anzuwenden. Essenziell ist dabei, dass eine gute und reine Qualität, eben Apothekenqualität, sowie eine ausreichende Menge an Wirkstoffen vorliegen. Fragen Sie dazu einfach Ihren Apotheker.

Ginkgo verbessert die Durchblutung

Bereits im alten China sollen Mönche Ginkgoblätter (Ginkgo biloba) gekaut haben, um  Alterserscheinungen zu vermindern. Der Ginkgobaum gilt in China dementsprechend als Symbol eines langen Lebens. Seit mehreren Jahrzehnten hat sich diese Heilpflanze auch in Europa etabliert und ist das Ziel zahlreicher Forschungen. Die Wirkung wird vor allem den Flavonoiden, Ginkgoliden und so genannten Sesquiterpenlactonen zugesprochen. Der Extrakt aus den Ginkgoblättern erweitert vor allem kleine Blutgefäße und verbessert die Fließeigenschaft des Blutes. Dies führt letztlich zu einer  verbesserten Durchblutung in den Extremitäten und im Gehirn. Die Zellen werden besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Deshalb wird Ginkgo seit Jahren bei Durchblutungsstörungen in Händen und
Beinen sowie bei kognitiven Beschwerden wie Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen eingesetzt.
 

Neuere Untersuchungen zeigen, dass Ginkgo möglicherweise auch die Wahrscheinlichkeit einer Alzheimererkrankung vermindern kann. Ginkgo entfaltet nämlich im Gehirn schützende Effekte auf die Zellen, sodass weniger zellschädigende Radikale entstehen. Letztlich sind hier aber noch weitere Untersuchungen notwendig. Für eine angemessene Wirkung ist eine ausreichend hohe Tagesdosierung von 120 bis 240 mg eines standardisierten Extraktes wichtig, wobei die Tagesdosierung bei Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen mindestens 160 mg betragen sollte. Zu den selten auftretenden Nebenwirkungen zählen Kopfschmerzen und Magen-Darmbeschwerden.

Ginseng schützt Körper und Gehirn

Ginsengwurzel (Panax ginseng) gilt in Asien seit Jahrhunderten als wichtiges Stärkungsmittel für Körper und Geist. In China gilt sie als Symbol für Gesundheit und hat hier eine zumindest 3.000-jährige Geschichte. In Korea heißt Ginseng sogar „Wurzel des Lebens“. Als relevante Wirksubstanzen gelten vor allem die in der Wurzel enthaltenen Saponine, so genannte Ginsenoside. Diese verringern die  Anfälligkeit gegenüber Infektionskrankheiten und stressbedingten Erschöpfungszuständen. In  klinischen Untersuchungen konnten zudem die Konzentrationsfähigkeit, das Reaktionsvermögen und die geistige Leistungsfähigkeit verbessert werden. Ginseng bewirkte zusätzlich in mehreren Untersuchungen zellschützende Effekte an Gehirnzellen. Ginseng ist in zahlreichen Produkten im Handel. Dabei wird sowohl der weiße als auch der rote Ginseng angeboten.

Der Unterschied liegt im Trocknungsprozess, die Ausgangspflanze ist dieselbe. Da es sich beim roten Ginseng um mindestens sechs Jahre alte Pflanzen und um eine schonendere Trocknung handelt, gilt dieser als qualitativ hochwertiger. Für eine optimale Wirkung ist eine ausreichend hohe Tagesdosierung nötig. Diese liegt zwischen 200 und 400 mg eines alkoholischen oder wässrigen Extraktes. Nebenwirkungen sind selten, nur in hohen Mengen kann es zu Schlaflosigkeit, Niedergeschlagenheit, Bluthochdruck und nervöser Unruhe kommen. Wegen nicht auszuschließender hormonartiger Wirkungen sollte Ginseng nicht länger als drei Monate eingenommen und in der Schwangerschaft gänzlich gemieden werden.

Rosenwurz steigert die Konzentrationsfähigkeit

Die Rosenwurz (Rhodiola rosea) ist eine alpine und arktische Heilpflanze, die sowohl im Alpenraum als auch in den nordeuropäischen Ländern eine lange Tradition als stärkende Heilpflanze bei stressbedingten Erkrankungen besitzt. Es wird dieser Pflanze sogar nachgesagt, die Wikinger hätten sie auf ihren langen Seefahrten mitgenommen, um sich vor Erschöpfung und Krankheiten zu schützen. In der alpinen Volksmedizin wird auch eine fruchtbarkeitsfördernde Wirkung beschrieben. Vor allem in Skandinavien und Russland wurde diese Pflanze ausgiebig untersucht. Als Wirksubstanzen werden die im Rhizom, also in der Wurzel, enthaltenen Zimtalkoholderivate und Salidrosid definiert.

In zahlreichen Studien wurde ein positiver Nachweis bei stressbedingten Erschöpfungszuständen und für eine gesteigerte Leistungsfähigkeit erbracht. Neuere Studien zeigten darüber hinaus auch eine gesteigerte Konzentration und verbesserte geistige Fähigkeiten. In Österreich gibt es seit einigen Jahren sogar ein zugelassenes Arzneimittel mit einem  standardisierten Extrakt aus der Rosenwurz. Die empfohlene Tagesdosierung liegt zwischen 400 und 600 mg des Extraktes. Da Rosenwurz eine anregende Wirkung besitzt, sollte man Rosenwurzpräparate nur in der ersten Tageshälfte einnehmen, da es sonst zu Schlafproblemen kommen kann.


Jiaogulan stärkt Herz und Nerven

In der Traditionellen Chinesischen Medizin gehört Jiaogulan (Gynostemma pentaphyllum) zu den bedeutendsten stärkenden Heilpflanzen gegen stressbedingten Erkrankungen. Die auch als „Kraut der Unsterblichkeit“ betitelte Heilpflanze wird in der westlichen Welt zunehmend beliebter. Die für die Wirkung verantwortlich gemachten Saponine, die so genannten Gypenoside, sind jenen des Ginseng sehr ähnlich. Dies erklärt möglicherweise die Ginseng ähnlichen Anwendungen. Vor allem im asiatischen Raum wird diese Heilpflanze dementsprechend seit Jahren ausgiebig erforscht.

Neben positiven Wirkungen bei Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen zeigten sich mit Jiaogulan auch stärkende und anregende Effekte auf Gehirn und Nerven. So konnte einem Extrakt aus Jiaogulan schützende Wirkungen auf Zellen im Hirngewebe nachgewiesen werden, und im Tierversuch zeigten sich lernsteigernde Effekte. Weitere Untersuchungen sind hierzu allerdings nötig.

  • Datum 19.10.2015
  • Autor Mag. pharm. Arnold Achmüller

Mag. pharm. Arnold Achmüller

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