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Tipp von der Apothekerin: Krampfadern? Nein, danke!

Sie werden oft nur als kosmetisches Problem gesehen, und doch gehören sie zu den häufigsten Erkrankungen unsere Blutgefäße – Varizen oder auch Krampfadern.

Zwar wird das Risiko für tiefe Venenthrombosen oder Embolien in Folge von Krampfadern derzeit als gering eingestuft; bleiben sie jedoch unbehandelt, können sie durchaus ernste Probleme bereiten, die von gelegentlichen Beschwerden bis hin zur chronischen Veneninsuffizienz und dem Aufbrechen von schlecht heilenden Wunden, dem gefürchteten Ulcus cruris, reichen können – Verlust der Lebensqualität und oftmals auch Arbeitsfähigkeit mit eingeschlossen.

Wer ist gefährdet?

Venenerkrankungen können mittlerweile getrost als Volkskrankheit bezeichnet werden: jeder 6. Mann und jede 5. Frau leiden unter einer chronischen Veneninsuffizienz mit unterschiedlichen Ausprägungen  und Schweregraden. Obwohl die Ursache für eine Venen-schwäche bis dato noch ungeklärt ist, spielt eine genetische Veranlagung zu Veränderungen in der Venenwand und Venen-Funktion eine große  Rolle. Jedoch kann man sich Krampfadern auch durchaus „erarbeiten“: Langes Stehen oder Sitzen, hormonelle Umstellungen durch die Einnahme der Antibabypille oder Schwangerschaften sowie Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel tragen das Ihre dazu bei. Ein höheres Lebensalter sowie das weibliche Geschlecht per se gehören ebenfalls zu den Risikofaktoren, an einer  Veneninsuffizienz zu erkranken.

 

Die ersten Anzeichen

Grundsätzlich sind Frühsymptome gut sicht- und spürbar und eigentlich kaum zu übersehen: Müde, schwere Beine nach einem langen Arbeitstag mit einem unangenehmen Spannungs- oder „Platz“gefühl sowie Abdrücke von Schuh- und Sockenrändern in der Haut weisen auf erste Probleme hin. Die  Beschwerden nehmen im Verlauf eines Tages ebenso zu wie bei längerem Stehen oder Sitzen  (Stichwort Busreisen). Schreitet die Venenerkrankung voran, so stellen sich immer öfter ziehende oder brennende Schmerzen und Schwellungen im Bereich der Unterschenkel und Knöchel ein. Spätestens dann sollte mit einer gezielten Behandlung begonnen werden.

Hilfe aus der Natur

Solange keine Zeichen einer akuten Venenentzündung oder Thrombose vorliegen, steht einer  Selbstmedikation nichts im Wege. Dabei kommen pflanzliche Venentherapeutika aus der Rosskastanie, dem Roten Weinlaub, Zitrusschalen oder dem Japanischen Schnurbaum zum Einsatz, deren entzündungshemmende und gefäßabdichtende Wirkungen auf ihren Inhaltsstoffen, den Flavonoiden und Saponinen, beruhen. Sie sind größtenteils sowohl als Arzneiform zum Schlucken als auch als  Salbe oder Gel erhältlich und werden idealerweise kombiniert angewendet. Während Salben tiefer ins Gewebe eindringen können und bei trockener Haut bevorzugt verwendet werden sollten, schätzt man vor allem im Sommer die kühlende Sofortwirkung des Gels oder Sprays. Orale pflanzliche Venentherapeutika sind grundsätzlich zur Dauertherapie geeignet und lassen ein Beinödem in 4 bis 8 Wochen bei konsequenter Einnahme verschwinden. Generell machen Einnahmezyklen von 2 bis 3 Monaten Sinn. Mittlerweile belegen jedoch Studien, dass die Gefäßabdichtung auch nach einem Einnahmestopp darüber hinaus einige Wochen anhält und somit eine Pause zu Zeiten geringerer Beschwerden (z.B. im Winter) durchaus vertretbar ist.

Venenschutz im Sommer

Neben ersten Maßnahmen wie Übergewicht reduzieren, Zuckerzufuhr beschränken sowie den Ballaststoffanteil der Ernährung erhöhen, sollte man Hitzeeinwirkungen wie Sonnenbaden, Saunabesuche oder Solarium auf ein Minimum beschränken. Da für eine optimale Venentätigkeit das richtige Abrollen des Fußes enorm wichtig ist, sollten enge Kleidung und High Heels eher die Ausnahme sein. Barfuß laufen oder bequeme Schuhe verschaffen den Beinen, und damit den Venen, die nötige Erholung. Regelmäßige Bewegung wie Walken, Laufen, Radfahren oder Schwimmen trainiert die Wadenmuskelpumpe und unterstützt die Venen bei ihrer Arbeit. Wer einen stehenden oder sitzenden Beruf ausübt, verschafft den Venenklappen mit regelmäßigen Fuß-Übungen wie Wippen in den Zehenstand oder Fußkreisen Erleichterung. Die meisten Thrombosen entstehen durch zu lange Immobilisation, wie sie auf Reisen aber auch vor dem Computer oder beim Bridgespielen (!) entstehen können. Daher gilt auch im Flugzeug, Auto oder Reisebus: öfter Pausen machen mit Bewegung bzw. zumindest Aufstehen. Ist dies nicht möglich, so können leichte Kompressionsstrümpfe wertvolle Dienste leisten. Ausreichendes Trinken nicht vergessen!

  • Datum 10.08.2015
  • Autor Mag. pharm. Irina Schwabegger-Wager

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