Viele Krebspatienten haben Angst zu essen

Patienten, die an Krebs erkrankt sind, kämpfen häufig mit Problemen wie Gewichtsverlust, Geschmacksveränderungen, Schluckstörungen, verändertem Speichelfluss oder Übelkeit. "Zudem haben 80 Prozent Angst zu essen", erklären Experten.

Die tägliche Ernährung wird zur Herausforderung, denn die Betroffenen müssen einerseits gehaltvoll essen, um im Zuge einer Chemo- oder Strahlentherapie nicht zu stark an Gewicht zu verlieren, aber andererseits leiden sie an Begleiterscheinungen, die die Nahrungsaufnahme stark einschränken. "Ich höre oft, das schmeckt alles nach Schuhe und Pappe", erzählte Erickson. Oder die Patienten haben enormen Hunger, aber wenn das Essen vor ihnen steht, dann bekommen sie nichts herunter. Andere wiederum leiden so enorm unter Durchfall, dass sie das Haus nicht verlassen können.

"Gerade für Menschen mit Krebserkrankungen ist es wichtig, sich ausgewogen und abwechslungsreich zu ernähren", meinte Erickson. "Und ich nehme ihnen die Angst davor." Es sei wichtig, im Zuge der Krebstherapie das Gewicht zu stabilisieren. Denn es kann nicht nur zu Gewichtsverlust kommen, bei hormongesteuerten Krebsarten ist auch eine Zunahme möglich. "Die Ernährung muss sich dabei an den persönlichen Bedürfnissen und Möglichkeiten orientieren und soll kein zusätzlicher Stressfaktor werden", ist Erickson überzeugt.

Kritik äußerte die Wissenschafterin an den zahlreichen Krebs-Diäten, die auf dem Markt sind. "Die gibt es nicht", meinte Erickson. Den Patienten würde durch Weglassen von bestimmten Lebensmitteln die Mikronährstoffe fehlen. So gebe es etwa den Ratschlag, zehn bis 20 Kilogramm Gemüse pro Tag zu essen, das sei nicht praktikabel. "Krebspatienten neigen zu Extreme", meinte Erickson. Und Extreme seien in der Ernährung nicht sinnvoll. Erickson empfiehlt deshalb eine evidenzbasierte Ernährungsberatung bei einem Diaetologen.

Im deutschsprachigen Raum etwa gelte der Grundsatz, dass Schokolade stopfen würde. Erickson, die aus den USA stammt, zeigte sich darüber verwundert, kannte sie diese Überlieferung gar nicht und forschte nach. "Dass Schokolade die Verdauung hemmt, hat nur eine einzige deutsche Studie bewiesen", meinte die Wissenschafterin, doch seit Jahrzehnten wird die Empfehlung an Generationen weitergegeben.

"Es gibt so viele Faktoren, die wir noch nicht verstehen", meinte Erickson. Denn der Stoffwechsel eines Krebspatienten verläuft katabolisch (abbauend, Anm.) und inflammatorisch (entzündlich, Anm.). Da es zu diesem Thema noch zu wenige Studien gibt, startet derzeit nach Abschluss der Pilotstudie in München eine Untersuchung, bei der 660 Frauen bei ihrer Ernährung und zum Thema Sport betreut werden. Es wird beobachtet, wie sich der Lebensstil auf eine Krebserkrankung auswirken kann.

  • Datum 14.03.2016
  • Autor APAMED vom 11.03.2016 Rubrik: Forschung

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Winterpollen im Anflug

Augenjucken und eine tropfende Nase – in den meisten Fällen werden solche Symptome als Erkältung abgetan, dies ist jedoch nicht immer der Fall. Denn was die wenigsten wissen: Auch im Winter können Pollen für Allergiebeschwerden sorgen und für Betroffene unangenehm sein.

hier weiterlesen


Mutterkraut ist Arzneipflanze 2017

Die Wissenschaft gewinnt ständig neue Erkenntnisse über Wirkstoffe und positive Effekte traditioneller Heilpflanzen. Zur Arzneipflanze 2017 wurde Mutterkraut gekürt. Diese traditionelle Heilpflanze zeichnet sich durch gute Wirksamkeit und ausgezeichnete Verträglichkeit in der vorbeugenden Behandlung von Migräne aus.

hier weiterlesen


Schwere Arbeit mindert möglicherweise die Fruchtbarkeit

Schwere körperliche Arbeit und nächtliche Schichtarbeit beeinträchtigen die Eizellenqualität und -zahl von Frauen und damit womöglich ihre Fruchtbarkeit. Besonders ausgeprägt sei dieser Effekt bei übergewichtigen und älteren Frauen, berichten US-Forscher.

hier weiterlesen


Entwarnung: Influenza-Welle im Abebben

Die Influenza-Welle ist deutlich im Abebben. Vergangene Woche wurden in Wien nur noch rund 8.400 Neuerkrankungen an Virus-Grippe und grippalen Infekten registriert. In der Woche davor waren es noch rund 12.600 Fälle gewesen.

hier weiterlesen


Lebenslanges Impfen: Eine notwendige Präventionsmaßnahme

Wer glaubt, dass das Thema Impfen mit Ende der Pflichtschulzeit erledigt ist, der irrt. Die aktuelle Datenlage zeigt klar, dass wir auch als Erwachsene und ganz besonders im fortgeschrittenen Alter regelmäßige Auffrischungen benötigen.

hier weiterlesen


Österreich isst und kauft zu süß

Überhöhter Zuckerkonsum führt zu Übergewicht, Diabetes und Fettleber. Der aktuelle Diskurs über die Reduktion von Zucker in Lebensmitteln und Getränken wird von der ÖDG sehr positiv gesehen, denn es gibt viel zu viele und bereits sehr junge Menschen, die gefährdet sind – besonders Jugendliche mit niedrigem sozioökonomischen Status. Leistbare, zuckerreduzierte Lebensmittel müssen für die gesamte Bevölkerung leicht zugänglich sein. Aufklärung und die Unterstützung gesünderer Alternativen sind ein Auftrag für die gesamte Gesellschaft.

hier weiterlesen