Reden über Krebs

Rund 37.000 Menschen werden pro Jahr in Österreich mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Reden über Krebs ist nie einfach, aber essentiell für Patient, Arzt und das soziale Umfeld.

Studien zeigen: Nur knapp ein Drittel des Diagnosegesprächs dringt überhaupt zu einem Krebspatienten durch. Der Rest geht in dieser Schocksituation unter. Umso wichtiger ist es für Onkologen zu wissen, wie sie ein solches Gespräch so führen können, dass der Patient oder die Patientin das Wichtigste wirklich mitbekommt und sich nicht verloren fühlt. Ein Onkologe übermittelt in seinem Berufsleben circa 20.000 Mal die Diagnose Krebs. Professionelle Kommunikation kann für Arzt und Patient ein Rettungsanker sein und nimmt eine wichtige Rolle ein. "Von der Qualität des Arzt-Patienten-Gesprächs und dem menschlichen Verhältnis zwischen dem Patienten und seinen Pflegepersonen hängt zu einem guten Teil der Erfolg der Behandlung ab. Dabei ist eine Krebserkrankung nicht nur mit körperlichen Problemen, sondern auch mit massiver Verunsicherung, mit existenziellen Ängsten und großen Sorgen verbunden - und gerade dies sind die Belastungen, die eine offene Kommunikation erschweren", sagt Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg, Onkologe, designierter Rektor der MedUni Graz und Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin am Klinikum Graz. Das macht die Arzt-Patienten-Gespräche sehr herausfordernd.

Je besser die Kommunikation, desto effektiver die Behandlung

Für Krebspatienten ist - neben der fachlich richtigen Therapie - die Kommunikation mit dem behandelnden Arzt und dem Pflegepersonal ein ganz wichtiger Beitrag zur Bewältigung der Erkrankung. Jeder Patient ist anders und muss individuell betreut und beraten werden. Eine gute Arzt-Patienten-Kommunikation verlangt von Ärztinnen und Ärzten einerseits theoretisches Wissen um grundsätzliche allgemeine Gesprächstechniken und andererseits Klarheit über die eigenen Beweggründe und Ängste. "Wenn ein Patient erfährt, dass er Krebs hat, trifft es ihn bis ins Mark. Es entstehen plötzlich so viele Handlungsebenen, die berücksichtigt werden müssen, dass dies sowohl für den Patienten, aber auch für den Arzt eine große Herausforderung darstellt, all den unterschiedlichen Erfordernissen gerecht zu werden", erklärt Univ.-Prof. Dr. Samonigg. Je schwerer und bedrohlicher eine Erkrankung, desto wichtiger ist die Kommunikation zwischen den Betroffenen, den Angehörigen und allen an der Krebstherapie Beteiligten - vom ersten Diagnosegespräch bis hin zur Behandlung und Nachsorge.Reden über Krebs nimmt eine Schlüsselrolle ein und trägt dazu bei, dass möglichst viele Krebspatienten in dieser neuen Situation optimal beraten und betreut werden.

Reden wir über Krebs. Oder besser nicht?

Die Tatsache, an Krebs erkrankt zu sein, löst bei den Patienten unterschiedliche psychosoziale Probleme in allen Lebensbereichen aus. Diese reichen von Sorgen, Orientierungslosigkeit bis hin zu klinisch relevanten Angststörungen und Depressionen sowie Verzweiflung und Isolation. Intensive medizinische Behandlungen, die zwar immer sanfter, sicherer und wirksamer werden, können bei den Betroffenen in erster Linie eben auch zu Ängsten und Verunsicherungen führen. Eine Krankheit wie Krebs trifft nicht nur die erkrankte Person. Die ganze Familie und das nähere und weitere Umfeld werden vom Krankheits-geschehen berührt. Nach der Diagnose Krebs stellt sich für die Patienten die Frage: Wie bringe ich es meinen Angehörigen bei? Soll ich es meinen Kindern sagen? Muss ich es meinem Chef mitteilen? "Dass man die Nächsten, die man liebt, schonen möchte, ist verständlich", sagt Elisabeth Andritsch, Leitende Klinische Psychologin, Gesundheits-psychologin und Psychotherapeutin der Klinischen Abteilung für Onkologie in Graz. "Wenn aber weder über die Krankheit noch über die damit verbundenen Ängste und Anstrengungen gesprochen wird, besteht die Gefahr einer emotionalen Distanz, die auf Dauer z. B. innerhalb der Familie zu Missverständnissen und Spannungen führen kann. Dennoch sollte man sorgfältig abwägen, in welchem Umfang man sein Umfeld an dieser Situation teilhaben lässt", weiß Elisabeth Andritsch aus Erfahrung.

Patentrezepte gibt es nicht

Was für den einen gut war, ist für den anderen womöglich belastend. Deshalb ist es wichtig, dass Betroffene lernen, ihrem eigenen Gefühl / ihrer Intuition bei der Beurteilung einer schwierigen Gesprächs-situation zu vertrauen.

Fragen und Zuhören

Wie das Gespräch mit dem behandelnden Arzt abläuft, spielt eine entscheidende Rolle: "Es geht für mich als Patientin darum, verstanden zu werden, aber auch selber zu verstehen, was die Krankheit wirklich bedeutet, denn einige Brustkrebs-Patientinnen sind konfrontiert mit lebenslanger Therapie. Die Erklärungen sollten in einer Sprache erfolgen, die von Patientinnen auch verstanden wird und ich darf als Patientin kein schlechtes Gewissen bekommen, wenn ich meinem Arzt wiederholt die gleichen Fragen stelle", sagt eine Patientin.

 

Krebstherapie der Zukunft - eine maßgeschneiderte Behandlung für jeden Patienten

Lange Zeit wurden und werden noch immer viele Krebstumore mit Standardmethoden und -medikamenten behandelt, obwohl die genetische Struktur jedes Krebstumors unterschiedlich ist. Angetrieben von den Erfolgen in der modernen Molekulargenetik und den verbesserten Möglichkeiten, DNA Bausteine zu sequenzieren und zu analysieren, verändert sich die Medizin, und die Zukunft der Krebstherapie liegt zunehmend in individualisierten Behandlungen. Forschung, Diagnose und Behandlung rücken immer enger zusammen und lassen ein individuelles Behandlungskonzept für jeden Patienten erstellen, was die Effektivität der Therapie steigern und unerwünschte Effekte verringern wird. "Heute gibt es nicht mehr DEN einen Brust- oder DEN einen Lungenkrebs. Die genetische Heterogenität und die Anpassungsfähigkeit der Tumore stellen das Hauptproblem in der Therapie des Krebses dar. Doch genau in dieser Erkenntnis liegt die Opportunität der zukünftigen Krebsbehandlung. Zunehmend wird ein genetisches Profil des Tumors jedes Patienten erstellt. Hier werden die Informationen der Krebszelle innerhalb eines Tumors analysiert, anhand derer die entsprechende Therapieform definiert wird.

  • Datum 15.01.2016
  • Autor APA | Novartis

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