Leben mit Rheuma

Unter dem Begriff Rheuma werden viele Erkrankungen der Bewegungsorgane zusammengefasst, die meist mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen einhergehen. Rheumatoide Arthritis und Morbus Bechterew zählen ebenso zum rheumatischen Formenkreis wie Arthrose und Weichteilrheumatismus. Aber auch die Stoffwechselerkrankung Gicht äußert sich durch typische rheumatische Beschwerden.

Rheumatische Erkrankungen sind schmerzhaft und häufig mit Bewegungseinschränkungen verbunden. Da sie in den meisten Fällen chronisch sind, müssen Betroffene lernen, die Krankheit in ihr Leben zu integrieren. Das bedeutet meist sowohl das Berufsleben als auch die Freizeit neu zu gestalten. Es gibt aber auch Hilfsmittel, die Menschen das Leben mit Rheuma erleichtern können und ihnen helfen, ihre Lebensqualität und Selbständigkeit zu erhalten.

Therapie

So wie es viele verschiedene Formen des Rheumas gibt, so gibt es auch unterschiedliche Therapiemöglichkeiten, je nach Art und Schwere der Erkrankung. Bei Verdacht auf Rheuma sollten Sie also unbedingt einen Arzt aufsuchen, denn nur nach einer genauen Diagnose können Sie auch adäquat behandelt werden. Schmerzmedikamente (Analgetika), Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), Kortison, Basismedikamente und Biologika sind die gängigsten Gruppen bei der Rheuma-Therapie. Wenn Sie zusätzlich selbständig zu Medikamenten greifen, lassen Sie sich unbedingt vorher von Fachleuten dazu beraten, denn häufig vertragen sich Medikamente untereinander nicht und führen so vermehrt zu Nebenwirkungen. Und noch ein Tipp: Mittel, die in der Werbung oder dem Internet als „Wundermittel ohne Nebenwirkungen“ angepriesen werden, sind jedenfalls kritisch zu hinterfragen, denn Wunder gibt es leider nur in Märchen. 

 

Schwangerschaft und Rheuma

Von Rheuma sind – entgegen gängiger Meinung – nicht nur alte Menschen betroffen. Die Erkrankung zeigt sich vielfach sogar schon im Kindesalter und auch junge Erwachsene können betroffen sein. Hier stellt sich für viele – vor allem junge Frauen – die Frage, ob sie trotz ihrer rheumatischen Erkrankung Kinder bekommen können. Dies ist in der Regel möglich, allerdings muss beachtet werden, dass viele der eingesetzten Medikamente das ungeborene Kind schädigen können und manche sogar schon einige Monate vor der Zeugung abgesetzt werden müssen. Deshalb ist es ratsam, bei Kinderwunsch mit dem behandelnden Arzt zu sprechen, um die Therapie entsprechend anzupassen. Gleiches gilt auch für Väter in spe, denn viele Medikamente können auch die Fruchtbarkeit bzw. das Erbgut der Männer beeinflussen und müssen daher zeitgerecht abgesetzt werden. In Ihrer Apotheke erhalten Sie genaue Auskunft darüber, welche Medikamente bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit bedenklich sind, setzten Sie Ihre Therapie aber nie ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt ab!

Bleierne Müdigkeit

Bei vielen rheumatischen Erkrankungen ist die Müdigkeit ein wesentliches Merkmal, das sich auch durch Ausruhen kaum bessern lässt. Dieses sogenannte Fatigue-Syndrom beschreibt nicht nur Müdigkeit, sondern vielmehr auch Erschöpfung, Schwäche und fehlende Energie. Bewegung hat sich hier als besonders hilfreich erwiesen. Je nachdem, welche Bewegungsart die Erkrankung zulässt sind Spaziergänge, Schwimmen oder Radfahren mögliche Sportarten. Es ist wichtig, das Training langsam zu beginnen und vorsichtig zu steigern, dafür aber regelmäßig durchzuführen.

Nichtmedikamentöse Therapien

Eine medikamentöse Therapie ist oft unumgänglich, vor allem Schmerzen lassen sich anders manchmal nicht in den Griff bekommen. Gerade bei chronischen Krankheiten – und dazu zählen die rheumatischen Erkrankungen – ist es aber wichtig, auch ergänzende Therapien anzuwenden. Da mangelnde Bewegung zu Gelenksschäden führen kann, sind spezielle Bewegungstrainings mit Krankengymnasten besonders geeignet, um die Gelenke beweglich zu halten ohne sie dabei zu überlasten. Durch eine Kräftigung der Muskulatur werden die Gelenke besser geschützt. Viele Selbsthilfegruppen bieten solche Gymnastikgruppen an.

Gelenkschutz

Rheuma schädigt die Gelenke. Deshalb sollten Rheumatiker besonders sorgsam mit ihren Gelenken umgehen und sie möglichst schonen, denn je stärker die Gelenke belastet werden, desto schneller kann eine Gelenkzerstörung fortschreiten. Eine gelenkschonende Gymnastik – wie oben erwähnt – kann die Muskeln kräftigen und damit die Gelenke entlasten. Im Alltag sollten Sie als Rheumapatient versuchen, ihre Gelenke zu schützen und bewusst kraftsparend einzusetzen indem Sie z. B. Hilfsmittel verwenden. Im Zuge einer Ergotherapie können Ihnen Spezialisten zeigen, wie Sie das im Alltag umsetzen können. Schon einfache Hilfsmittel können Ihnen die alltäglichen Abläufe erleichtern und Ihre Gelenke schonen.

Alltagshelfer

Rheumatische Erkrankungen sind fast immer mit Schmerzen und einer Einschränkung der Beweglichkeit verknüpft. Dadurch können schon einfache Tätigkeiten wie die tägliche Körperpflege zur unüberwindbaren Herausforderung werden. Der Einsatz von Hilfsmitteln kann dem Rheumapatienten helfen, solche Tätigkeiten weiterhin selbst zu verrichten und damit unabhängig zu bleiben. Badebürsten mit langem Griff können einem das Waschen erleichtern, ohne dass man sich dazu umständlich verrenken muss, als Eincreme-Hilfe hat sich eine Malerwalze - wie sie zum Anstreichen von Wänden verwendet wird – bewährt. Griffhilfen werden sowohl für Zahnbürsten als auch für Messer und Stifte angeboten, um das Handling mit diesen Gebrauchsgegenständen zu erleichtern. Weitere Informationen zum Thema Rheuma und Selbsthilfegruppen finden Sie hier.

  • Datum 26.06.2015
  • Autor Mag. pharm. Barbara Verdino

Mag.pharm. Barbara Verdino

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Pharmazeutin und Redakteurin, Kürzel BV

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