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Zwei Schwerstarbeiter im Verdauungssystem

Appetitlosigkeit, Völlegefühl und Druck im rechten Oberbauch deuten häufig auf Funktionsstörungen der Leber beziehungsweise der Galle hin. Betroffene sollten primär ihren Lebensstil umstellen. Darüber hinaus helfen zahlreiche Präparate aus Apotheken.

Leber und Galle

Viele Aufgaben, ein Organ: Unsere Leber stellt aus Zwischenprodukten Bluteiweiße und Glucose her. Darüber hinaus werden Medikamente, aber auch Abfallprodukte des Stoffwechsels entgiftet. Besonders wichtig ist die Synthese von Cholesterin. Durch chemische Umwandlung entstehen daraus Gallensäuren. Zusammen mit Wasser, Salzen und Enzymen werden sie in der Gallenblase gespeichert. Sobald über unsere Nahrung Fette in den Dünndarm gelangen, setzt der Körper Cholecystokinin frei. Durch dieses Hormon lockern sich Schließmuskeln der Gallenblase und Galle gelangt in den Zwölffingerdarm.

Gut verdaut und abgebaut


Gallensäuren gleichen in ihrer Wirkung bekannten Spülmitteln: Sie haben sowohl fettliebende (lipophile) als auch wasserliebende (hydrophile) Eigenschaften. Dadurch verringert sich die Oberflächenspannung des Darminhalts. Fette in unserer Nahrung werden emulgiert und mikroskopisch kleine Vesikel
entstehen. Diese so genannten Mizellen gelangen schließlich in unseren Körper. Doch geht es nicht nur Lipiden an den Kragen. Zur Ausscheidung mancher Arzneistoffe und körpereigener Abbauprodukte produziert die Leber Glutathion, ein kleines Molekül. Schwer wasserlösliche Stoffe werden nach der
chemischen Verknüpfung mit Glutathion über die Nieren ausgeschieden. Nicht immer funktionieren Leber und Galle jedoch einwandfrei.

Stress für die Leber


Ausgelöst durch Alkoholmissbrauch und durch jahrelange Ernährungssünden lagert unser Körper Lipide reversibel in Leberzellen ein, und eine Fettleber entsteht. Jeder vierte Erwachsene ist davon mehr oder minder stark betroffen. Die funktionale Störung gilt als Vorbote eines metabolischen Syndroms mit Bluthochdruck, Fettleibigkeit, erhöhten Blutfettwerten und Insulinresistenz. Bei strenger Alkoholabstinenz bilden sich Fettlebern von selbst wieder zurück, so lange noch keine Leberzirrhose entstanden ist. Diese Erkrankung führt zur unwiederbringlichen Zerstörung von Leberzellen, da funktionsloses Bindegewebe eingebaut wird. Beschwerden treten erst in fortgeschrittenen Stadien auf. Patienten bleibt
dann als letzte Chance nur noch eine Organtransplantation.


Galle in Nöten


Enthält die Gallenflüssigkeit zu viel Cholesterin, so entstehen zunächst unbemerkt Gallensteine. Schätzungsweise 10 bis 15 Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher sind davon betroffen, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Als Risikofaktoren gelten Schwangerschaften, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Hypercholesterinämien, also stark überhöhte
Cholesterinspiegel. Wenig Bewegung und fettreiche Kost fördern Gallensteine ebenfalls. Störende Kristalle wachsen immer weiter und versperren schließlich den Abfluss von Galle. Dann kommt es
zu starken Schmerzen im rechten Oberbauch, oft anfallsartig in Form von Koliken. Lästige Steine lassen sich heute meist im Zuge eines minimalinvasiven Eingriffs oder unblutig mit Stoßwellen entfernen. Kleinere Ablagerungen, die nur aus Cholesterin bestehen, können medikamentös aufgelöst werden. Bilden sich erneut Steine, empfehlen Ärzte die Gallenblase zu entfernen.

Was Sie selbst bei Leber- und Gallenbeschwerden tun können

 

  • Stellen Sie Ihren Speiseplan auf fettarme Kost um.
  • Überprüfen Sie zusammen mit Ihrem Arzt oder Apotheker, ob Sie zu viele Kalorien aufnehmen und lassen Sie sich gegebenenfalls diätische Maßnahmen empfehlen.
  • Vermeiden Sie Alkohol und Nikotin.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig.

Mittel aus Ihrer Apotheke

Zu Beginn einer Pharmakotherapie sollten Sie – falls erforderlich – Ihren Lebensstil kritisch überdenken.

  • Artischockenextrakte und -tinkturen enthalten unter anderem den Bitterstoff Cynarin. Entsprechende Präparate aktivieren den Stoffwechsel von Leber und Galle.
  • Arzneimittel mit Mariendistel-Extrakten wirken entgiftend und schützen die Leber. Auch der Gallenfluss wird angeregt. Das liegt vor allem an Silibinin. Mediziner setzen diesen Naturstoff in reiner Form bei Vergiftungen mit Knollenblätterpilzen als Leberschutz ein.
  • Gelbwurz (Kurkuma) fördert die Produktion von Gallensäuren.
  • Lactulose, ein bekanntes Abführmittel, wirkt bei chronischen Lebererkrankungen gegen schädlichen Ammoniak als Abbauprodukt des Aminosäurestoffwechsels. Der synthetische Zucker aktiviert Milchsäurebakterien und hemmt Urease, ein Enzym, das bei der  Ammoniakbildung wichtig ist.
  • Ornithinaspartat, ein Molekül aus zwei verschiedenen Aminosäuren, bindet Ammoniak ebenfalls.

 

  • Datum 02.04.2014
  • Autor Dipl.-Chem. Michael van de Heuvel